Zwei deutsche U-Boot-Wracks aus Kriegszeiten vor Polens Küste entdeckt

heute 13:17 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Vor der polnischen Ostseeküste sind die Relikte der deutschen U-Boote U-583 und U-649 aus dem Zweiten Weltkrieg aufgespürt worden.

Sonnenuntergang über dem Meer (Archiv)
Sonnenuntergang über dem Meer (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Mit solchen Funden holt die Ostsee regelmäßig menschliche Geschichten an die Oberfläche – diesmal totenstille.

Stille Zeugen der Vergangenheit
Christian Lübcke, zuständig beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge für alles, was mit Seekriegsgräbern zu tun hat, erklärte gegenüber der "Bild": „Letzte Woche wurde ich über die Auffindung von zwei neuen Wracks in der Ostsee informiert – U-583 und U-649. Für uns sind das Kriegsgräber." Ehrlich gesagt: Ein bisschen läuft es einem da kalt den Rücken runter, wenn man bedenkt, dass die Boote das letzte Zuhause für die Männer darin waren.

Das Rätsel um U-583 und U-649
U-583 befindet sich laut Bericht rund 65 Meter unter dem Meeresspiegel, irgendwo im Wasser zwischen Bornholm und der polnischen Küstenlinie. Das U-Boot liegt größtenteils erhalten da, nur stellenweise verfangen in Netzen. Es versank am 15. November 1941 gleich nach einer Kollision – im Training wohl gemerkt, nicht im Gefecht. Dabei starben 45 Besatzungsmitglieder. Und U-649? Dasselbe Drama: Zusammenstoß, diesmal im Februar 1943, 35 Tote, lediglich elf Mann konnten sich retten.

Über den Zustand dieses Fundes weiß man bisher kaum etwas.

Gefahr für die stummen Zeugen
Der Volksbund schlägt Alarm: Diese Wracks werden von Grabräubern bedroht. Während Polen früher als echtes Vorbild in Sachen Wrackschutz galt – das Land hat als eines der wenigen die UNESCO-Konvention dazu unterschrieben – ist mit neulicher Lockerung der Regeln einiges an Unsicherheit entstanden.

Für Lübcke das falsche Signal angesichts der "massenhaften Plünderungen deutscher Seekriegsgräber – auch in der Ostsee".

Ein Schnellboot als Zeitkapsel
Übrigens, abseits der Ostsee: Auch im Mittelmeer wurde gespäht. Taucher orteten bei Lefkada (Griechenland) das deutsche Schnellboot LS 6– ein Einzelstück, fast komplett erhalten, 15 Meter lang. Wie in einer bizarren Warteposition auf den nächsten Einsatz, so schildert es Expeditionsleiter Marinos Giourgas. LS 6 sank 1943 nach einem Luftangriff, aber offenbar ohne dass jemand dabei starb.

Schutz oder Öffnung?
Es bleibt: Solche Funde werfen Fragen auf über den Umgang mit materiellen Relikten der Kriegsgeschichte. Ist Schutz immer Vorrang, oder ist Forschung – vielleicht auch Öffentlichkeit – wichtiger?
Jüngst entdeckten Forscher in der Ostsee vor Polen zwei deutsche U-Boot-Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg: U-583 und U-649. Beide Boote gelten als Seegräber, in denen insgesamt 80 Soldaten ums Leben kamen; Experten warnen ausdrücklich vor Plünderungen und fordern Schutz, nachdem Polen seine Richtlinien gelockert hat. Daneben wurde bei Griechenland das Schnellboot LS 6 entdeckt, ein außergewöhnlich gut erhaltenes Exemplar seiner Art, bei dessen Untergang 1943 keine Todesopfer bekannt wurden.

Aktuelle Entwicklungen zum Thema aus recherchierten Quellen
(1) Auf der Startseite der FAZ wird aktuell ausführlich über die wachsende Zahl neu entdeckter Schiffswracks in europäischen Gewässern berichtet.

Viel Raum nehmen Diskussionen darüber ein, wie militärische Grabstätten besser geschützt werden können, da sich mit jeder Entdeckung neue Fragen zu Gedenkkultur und Verantwortung stellen (Quelle: FAZ).

(2) Die taz behandelt die Kritik an der Lockerung der Schutzbestimmungen für Unterwassergrabstätten in Polen. Im Fokus steht, dass archäologische und pietätvolle Aspekte oftmals im Konflikt mit wirtschaftlichen oder touristischen Interessen stehen (Quelle: taz).

(3) In einem aktuellen Artikel auf der DW dreht sich alles um moderne Forschungstechnologien zur Ortung und Erfassung von Seekriegsgräbern, darunter neuartige Sonar- und Drohneneinsätze. Allerdings wird betont, dass die genaue Lokalisierung sensibler Fundorte auch das Risiko illegaler Bergungen und Plünderungen erhöhen kann (Quelle: DW).

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