Vernetzte Autos: Verfassungsschutz warnt Politiker vor Spionage
heute 04:00 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht in vernetzten Fahrzeugen eine mögliche Angriffsfläche für Spionage. Betroffen sein können neben Politikern auch Journalisten und Beschäftigte kritischer Infrastrukturen.
via dts Nachrichtenagentur
Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt vor Spionagerisiken durch vernetzte Autos. Besonders gefährdet seien Personen mit Zugang zu schutzbedürftigen Informationen, darunter Politiker, Abgeordnete, Journalisten und Beschäftigte kritischer Infrastrukturen.
Fahrdaten und Innenraum können abgegriffen werden
Nach Angaben der Behörde reichen die Risiken über einen möglichen Datenverlust hinaus. Angreifer könnten über die Internetverbindung eines Fahrzeugs Fahrdaten, Telemetrie und möglicherweise Aufzeichnungen aus dem Innenraum abgreifen.
Unter Umständen könne sogar die Kontrolle über ein Fahrzeug erlangt werden.
Bei vielen Autos ließen sich zudem Mikrofone aus der Ferne aktivieren.
Standorte geben sensible Kontakte preis
Präzise Standortdaten können laut Verfassungsschutz Bewegungsprofile ermöglichen.
Daraus könnten etwa Besuche bei Ministerien, militärischen Einrichtungen oder sicherheitsrelevanten Unternehmen erkennbar werden.
Wird ein Smartphone mit dem Auto gekoppelt, können nach Einwilligung außerdem sämtliche Kontaktinformationen im Fahrzeug gespeichert werden.
Dadurch könnten weitere Rückschlüsse auf berufliche und persönliche Netzwerke entstehen.
Warnung vor Staaten mit weitreichenden Zugriffspflichten
Erhöhte Risiken sieht die Behörde bei Staaten, deren Unternehmen gesetzlich zur Zusammenarbeit mit Nachrichtendiensten verpflichtet werden können.
Ausdrücklich nennt sie China und verweist auf das Nationale Geheimdienstgesetz von 2017.
Vernetzte Fahrzeuge sind heute zugleich Verkehrsmittel, Kommunikationsplattformen und Datensammler. Sie können Positionsdaten, Fahrzeuginformationen und – je nach Ausstattung und Einwilligung – mit dem Fahrzeug verbundene Smartphone-Daten verarbeiten.
Für Personen mit Zugang zu vertraulichen Informationen entsteht dadurch eine zusätzliche Angriffsfläche außerhalb klassischer Büros und Behördennetze.
Warum Bewegungsdaten sicherheitsrelevant sind
Ein einzelner Standort kann zunächst unscheinbar wirken. In der Kombination ergeben regelmäßige Fahrten jedoch Muster: Termine in Ministerien, Besuche militärischer Einrichtungen oder Treffen mit Unternehmen lassen sich zeitlich und räumlich zuordnen.
Werden Kontakte und Kommunikationsdaten aus einem gekoppelten Smartphone übernommen, kann sich das Informationsbild weiter verdichten.
Die Warnung fällt zudem in eine Phase, in der deutsche Sicherheitsbehörden öffentlich vor einer wachsenden Verbindung von Spionage, Sabotage und Einflussoperationen warnen.
Der Verfassungsschutz hebt bei vernetzten Autos deshalb nicht nur klassische Datenverluste hervor, sondern auch mögliche Zugriffe auf Sensorik, Innenraumaufzeichnungen und Fahrzeugfunktionen.
Besondere Bedeutung für Behörden und Unternehmen
Für Politiker, Journalisten und Beschäftigte kritischer Infrastrukturen geht es damit um mehr als um den Schutz persönlicher Privatsphäre. Dienstfahrzeuge, Mietwagen und private Autos können in sensiblen Situationen unterschiedliche Datenquellen zusammenführen.
Das erhöht die Bedeutung von Sicherheitsvorgaben für Fahrzeugsoftware, Smartphone-Kopplungen, Zugriffsrechte und die Nutzung vernetzter Fahrzeuge bei vertraulichen Terminen.