Verivox erwartet wegen Iran-Krieg Gaspreisanstieg bis zu 20 Prozent

heute 08:40 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Das Vergleichsportal Verivox warnt vor spürbaren Aufschlägen bei den Gaspreisen für Haushalte zum Jahreswechsel. Ausschlaggebend seien der Iran-Krieg, hohe Großhandelspreise und niedrige Speicherfüllstände in Deutschland und Europa.

Gaszähler (Archiv)
Gaszähler (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Das Vergleichsportal Verivox erwartet für private Haushalte einen deutlichen Anstieg der Gaspreise zum Jahreswechsel um bis zu 20 Prozent. Auslöser sind stark gestiegene Großhandelspreise für Erdgas im Zuge des Iran-Kriegs, niedrige Speicherfüllstände und der bevorstehende Winter.Verivox-Energieexperte Thorsten Storck sagte der „Rheinischen Post", die aktuell stark gestiegenen Großhandelspreise für Gas, der geringe Füllstand der deutschen Gasspeicher und der kommende Winter führten zu einem absehbaren Anstieg der Haushaltstarife. Besonders schnell würden sich die Entwicklungen bei Neukundenpreisen bemerkbar machen.Neukunden zahlen schon jetzt deutlich mehrStorck betonte, die Neukundenpreise für Gas bildeten die Großhandelspreise besonders rasch ab und seien seit Februar um über ein Drittel gestiegen.

Bestandskundentarife reagierten zwar langsamer auf die Preisentwicklung, blieben aber nach seiner Einschätzung nicht dauerhaft verschont.Beim aktuellen Preisniveau hält der Verivox-Experte Preiserhöhungen zwischen 10 und 20 Prozent zum Jahreswechsel für möglich. Haushalte müssten sich demnach auf steigende Abschläge einstellen, sobald Versorger ihre Tarife anpassen.Großhandelspreis erreicht MehrjahreshochDer Großhandelspreis für Erdgas in Europa ist nach gegenseitigen Angriffen der USA und des Iran in dieser Woche auf den höchsten Wert seit mehr als dreieinhalb Jahren gestiegen.

Die Gefechte im Umfeld der Straße von Hormus und die Unsicherheit über LNG-Lieferungen aus der Region schlagen direkt auf die Notierungen an den Handelsplätzen durch.Malte Küper, Energieexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), sieht Deutschland in diesem Umfeld besonders anfällig für Preisschocks. Zum einen hängt die deutsche Wirtschaft stärker als viele andere Länder von Erdgas ab, zum anderen sind Deutschland und die EU nahezu vollständig auf Gasimporte angewiesen.Deutschland bleibt abhängig von ImportgasDie hohe Bedeutung von Gas als Energieträger für Haushalte und Industrie macht Preissprünge an den Großhandelsmärkten unmittelbar relevant. Sowohl die starke Abhängigkeit von internationalen Lieferketten als auch die niedrige Speicherfüllung erhöhen die Verwundbarkeit gegenüber weiteren Eskalationen im Iran-Konflikt.Für Verbraucher dürfte sich dies nicht nur in steigenden Gasrechnungen niederschlagen, sondern indirekt auch in höheren Preisen für Waren und Dienstleistungen, wenn Unternehmen ihre gestiegenen Energiekosten weitergeben.
Die Einschätzung von Verivox trifft auf eine ohnehin gespannte Lage am europäischen Energiemarkt. Der Iran-Krieg und gegenseitige Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus haben die globale Versorgung mit Flüssiggas und Öl deutlich verknappt, was Terminkontrakte für Gas in Europa auf den höchsten Stand seit Jahren getrieben hat.Hinzu kommt, dass die Gasspeicher in Deutschland und Europa vor Beginn der Heizperiode ungewöhnlich niedrig gefüllt sind. Branchenverbände sprechen von historischen Tiefstständen, während die Politik zwar auf eine grundsätzlich gesicherte Versorgung verweist, zugleich aber auf Risiken bei einem besonders kalten Winter hinweist. Die Kombination aus knappen Speichern und weltweit steigenden Großhandelspreisen erhöht den Druck auf die Versorger, ihre Tarife anzupassen.Belastung für Haushalte und WirtschaftFür private Haushalte bedeutet ein Plus von 10 bis 20 Prozent beim Gaspreis, dass die Heizkosten im Winter klar steigen dürften, wenn keine Gegenmaßnahmen wie Tarifwechsel, Energiesparen oder staatliche Entlastungen greifen.

Gleichzeitig verweisen Ökonomen auf die hohe Bedeutung von Erdgas für die deutsche Industrie: Energieintensive Unternehmen bereiten sich bereits auf mögliche Engpässe vor und kalkulieren mit höheren Produktionskosten, die sich in Verbraucherpreisen niederschlagen können.Ausblick auf den WinterOb die von Verivox skizzierten Erhöhungen voll durchschlagen, hängt wesentlich von Witterung, geopolitischer Lage und dem Tempo des Nachfüllens der Speicher ab. Ein milder Winter könnte den Preisauftrieb begrenzen, während eine anhaltende Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran weitere Sprünge beim Gaspreis auslösen kann. Klar ist, dass Gas als Schlüsselenergie für Wärme und Industrie Deutschland und die EU anfällig für Preisschocks macht – und dass die Verbraucher sich auf einen kostspieligeren Winter einstellen müssen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragenn-tv.de: „Erste Unternehmen bereiten sich auf einen Gasmangel vor" (10.09.2026)Der Beitrag beschreibt, wie energieintensive Unternehmen und Stadtwerke aufgrund historisch niedriger Speicherfüllstände Szenarien für mögliche Gasknappheit im Winter durchspielen. Er hebt hervor, dass der Preis für europäisches Erdgas infolge der Eskalation in der Straße von Hormus den höchsten Stand seit Ende 2022 erreicht hat und damit die Befüllung der Speicher verteuert. Damit bestätigt der Artikel den Zusammenhang zwischen Iran-Konflikt, hohen Großhandelspreisen und Risiko steigender Endkundenpreise, legt den Schwerpunkt aber stärker auf Versorgungsrisiken für Industrie und Stadtwerke.n-tv.de: „Gasspeicher ist nur zu 54 Prozent gefüllt – Reiche hält die Gasversorgung Deutschlands für sicher" (10.09.2026)Dieser Artikel berichtet über die Bewertung der Gasversorgung durch das Bundeswirtschaftsministerium und den Gasspeicherverband INES. Während das Ministerium betont, dass im kommenden Winter nach derzeitiger Einschätzung keine Gasknappheit zu erwarten sei, warnt der Verband vor möglichen Engpässen bei einem sehr kalten Januar. Der Beitrag bestätigt die niedrigen Füllstände und verweist wie Verivox auf strukturelle Verwundbarkeiten, setzt jedoch einen anderen Akzent, indem er die Versorgungslage weniger als Preisfrage, sondern als Sicherheits- und Stabilitätsrisiko diskutiert.Insgesamt zeichnen die ausgewerteten Artikel ein Bild hoher Energiepreise und ungewöhnlich niedriger Speicherfüllstände. Sie bestätigen die starke Abhängigkeit Deutschlands und der EU von Gasimporten und die Rolle des Iran-Konflikts als wesentliche Triebkraft der aktuellen Preisentwicklung, variieren aber in der Gewichtung zwischen Tarifbelastung für Haushalte und potenziellen Versorgungsrisiken für Industrie und Infrastruktur.

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