Einwanderungsgeschichte: 56 Prozent der Köche betroffen

heute 08:18 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Menschen mit Einwanderungsgeschichte stellen in mehreren Engpassberufen mehr als die Hälfte der Beschäftigten. Besonders stark ist ihr Anteil in Küche, Lebensmittelherstellung, Bodenverlegung und Gerüstbau.

Medizinisches Personal in einem Krankenhaus (Archiv)
Medizinisches Personal in einem Krankenhaus (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

In mehreren deutschen Engpassberufen sind Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte überdurchschnittlich stark vertreten. Im Jahr 2025 hatten 56 Prozent der Köche eine Einwanderungsgeschichte, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte.In der Lebensmittelherstellung lag der Anteil bei 55 Prozent, in der Bodenverlegung bei 54 Prozent sowie im Gerüstbau und in der Fleischverarbeitung jeweils bei 51 Prozent.Hohe Anteile auch im Verkehr und in der GastronomieBei Fahrern von Bussen und Straßenbahnen sowie bei Servicekräften in der Gastronomie betrug der Anteil jeweils 47 Prozent. In der Gesamtwirtschaft hatte gut ein Viertel der abhängig Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte.Gemeint sind Menschen, die selbst oder deren beide Elternteile seit 1950 nach Deutschland eingewandert sind. Als Engpassberufe gelten Tätigkeiten, in denen laut Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit ein Fachkräftemangel herrscht oder droht.Unterschiede zwischen den MangelberufenAuch in der Kunststoff- und Kautschukherstellung lag der Anteil mit 44 Prozent deutlich über dem Durchschnitt. Bei Berufskraftfahrern im Güterverkehr waren es 41 Prozent, im Hotelservice 40 Prozent, in Pflegeberufen 33 Prozent, bei zahnmedizinischen Fachangestellten 32 Prozent und in der Bauelektrik 29 Prozent.Den geringsten Anteil unter den Engpassberufen gab es im Rettungsdienst mit sieben Prozent. Im Verkauf von Fleischwaren waren es 13 Prozent, in der Landwirtschaft 15 Prozent. Außerhalb der Mangelberufe lag der Anteil unter anderem im Polizeivollzugsdienst bei acht Prozent, in der öffentlichen Verwaltung und Justizverwaltung jeweils bei neun Prozent sowie bei Lehrkräften für berufsbildende Fächer bei neun und in der Primarstufe bei zehn Prozent.Erwerbstätigkeit steigt mit längerer AufenthaltsdauerDie Arbeitsmarktintegration hängt laut Bundesamt unter anderem von Herkunftsregion und Aufenthaltsdauer ab. Von den 25- bis 59-jährigen Männern aus EU-Staaten, die weniger als fünf Jahre in Deutschland lebten, waren 89 Prozent erwerbstätig; bei den Frauen waren es 73 Prozent.Bei Eingewanderten aus Afrika lagen die Quoten nach kurzer Aufenthaltsdauer bei 79 Prozent für Männer und 47 Prozent für Frauen.

Bei Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten waren 57 Prozent der Männer und 28 Prozent der Frauen erwerbstätig. Nach 20 bis 25 Jahren in Deutschland näherten sich die Quoten an: Bei Eingewanderten aus Afrika lag sie bei Männern bei 82 und bei Frauen bei 68 Prozent, bei Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten bei 87 beziehungsweise 79 Prozent.
Die Zahlen zeigen, dass Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Teilen des deutschen Arbeitsmarkts bereits eine tragende Rolle übernehmen.

Besonders hoch ist ihr Anteil in Berufen, die häufig körperlich belastend sind, zu ungünstigen Zeiten ausgeübt werden oder vergleichsweise geringe Zugangshürden haben. In der Küche, Lebensmittelproduktion, Bodenverlegung und im Gerüstbau liegt ihr Anteil jeweils über 50 Prozent.Damit verweist die Statistik zugleich auf eine strukturelle Abhängigkeit vieler Branchen von Zuwanderung.

Der Fachkräftebedarf entsteht nicht nur in akademischen oder technisch spezialisierten Berufen, sondern auch in Gastronomie, Logistik, Verkehr, Bau und Pflege. Für Unternehmen bedeutet das, dass die Gewinnung und langfristige Bindung internationaler Beschäftigter zunehmend Teil der Personalplanung ist.Anerkennung entscheidet über den ZugangDie Unterschiede zwischen Berufsgruppen machen deutlich, dass Einwanderung nicht automatisch zu einer Tätigkeit entsprechend der eigenen Qualifikation führt. In reglementierten Berufen wie Pflege, Lehramt, Polizei oder Rettungsdienst gelten besondere Anforderungen; Sprachkenntnisse, Anerkennungsverfahren und staatliche Zuständigkeiten können den Einstieg verlängern. In Krankenhäusern wird deshalb eine Vereinfachung und Vereinheitlichung der Anerkennung ausländischer Abschlüsse gefordert.Auch die Aufenthaltsdauer beeinflusst die Erwerbsbeteiligung.

Die Destatis-Zahlen zeigen, dass sich die Quoten von Männern und Frauen aus verschiedenen Herkunftsregionen mit längerem Aufenthalt dem allgemeinen Niveau annähern. Für den Arbeitsmarkt sind daher neben der Zuwanderung selbst auch schnelle Verfahren, verlässliche Sprachförderung, Kinderbetreuung und bessere Aufstiegsmöglichkeiten entscheidend.

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