Verivox-Auswertung: Frauen zahlen 6,77 Prozent Zinsen für Kredite
heute 11:45 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Frauen erhalten in Deutschland Ratenkredite zu höheren Zinsen, mit geringeren Beträgen und häufiger Ablehnung als Männer. Eine Auswertung von Verivox zeigt deutliche Unterschiede bei Konditionen und Kreditwürdigkeit nach Geschlecht.
via dts Nachrichtenagentur
Frauen zahlen für Ratenkredite in Deutschland im Durchschnitt höhere Zinsen als Männer und bekommen zugleich kleinere Darlehen.
Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox auf Basis aller im Juli 2026 über die Plattform abgeschlossenen Ratenkredite.Deutliche Unterschiede bei Zinssätzen und KreditbeträgenNach Angaben von Verivox liegt der mittlere Zinssatz für einen Ratenkredit bei Frauen bei 6,77 Prozent, während Männer im Schnitt nur 6,39 Prozent zahlen.
Gleichzeitig werden Frauen niedrigere Kreditbeträge bewilligt: Ihr durchschnittlicher Ratenkredit beläuft sich auf 14.382 Euro, bei Männern liegt der Wert bei 17.509 Euro.Auch bei der Frage, ob ein Kredit überhaupt zustande kommt, zeigt sich eine Lücke. Kreditanfragen von Frauen werden von Banken laut Auswertung um 15 Prozent häufiger abgelehnt als Anfragen von Männern.Ökonomische Erklärung statt direkter DiskriminierungDie Wirtschaftsprofessorin Alexandra Niessen-Ruenzi führt die Schlechterstellung von Frauen vor allem auf Gehaltsunterschiede zurück. Der wesentliche Faktor für die unterschiedlichen Kreditkosten sei demnach die unterschiedliche finanzielle Ausgangslage, weniger eine direkte Diskriminierung in den Banken.Niessen-Ruenzi, die zu geschlechtsspezifischen Unterschieden an den Finanzmärkten forscht, verweist darauf, dass Frauen immer noch weniger verdienen als Männer und häufiger in Teilzeit beschäftigt sind. Banken schätzen sie deshalb aufgrund einer rechnerisch schlechteren Bonität häufiger als weniger kreditwürdig ein, was zu höheren Zinsen und geringeren Kreditrahmen führt.Rechtlicher Rahmen für KreditentscheidungenPer Gesetz dürfen Banken ihre Kreditvergabe nicht von persönlichen Merkmalen wie Geschlecht, Herkunft, Religion oder Alter abhängig machen.
Diese Vorgaben sollen besonders verletzliche Gruppen vor Diskriminierung schützen und die Kreditvergabe an objektive Kriterien binden.In der Praxis stützen sich Institute bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit auf Einkommen, Art und Sicherheit des Beschäftigungsverhältnisses sowie externe Bonitätsbewertungen.
Eine zentrale Rolle spielt hierbei der Schufa-Score, der anhand von zwölf Faktoren berechnet, wie wahrscheinlich ein Zahlungsausfall ist. Eine schlechtere Bonität erhöht das kalkulierte Ausfallrisiko – und führt folglich zu höheren Kreditzinsen für die Betroffenen.
Die Verivox-Auswertung zu höheren Kreditzinsen für Frauen fügt sich in eine länger bekannte strukturelle Ungleichheit zwischen den Geschlechtern auf dem Arbeitsmarkt und im Finanzsystem. Frauen verdienen im Durchschnitt weniger, arbeiten häufiger in Teilzeit und unterbrechen ihre Erwerbsbiografie öfter für Care-Arbeit. Diese Faktoren verschlechtern objektive Bonitätskennziffern und wirken sich unmittelbar auf Kreditkonditionen aus.Hintergrund: Geschlechterlücke beim EinkommenDer in der Meldung genannte Zusammenhang zwischen Einkommen, Beschäftigungsumfang und Kreditwürdigkeit entspricht gängigen Bewertungslogiken von Banken.
Einkommen und Stabilität des Arbeitsverhältnisses sind zentrale Kriterien in Scoring-Modellen, etwa beim Schufa-Score. Wer weniger verdient oder nur über ein befristetes Arbeitsverhältnis verfügt, gilt statistisch als risikoreicher. Das trifft Frauen überproportional.Damit verstärkt das Kreditsystem bestehende Ungleichheiten: Schlechtere Verdienstaussichten führen zu schlechterer Bonität, die wiederum zu höheren Kreditzinsen und kleineren Kreditrahmen führt. Für größere Anschaffungen oder die Gründung eines Unternehmens wird es damit schwieriger, was langfristig auch Vermögensaufbau und Altersvorsorge beeinträchtigen kann.Bedeutung für Verbraucherinnen und RegulierungFormal ist eine Ungleichbehandlung nach Geschlecht verboten, weshalb Banken nach eigenen Angaben ausschließlich objektive Kriterien wie Einkommen, Beschäftigungsstatus und externe Bonitätsbewertungen nutzen.
Wenn diese Kriterien aber strukturell zu Lasten einer Gruppe wirken, stellt sich die Frage, ob zusätzliche Regulierung oder Transparenzanforderungen nötig sind, um indirekte Benachteiligungen abzumildern.Für Verbraucherinnen kann es sinnvoll sein, Kreditangebote verschiedener Institute und Vergleichsportale genau zu prüfen, Spielräume bei Laufzeit und Sicherheiten auszuloten und im Vorfeld ihre Bonität zu stärken – etwa durch stabile Beschäftigung oder das Senken bestehender Verbindlichkeiten.
Politisch bleibt die zentrale Stellschraube jedoch die Verringerung der Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen, weil sich darüber auch die Ausgangslage bei Kreditentscheidungen nachhaltig verändert.