VW schwächt weltweite Nullrunden bis 2030 ab
heute 13:11 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Volkswagen schränkt eine konzernweite Vorgabe für Gehaltsverhandlungen bis 2030 ein. In einem späteren internen Dokument fehlen Hinweise auf Kürzungen bei Boni, Sonderzahlungen und Zulagen.
via dts Nachrichtenagentur
Volkswagen ändert Vorgabe für weltweite TarifgesprächeVolkswagen hat sein Nullrunden-Dekret bis 2030 abgeschwächt. Eine frühere Vorgabe für Personalchefs weltweit sah vor, Tarifgespräche möglichst ohne Gehaltserhöhungen abzuschließen und Boni, Sonderzahlungen sowie Zulagen zu kürzen.Späteres Dokument formuliert Ziel allgemeinerRund drei Wochen nach der Anweisung nennt ein internes Dokument nur noch eine „Senkung der Arbeitskosten auf Wettbewerbsniveau, z.B. Nullrunden im Zeitraum bis 2030“. Der Hinweis auf die Kürzung variabler Vergütung fehlt darin.Volkswagen verweist auf VertraulichkeitEin Volkswagen-Sprecher wollte die Änderung mit Verweis auf die Vertraulichkeit interner Dokumente nicht kommentieren.
Die ursprüngliche Vorgabe war Anfang Oktober an Personalchefs an den weltweiten Konzernstandorten gegangen.Betriebsrat begrüßt die AbschwächungEin Sprecher des Weltkonzernbetriebsrats begrüßte die neue Formulierung.
„Kein Chef-Dekret aus Wolfsburg kann weltweit Hunderttausenden Beschäftigten jahrelange Nullrunden verordnen“, erklärte er.Der Betriebsrat begrüße ausdrücklich, dass es dem Vorstand „ausweislich der `Spiegel`-Recherche nun offensichtlich geglückt“ sei, seinen Realitätssinn wiederzufinden, „und das auch in so kurzer Zeit.“
Volkswagens Kurskorrektur fällt in eine Phase, in der die internationale Autoindustrie gleichzeitig unter schwacher Nachfrage, hohem Preisdruck und dem schnellen technologischen Wandel steht. Der Konzern versucht, seine Kosten an den Wettbewerb anzupassen; betroffen sind dabei nicht nur deutsche Werke, sondern Beschäftigte und Standorte in mehreren Ländern.Eine weltweite Vorgabe für jahrelange Nullrunden hätte die Tarifpolitik an den einzelnen Standorten stark vereinheitlicht. Tarifverträge, Inflation, Produktivität und gesetzliche Rahmenbedingungen unterscheiden sich jedoch erheblich. Dass das spätere Dokument nur noch beispielhaft von Nullrunden spricht und die Kürzung variabler Vergütung nicht mehr nennt, lässt den Spielraum für standortbezogene Verhandlungen größer erscheinen.Wettbewerbsdruck trifft BeschäftigteFür die Beschäftigten bleibt entscheidend, wie Volkswagen den Begriff „Arbeitskosten auf Wettbewerbsniveau“ konkret auslegt. Dazu können neben Löhnen auch Arbeitszeit, Sonderzahlungen, Personalbesetzung und Produktivität gehören.
Der Konflikt verlagert sich damit möglicherweise von einer pauschalen Vorgabe auf einzelne Verhandlungen und Restrukturierungsprogramme.Die Debatte steht zugleich im Zusammenhang mit der angespannten Lage der deutschen Industrie. Arbeitgeberverbände verweisen auf sinkende Wettbewerbsfähigkeit und fordern niedrigere Kosten, während Gewerkschaften Reallohnverluste und einen Abbau tariflicher Standards verhindern wollen.
Für Volkswagen-Beschäftigte dürfte deshalb weniger die Formulierung allein als ihre Umsetzung in den jeweiligen Ländern und Werken maßgeblich sein.