USA sichern sich Kontrolle über große Teile venezolanischer Ölreserven

heute 07:33 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Die USA sichern sich laut Präsident Donald Trump die Verfügungsgewalt über einen Großteil der venezolanischen Ölreserven. Das ungewöhnliche Abkommen mit Caracas soll zugleich Benzinpreise in den USA senken und Venezuelas kriselnde Ölindustrie neu beleben.

Donald Trump (Archiv)
Donald Trump (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Die USA haben mit Venezuela ein Abkommen geschlossen, das Washington die Verfügungsgewalt über mehr als 65 Milliarden Barrel der nachgewiesenen venezolanischen Ölreserven des südamerikanischen Landes sichert. US-Präsident Donald Trump erklärte, die Vereinbarung verdopple die US-Ölreserven und werde das Angebot erhöhen sowie die Benzinpreise für Verbraucher spürbar senken.Vereinbarung zwischen Washington und CaracasDie Vereinbarung zwischen den Regierungen in Washington und Caracas sieht die Erschließung von insgesamt 17 Ölfeldern in Venezuela vor. Nach Angaben eines US-Vertreters behält Washington 55 Prozent an einem Gemeinschaftsunternehmen mit einem privaten Betreiber im Land, wobei die Konzession über einen Zeitraum von 100 Jahren laufen soll. Kosten für den US-Steuerzahler seien nach Trumps Darstellung nicht entstanden, da private Unternehmen die Investitionen tragen sollen.Reaktionen in VenezuelaVenezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodriguez begrüßte den Schritt als Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung ihres Landes.

Sie sprach von einem Investitionsvolumen von über 100 Milliarden Dollar und erwarteten Steuereinnahmen von mehr als 209 Milliarden Dollar für den venezolanischen Staat. Die Mittel sollen demnach in die Modernisierung der Ölindustrie, in wirtschaftliches Wachstum und in die Energiesicherheit der gesamten Region fließen.US-Innenpolitik und Irankrieg als HintergrundTrump steht wegen gestiegener Benzinpreise im Zusammenhang mit dem Irankrieg innenpolitisch unter Druck und präsentiert das Abkommen als Antwort auf die Sorgen der Bevölkerung.

Nach seinen Angaben hatten US-Außenminister Marco Rubio und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth die Vereinbarung gemeinsam mit der venezolanischen Führung und unter Beteiligung privater Unternehmen ausgehandelt. Rubio bezeichnete den Abschluss als einen großen Gewinn für sowohl das amerikanische als auch das venezolanische Volk.Ungewöhnlicher Zugriff auf Ressourcen eines souveränen StaatesDas Vorgehen ist insofern ungewöhnlich, als die USA damit direkten Einfluss auf die Ressourcen eines souveränen Staates nehmen und sich langfristig Zugriff sichern. Ob das Abkommen rechtlichen und verfassungsrechtlichen Prüfungen in beiden Ländern standhalten wird, ist offen, zumal der Vertragstext bislang nicht veröffentlicht wurde. Die Konstruktion eines Gemeinschaftsunternehmens mit Mehrheitsbeteiligung Washingtons wirft Fragen nach der praktischen Kontrolle und der Rolle venezolanischer Institutionen auf.Politischer Kontext in VenezuelaDer Deal steht auch vor dem Hintergrund der politischen Krise in Venezuela. Präsident Nicolas Maduro und seine Frau waren Anfang Januar bei einer US-Militäroperation entführt worden, woraufhin Trump ankündigte, die USA würden Venezuela bis zu einem geordneten Übergang führen und den Ölverkauf kontrollieren.

Venezuela verfügt über die weltweit größten Ölreserven von rund 303 Milliarden Barrel, die Förderung ist seit den 1990er-Jahren aber stark zurückgegangen.

Trump ruft US-Unternehmen auf, mindestens 100 Milliarden Dollar zu investieren, um die venezolanische Ölindustrie neu aufzubauen und die Förderung wieder deutlich zu steigern.
Die nun von Donald Trump verkündete Vereinbarung zwischen Washington und Caracas markiert einen drastischen Schritt in den ohnehin hochpolitisierten Beziehungen zwischen den USA und Venezuela. Kern des Abkommens ist die Übertragung der Verfügungsgewalt über einen erheblichen Teil der venezolanischen Ölreserven an die USA, verbunden mit langfristigen Konzessionen und einem Gemeinschaftsunternehmen mit privatwirtschaftlicher Beteiligung.Geopolitische Dimension und RessourcenmachtMit der Kontrolle über mehr als 65 Milliarden Barrel nachgewiesener venezolanischer Ölreserven sichern sich die USA einen direkten Zugriff auf die Ressourcen eines der ölreichsten Staaten der Welt. Dies verstärkt die ohnehin dominante Stellung der USA auf den globalen Energiemärkten und steht zugleich im Kontext gestiegener Benzinpreise infolge des Irankriegs. Aus venezolanischer Perspektive soll der Deal zur wirtschaftlichen Stabilisierung und zur Modernisierung der maroden Ölindustrie beitragen, während Washington die Energiesicherheit und die heimische Preisentwicklung in den Vordergrund stellt.Innenpolitische Spannungen und RechtsfragenDas Abkommen ist auch innenpolitisch brisant: Trump reagiert auf Druck aufgrund hoher Benzinpreise und präsentiert den Deal als Entlastung für US-Verbraucher. Zugleich ist das Vorgehen ungewöhnlich, weil ein fremder Staat weitreichenden Einfluss auf die eigenen Ressourcen erhält, und weil der Vertragstext nicht veröffentlicht wurde. Damit rücken verfassungsrechtliche und völkerrechtliche Fragen in den Mittelpunkt, etwa hinsichtlich der Souveränität Venezuelas, der Legitimität der Interimsführung und der Vereinbarkeit mit nationalem Recht in beiden Ländern.Langfristige Folgen und offene KonfliktlinienDie auf 100 Jahre angelegte Konzession und die angekündigten Investitionen von deutlich über 100 Milliarden Dollar könnten die venezolanische Ölindustrie strukturell verändern. Entstehen die angekündigten Arbeitsplätze und Steuermehreinnahmen, wäre dies ein erheblicher Impuls für das Land. Gleichzeitig birgt die starke Abhängigkeit von US-Kapital und US-Kontrolle Risiken: politische Kurswechsel in Washington, Konflikte um Vertragsauslegung oder Widerstand in der venezolanischen Bevölkerung könnten das Projekt belasten.

Offen bleibt auch, wie sich die Entführung von Präsident Nicolas Maduro und die Übergangsregelungen langfristig auf die innenpolitische Stabilität Venezuelas und die Akzeptanz des Abkommens auswirken.

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