Weniger Azubis mit Abitur: Ein leichter Rückgang

heute 08:19 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

2023 starteten rund 26 Prozent der neuen Auszubildenden in Deutschland mit (Fach-)Abitur ins Berufsleben – etwas weniger als noch vor zehn Jahren.

Klassenraum in einer Schule (Archiv)
Klassenraum in einer Schule (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Interessant, wie sich Dinge manchmal fast unbemerkt verschieben: Während 2015 noch knapp 28 Prozent der Berufseinsteiger im dualen Ausbildungssystem das Abitur oder die Fachhochschulreife in der Tasche hatten, lag der Wert im vergangenen Jahr bei 'nur' noch 26 Prozent. Klar, das ist kein dramatischer Absturz, aber der Trend zeigt doch, dass die Uni vielleicht seltener als Plan B infrage kommt.
Schaut man auf die anderen Gruppen, ist der mittlere Schulabschluss weiterhin am häufigsten vertreten – vergangenes Jahr starteten 43 Prozent der neuen Azubis mit Realschulabschluss oder Ähnlichem. Die Zahl der Hauptschulabsolvent:innen, die eine Lehre beginnen, ist ebenfalls zurückgegangen: von 26 auf 23 Prozent in den letzten zehn Jahren.

Ganz am unteren Rand: Drei Prozent der Lehranfänger:innen haben überhaupt keinen Abschlusstitel – und daran hat sich praktisch nichts geändert.
Die Unterschiede je nach Branche sind ziemlich markant: Im öffentlichen Dienst sind fast die Hälfte der Azubis Abiturient:innen, echt erstaunlich! In Industrie und Handel sowie bei den freien Berufen startet immerhin rund ein Drittel mit Abitur. Ganz anders sieht es im Handwerk aus, da sind es nur etwa 16 Prozent. Und in der Hauswirtschaft? Fast niemand mit Abitur verirrt sich dorthin – vier Prozent, das ist kaum erwähnenswert. Was das alles bedeutet? Irgendwie bleibt das deutsche Ausbildungssystem doch erstaunlich durchlässig, aber die Wege dahin sind manchmal ziemlich vorherbestimmt.
Der Anteil neuer Auszubildender mit (Fach-)Abitur ist 2023 leicht auf 26 Prozent gesunken, im Vergleich zu 28 Prozent im Jahr 2015. Besonders auffällig ist der hohe Anteil von Abiturient:innen im öffentlichen Dienst (48 Prozent), wohingegen im Handwerk und in der Hauswirtschaft nur vergleichsweise wenige mit Abitur starten.

Laut aktuellen Berichten setzen immer mehr Unternehmen zudem gezielt auf Bewerberinnen und Bewerber mit mittlerem Bildungsabschluss, während Studienberechtigte in bestimmten Branchen gar nicht so gefragt sind; möglicherweise spiegelt sich auch eine gewisse Zurückhaltung wider, direkt nach dem Abitur einen Ausbildungsweg einzuschlagen.

Abseits der Zahlen gibt es Stimmen, die die Praxisorientierung der Ausbildung betonen und meinen, dass akademische Bildung nicht in jedem Bereich der bessere Weg ist.


Die Süddeutsche Zeitung berichtet ausführlich über aktuelle Trends auf dem deutschen Ausbildungsmarkt: Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist trotz anhaltenden Fachkräftemangels nur leicht gestiegen; viele Betriebe sehen sich weiterhin mit unbesetzten Lehrstellen konfrontiert, und die Unsicherheit unter Jugendlichen steigt angesichts wirtschaftlicher Veränderungen und desografischer Entwicklungen.

Neben den klassischen Berufsbildern gewinnen neue Ausbildungsberufe an Bedeutung, besonders im IT- und Gesundheitsbereich, während für viele Schulabgänger:innen die Auswahl durch mangelnde Orientierung erschwert wird. Der Artikel betont zudem die wachsende Bedeutung von Berufsschulen und die Rolle von Praktika beim Übergang Schule-Beruf. (Quelle: Süddeutsche Zeitung)
Laut der FAZ sehen Experten einen wachsenden Druck auf das duale Ausbildungssystem: Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für ein Studium, auch weil immer mehr Eltern Wert auf einen Hochschulabschluss legen – trotzdem bleibt die Lehre im deutschen Arbeitsmarkt relevant, aber besonders kleinere Betriebe klagen über fehlende Bewerber. In manchen Branchen, z. B. im Handwerk, drohen dadurch Engpässe; die Politik diskutiert daher über Fördermaßnahmen, bessere Berufsorientierung und eine Imagekampagne für Ausbildungsberufe. Das duale System wird als internationaler Erfolgsfaktor gelobt, steht aber vor Herausforderungen in Bezug auf Attraktivität und Anerkennung.

(Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Ein aktueller Artikel bei ZEIT Online nimmt die Perspektive der Auszubildenden in den Fokus: Viele Jugendliche erleben im Bewerbungsprozess ungewohnte Offenheit bei den Betrieben, zugleich aber auch einen hohen Erwartungsdruck, sich früh für einen Weg zu entscheiden.

Digitalisierung und gesellschaftliche Umbrüche zeigen sich in der Ausbildung vor allem durch neue Anforderungen, z. B. in der Kundenkommunikation oder beim Umgang mit modernen Tools und Technologien.

Gleichzeitig warnt der Text davor, Jugendliche mit der Berufsentscheidung zu überfordern, und fordert mehr Mut und Offenheit für Bildungswege abseits der akademischen Standardroute. (Quelle: ZEIT Online)

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