Wadephul verteidigt Treffen mit Lawrow nach Drohnenvorfall
27.09.26 20:24 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Außenminister Johann Wadephul hält den direkten Austausch mit Sergei Lawrow trotz des russischen Angriffskriegs für notwendig. Er verweist auf den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig und auf blockierte Getreideexporte als zentrale Gründe.
via dts Nachrichtenagentur
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat sein Treffen mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow am Rande der UN-Generalversammlung verteidigt. Im ARD-„Bericht aus Berlin“ sagte Wadephul, der direkte Austausch sei nach dem russischen Angriff auf die Ukraine nun notwendig gewesen.Das letzte Treffen eines deutschen Außenministers mit Lawrow hatte im Januar 2022 kurz vor Beginn des Ukraine-Kriegs stattgefunden.Drohnenvorfall als AuslöserWadephul nannte zwei Gründe für seine Entscheidung.
Der Einsatz bewaffneter Drohnen durch Russland am Flughafen Leipzig habe eine Grenze überschritten; er habe deutlich machen wollen, dass Deutschland bereit sei, sich zu widersetzen und zu verteidigen.Nach Angaben des Außenministers ging es zudem um ausbleibende Getreideexporte aus Russland und der Ukraine. Kollegen aus dem globalen Süden hätten ihn gebeten, mit Moskau zu sprechen, weil andernfalls Hungersnöte drohten.
Wadephul setzt sich deshalb für einen Waffenstillstand im Schwarzen Meer ein, damit Getreidetransporte wieder stattfinden können.Europa soll eigene Interessen vertretenWadephul sagte, er habe den Europäern mit dem Gespräch wieder einen Platz am Verhandlungstisch sichern wollen.
Fragen, die Europa beträfen, könnten nicht dauerhaft allein US-amerikanischen Gesprächspartnern überlassen werden.Ein Zusammenhang mit Landtagswahlen und dem Abschneiden der AfD sei nicht der Grund für das Treffen gewesen, erklärte der Minister. Er habe den Termin bewusst nach den Wahlen angesetzt. Zugleich müsse er die Entscheidung erklären, weil die AfD im Wahlkampf Verhandlungen mit Russland gefordert habe.Keine Normalität im Verhältnis zu MoskauWadephul betonte, der Gesprächsverlauf habe gezeigt, dass Russland nicht zu konkreten Verhandlungen bereit sei.
Dennoch müssten Diplomaten immer wieder versuchen, Gesprächskanäle zu eröffnen.Die kritische Reaktion Lawrows, man hätte auch telefonieren können, wertete Wadephul als Zeichen einer schwachen russischen Position. Russland könne der Welt nicht erklären, warum es den Krieg fortführe; nach seinen Angaben sterben in manchen Monaten 40.000 Russen.G20-Treffen mit PutinDie Einladung von US-Präsident Donald Trump an den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum G20-Gipfel in Miami bezeichnete Wadephul als Lackmustest für Russlands Verhandlungsbereitschaft. Er halte die Einladung für richtig, sofern zugleich die Möglichkeit zu Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj genutzt werde.Ob Bundeskanzler Friedrich Merz Putin bei dem Gipfel fotografisch die Hand reichen werde, ließ Wadephul offen.
Das hänge vom Verhalten des russischen Präsidenten in den kommenden Wochen ab und werde eng mit den europäischen Partnern abgestimmt.
Das Gespräch zwischen Johann Wadephul und Sergei Lawrow markiert den ersten direkten Austausch auf deutscher und russischer Außenministerebene seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine. Der Kontakt beendet nicht die politische Konfrontation: Wadephul verbindet Gesprächsbereitschaft ausdrücklich mit der Forderung nach einem Ende der russischen Aggression und bekräftigt zugleich die deutsche Unterstützung für die Ukraine.Diplomatisch verfolgt Berlin damit zwei Ziele. Zum einen soll Europa seine eigenen Interessen und Sicherheitsvorstellungen in möglichen Verhandlungen unmittelbar einbringen, statt den Austausch vollständig den USA zu überlassen.
Zum anderen geht es um konkrete Folgen des Krieges, darunter die Sicherheit im europäischen Luftraum und die Möglichkeit, Getreideexporte über das Schwarze Meer wieder zu ermöglichen.
Besonders Staaten des globalen Südens sind auf Lieferungen aus Russland und der Ukraine angewiesen.Gesprächskanal ohne AnnäherungDie internationale Diplomatie bleibt dabei von gegensätzlichen Positionen geprägt. Der Gesprächskanal kann Missverständnisse begrenzen und Forderungen direkt übermitteln, ersetzt aber weder politische Entscheidungen noch belastbare Vereinbarungen.
Wadephuls Hinweis auf einen möglichen Waffenstillstand im Schwarzen Meer würde nur dann praktische Wirkung entfalten, wenn Russland und die Ukraine Sicherheitsgarantien, Transportwege und Kontrollmechanismen akzeptieren.Für Deutschland erhöht der Kontakt zugleich den politischen Erklärungsdruck: Direkte Gespräche dürfen nicht als Rückkehr zur Normalität erscheinen, während Angriffe und Drohungen fortbestehen.
Die von Wadephul angekündigte Linie lautet daher: verhandlungsbereit bleiben, ohne die Unterstützung der Ukraine oder die Kritik an Moskau aufzugeben. Ob daraus weitere Gespräche entstehen, hängt vor allem von Russlands Bereitschaft ab, über konkrete Schritte zur Beendigung des Krieges zu sprechen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragentagesschau: „Wadephul zum Treffen mit Lawrow 'Mit Gegnern muss man verhandeln'“ (27.09.2026)Der Beitrag bestätigt das rund 20-minütige Treffen und stellt Wadephuls Begründung in den Mittelpunkt: Diplomatie müsse auch mit Gegnern funktionieren.
Als konkrete Themen nennt er neben dem Ukraine-Krieg den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle und blockierte Getreideexporte; zugleich wird festgehalten, dass Russland nach Wadephuls Darstellung nicht zu einer konstruktiven Verhandlungsposition bereit sei.taz: „Treffen am Rande der UN: Wadephul und Lawrow bleiben nach Gespräch uneins“ (27.09.2026)Die taz legt den Schwerpunkt auf den grundlegenden Dissens nach dem ersten bilateralen Treffen seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Sie beschreibt Wadephuls Forderungen nach Deeskalation und Russlands Zurückweisung des Gesprächsnutzens; zusätzlich ordnet sie den Kontakt in die wachsende Bedeutung Europas für die Unterstützung der Ukraine und mögliche Verhandlungen ein.Übereinstimmend berichten beide Beiträge über den direkten Austausch ohne erkennbare Annäherung.
Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Die tagesschau betont die diplomatische Begründung und die Themen des Gesprächs, während die taz stärker die sicherheitspolitische Konfrontation und die europäische Verantwortung hervorhebt.