Elterngeldreform: Ifo sieht Sparziel von 1,6 Milliarden gefährdet
heute 10:58 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Eine Ifo-Studie beziffert die möglichen Einsparungen der geplanten Reform bis Ende 2030 auf höchstens 880 Millionen Euro. Damit könnte das Ziel des Bundesfamilienministeriums von rund 1,6 Milliarden Euro deutlich verfehlt werden.
via dts Nachrichtenagentur
Ifo-Studie stellt Elterngeld-Sparziel infrageDie geplante Elterngeldreform der Bundesregierung könnte den Bundeshaushalt ab November 2027 deutlich weniger entlasten als vorgesehen.
Eine Studie der Ifo-Niederlassung Dresden kommt für den Zeitraum bis Ende 2030 je nach Entwicklung der Väterbeteiligung auf Einsparungen von höchstens 880 Millionen Euro.Das Bundesfamilienministerium will im gleichen Zeitraum rund 1,6 Milliarden Euro einsparen.
Ifo-Forscherin Kyra Puteanus erklärte, Sparziel und eine stärkere Beteiligung der Väter stünden sich bei der Reform entgegen.Väter beziehen im Schnitt höhere BeträgeDer zentrale Faktor ist die unterschiedliche Höhe der Leistungen: Väter erhalten im Schnitt 1.345 Euro Elterngeld im Monat, Mütter 845 Euro. Fast 39 Prozent der Väter beziehen den Höchstbetrag von 1.900 Euro, bei den Müttern sind es knapp 17 Prozent.Heute bezieht knapp jeder zweite Vater Elterngeld. Steigt dieser Anteil jährlich um einen Prozentpunkt, würden die Einsparungen laut Studie auf rund 597 Millionen Euro sinken.
Bei einem jährlichen Plus von zwei Prozentpunkten blieben noch 311 Millionen Euro.Anzeige | trading-house BörsenakademieReferent: LeoKostenlose Trading-Webinare für PrivatanlegerLive lernen, live fragen.
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Eltern bekämen dann höchstens zwölf statt bisher 14 Monate Elterngeld; jeweils drei Monate wären exklusiv für die Mutter oder den Vater vorgesehen, sechs weitere Monate könnten frei aufgeteilt werden.Gleichzeitig soll der Mindestbetrag von 300 auf 330 Euro steigen, der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro. Bei den Müttern entstehen durch die kürzere Bezugsdauer Einsparungen, während bei den Vätern wegen ihrer durchschnittlich höheren Leistungen zusätzliche Kosten anfallen.Studie rechnet mehrere Szenarien durchAb einem jährlichen Anstieg der Väterbeteiligung um rund 3,1 Prozentpunkte würde der Staat nach der Modellrechnung gar nichts mehr sparen.
Zuletzt wuchs der Anteil der Väter mit Elterngeld um 0,2 Prozentpunkte pro Jahr.Die Ifo-Forscherinnen verweisen zugleich darauf, dass sich der Anteil seit 2010 fast verdoppelt hat. Grundlage der Berechnung sind Daten des Statistischen Bundesamts zu 2023 geborenen Kindern, dessen Geburtenprognose sowie fortgeschriebene Elterngeldbeträge auf Basis der Wachstumsraten von 2021 bis 2025.
Die geplante Reform verbindet zwei Ziele, die sich bei der Finanzierung des Elterngelds teilweise entgegenlaufen: Der Staat soll weniger ausgeben, zugleich soll der Anteil der Väter mit Elterngeld weiter steigen.
Weil Väter im Durchschnitt höhere Monatsbeträge erhalten, kann eine stärkere Beteiligung die Einsparungen aus der verkürzten Bezugsdauer erheblich verringern.Für den Bundeshaushalt ist deshalb nicht allein entscheidend, wie viele Monate künftig insgesamt gezahlt werden.
Maßgeblich ist auch, wer diese Monate nutzt und in welcher Höhe. Die Studienrechnung zeigt eine große Spannbreite: Zwischen möglichen Einsparungen von 880 Millionen Euro und einem vollständigen Ausbleiben der Entlastung liegen je nach Entwicklung der Väterbeteiligung mehrere hundert Millionen Euro.Auswirkung für FamilienFür Eltern bedeutet die Reform eine veränderte Aufteilung der Bezugsmonate. Die exklusiven Monate für Mutter und Vater sollen die Beteiligung beider Eltern stärken, begrenzen aber zugleich die bisherige maximale Bezugsdauer. Der höhere Mindest- und Höchstbetrag federt die Kürzung für einzelne Familien ab, erhöht jedoch die Ausgaben je Bezugsmonat.Die Reform steht damit vor einem politischen Zielkonflikt: Eine gleichmäßigere Aufteilung der Familienzeit kann gesellschaftlich gewünscht sein, schmälert aber den angestrebten Haushaltseffekt. Die weitere Entwicklung der Väterbeteiligung wird daher zu einem zentralen Faktor für die tatsächlichen Kosten ab November 2027.