Verdi droht mit Streiks in Supermärkten
heute 14:38 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Kunden von Supermärkten und anderen Geschäften müssen sich bald womöglich auf größer angelegte Streiks einstellen.
via dts Nachrichtenagentur
Die Gewerkschaft Verdi droht damit, den Arbeitskampf im Einzelhandel deutlich auszuweiten, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".Hintergrund ist die seit April laufende Tarifrunde, in der es trotz zahlreicher Verhandlungstreffen noch kein Ergebnis gibt. Wenn sich die Arbeitgeber in den nächsten Wochen nicht bewegen, werde man die Streikmaßnahmen intensivieren, sagte Verdi-Vorständin Silke Zimmer der Zeitung.
Mehrtägige Arbeitsniederlegungen seien dann denkbar. Dabei nehme man gezielt diejenigen Unternehmen ins Visier, die die Verhandlungen blockieren.Verdi fordert sieben Prozent mehr Geld für die Beschäftigten, sie sollen mindestens 14,90 Euro pro Stunde verdienen.
Vom Tarifvertrag direkt betroffen ist nach Angaben der Gewerkschaft etwa ein Viertel der mehr als drei Millionen Verkäufer im Einzelhandel. Verdi begründet die Forderung unter anderem mit den Preissteigerungen der vergangenen Jahre und dem Beginn des Kriegs zwischen den USA und Iran, in dessen Folge sich Benzin und Diesel stark verteuerten.
Die Inflation werde in diesem Jahr auf etwa drei Prozent steigen, prognostizieren Ökonomen, im Juli kletterte sie im Vergleich zum Vorjahresmonat bereits auf 2,8 Prozent.Die Arbeitgeber haben der Gewerkschaft nach Informationen der SZ zuletzt 4,4 Prozent Lohnsteigerungen angeboten. Es gebe kaum Spielraum, sagte der Tarifgeschäftsführer des Handelsverbands HDE, Steven Haarke, vor Verhandlungsbeginn. Diese Verdi-Forderungen gingen in der aktuellen Situation an der Realität von vielen Einzelhandelsunternehmen vorbei.Ein besonderer Streitpunkt in den Tarifverhandlungen kreist um die Lage jüngerer Verkäufer. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber sei so niedrig, dass ihre Gehälter in einigen Regionen faktisch vom Mindestlohn eingeholt würden, den die Bundesregierung zum 1. Januar 2027 von derzeit 13,90 auf 14,60 Euro pro Stunde erhöhen will. Das sei ein Skandal, sagte Zimmer, schließlich hätten die meisten Beschäftigten im Einzelhandel eine abgeschlossene Berufsausbildung.
Sie verdienten mehr Wertschätzung als den Mindestlohn. Der HDE wiederum argumentiert, die Tarifbeschäftigten bekämen "nahezu flächendeckend" Urlaubs- und Weihnachtsgeld; dies eingerechnet, liege das Einstiegsgehalt schon heute deutlich über dem vom kommenden Jahr an gültigen Mindestlohn von 14,60 Euro pro Stunde.