Volkswagen verkauft Werk Osnabrück an Aurelius und Niedersachsen
heute 11:26 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Volkswagen will das Werk in Osnabrück zusammen mit dem Land Niedersachsen an den Investor Aurelius verkaufen und damit den Standort langfristig sichern. Dort soll ein Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen entstehen, das auf Luftverteidigungssysteme für Deutschland und Europa ausgerichtet ist.
via dts Nachrichtenagentur
Volkswagen will das Werk in Osnabrück verkaufen und damit eine neue Zukunft für den Standort einleiten.
Der Mutterkonzern hat sich nach eigenen Angaben am Montag mit dem Land Niedersachsen und dem Finanzinvestor Aurelius Capital auf den möglichen Verkauf der Volkswagen Osnabrück GmbH verständigt.Mehrheitsübernahme durch Aurelius und NiedersachsenZiel der geplanten Transaktion ist es, den Standort langfristig zu erhalten und in einer neuen Eigentümerstruktur weiterzuführen.
Vorgesehen ist, dass Aurelius als Mehrheitseigentümer gemeinsam mit dem Land Niedersachsen die Volkswagen Osnabrück GmbH übernimmt. Der bisherige Konzernstandort würde damit in eine neue Gesellschaft überführt, an der Volkswagen nicht mehr die führende Rolle innehat.Volkswagen stellt in Aussicht, den Übergang in die neue Struktur zu begleiten und seine industrielle Erfahrung sowie Kompetenzen in Entwicklung und Industrialisierung einzubringen.
Auch die bestehende Infrastruktur des Werks soll in den weiteren Prozess einfließen.Kompetenzzentrum für Sicherheits- und VerteidigungslösungenDie neuen Eigentümer planen, den Standort in den kommenden Jahren zu einem „Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen“ auszubauen.
Als erstes Ankerprojekt ist eine Zusammenarbeit mit Rafael Advanced Defense Systems vorgesehen.
Dabei geht es um die mögliche Fertigung von Systemen und Komponenten für Luftverteidigungssysteme, die für Deutschland und Europa bestimmt sind.Die Belegschaft in Osnabrück soll nach den Plänen der Beteiligten beim Aufbau dieser Fertigung eine „zentrale Rolle“ übernehmen.
Damit soll das vorhandene Know-how der Mitarbeiter gesichert und in den neuen industriellen Schwerpunkt überführt werden.Auslauf der Fahrzeugfertigung bis 2027Volkswagen hatte bereits 2024 entschieden, die Fahrzeugfertigung am Standort Osnabrück im Sommer 2027 auslaufen zu lassen.
Der nun geplante Verkauf und die Neuausrichtung des Werks bieten eine Perspektive für die Zeit nach dem Ende der bisherigen Produktion.Das Unternehmen betont, den Übergang in die neue Gesellschaftsstruktur zu „begleiten“ und seine industrielle Erfahrung sowie die vorhandene Infrastruktur in den Prozess einzubringen. So soll der Standort auch nach dem Rückzug aus der Fahrzeugfertigung eine Rolle im industriellen Gefüge spielen.Politische Unterstützung aus NiedersachsenUnterstützung erhält das Vorhaben von der Landesregierung in Niedersachsen.
Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) sprach von einer „echten industriellen Chance“ für Osnabrück. Der Standort verfüge über hervorragend qualifizierte Beschäftigte, gewachsene Strukturen und viel Erfahrung bei anspruchsvollen Aufgaben.Lies verwies zugleich auf die veränderte Sicherheitslage und das gestiegene Schutzbedürfnis in Deutschland und Europa. Die Fähigkeiten müssten gestärkt und die Unabhängigkeit erhöht werden.
Niedersachsen wolle dazu beitragen, dass aus diesen Anforderungen Wertschöpfung und sichere Beschäftigung entstünden, wobei Osnabrück nach seiner Einschätzung eine wichtige Rolle übernehmen könne.
Der geplante Verkauf der Volkswagen Osnabrück GmbH an den Finanzinvestor Aurelius Capital und das Land Niedersachsen markiert eine strategische Neuausrichtung des Standorts weg von der klassischen Fahrzeugproduktion hin zu sicherheits- und verteidigungsbezogenen Industrieaktivitäten.
Hintergrund ist die bereits 2024 getroffene Entscheidung von Volkswagen, die Fahrzeugfertigung in Osnabrück im Sommer 2027 auslaufen zu lassen.
Damit stand der Standort vor der Frage, wie die vorhandenen Kapazitäten und Qualifikationen künftig genutzt werden können.Struktureller Wandel in der deutschen IndustrieDie geplante Weiterentwicklung zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen fügt sich in eine breitere Tendenz ein, industrielle Infrastruktur in Deutschland stärker auf sicherheitsrelevante Produktion auszurichten.
Vor dem Hintergrund einer veränderten Sicherheitslage in Europa und gestiegener Anforderungen an Luftverteidigungssysteme gewinnt die Verlagerung von Wertschöpfung in diesen Bereich an politischer und wirtschaftlicher Bedeutung.
Die Zusammenarbeit mit Rafael Advanced Defense Systems als Ankerprojekt zeigt, dass es nicht nur um Komponentenfertigung, sondern um die Integration in europäische Verteidigungsprogramme geht.Bedeutung für Beschäftigte und RegionFür die Belegschaft bedeutet der Schritt eine tiefgreifende Umstellung.
Volkswagen betont, den Übergang in die neue Gesellschaftsstruktur zu begleiten und seine industrielle Erfahrung einzubringen, während die Beschäftigten „eine zentrale Rolle“ beim Aufbau der neuen Fertigung übernehmen sollen.
Damit soll vermieden werden, dass der Auslauf der Fahrzeugfertigung direkt in einen Arbeitsplatzabbau mündet.
Für die Region Osnabrück bietet die Ansiedlung sicherheits- und verteidigungsbezogener Produktion die Chance auf langfristige industrielle Perspektiven, zugleich aber auch eine stärkere Bindung an politisch und gesellschaftlich sensiblen Rüstungsbedarf. Die Aussagen des niedersächsischen Wirtschaftsministers zu Wertschöpfung und sicherer Beschäftigung unterstreichen, dass das Projekt ausdrücklich als Struktur- und Industriepolitik für den Standort verstanden wird.