Unicef meldet 57.000 vertriebene Kinder im Jemen in zwei Wochen
heute 14:42 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Erneute Kämpfe im Jemen haben innerhalb von zwei Wochen mehr als 104.000 Menschen zur Flucht gezwungen, darunter über 57.000 Kinder. Unicef warnt vor einer weiteren Verschärfung der ohnehin dramatischen Versorgungslage und baut seine Nothilfe aus.
via dts Nachrichtenagentur
Im Jemen sind innerhalb von zwei Wochen mehr als 104.000 Menschen durch erneute Kampfhandlungen aus ihren Heimatgebieten vertrieben worden, darunter über 57.000 Kinder. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) hat am Donnerstag auf die dramatischen Folgen der jüngsten Gewaltwelle aufmerksam gemacht.Tausende Kinder von Vertreibung und Gewalt betroffenSeit dem 3. September wurden nach Unicef-Angaben mindestens neun getötete und zwölf verletzte Kinder gemeldet.
Drei weitere Kinder gelten nach einem Angriff auf der Straße von der Westküste des Jemen nach Aden als vermisst. Besonders betroffen sind die westlichen Gebiete von Taizz, der Süden von al-Hudaida, Ma`rib und weitere Regionen, in denen die Kämpfe Kindern den Zugang zu lebenswichtiger Grundversorgung nehmen.Gesundheitseinrichtungen und Schulen fallen ausIn 26 von Unicef unterstützten Gesundheitseinrichtungen ist die Versorgung beeinträchtigt. Zudem sind 243 Schulen geschlossen oder der Unterricht fällt aus, wodurch mehr als 137.000 Schulkinder betroffen sind. Kinder, die bereits seit Jahren Hunger, Vertreibung und unterbrochenen Schulbesuch erleben, verlieren durch die aktuelle Eskalation noch mehr Stabilität.Unicef weitet Nothilfe im Jemen ausUnicef hat seine Nothilfemaßnahmen ausgeweitet, um 231.000 betroffene Menschen zu erreichen. In Taizz unterstützt das Kinderhilfswerk Gesundheitseinrichtungen, verteilt Hygienesets und stellt Wassertanks bereit. In Ma`rib werden zusätzliche Wasser- und Hygieneartikel verteilt, außerdem sind neun mobile Teams für Gesundheit und Ernährung im Einsatz – dort, wo Vertriebene Zuflucht suchen, sowie in betroffenen Gemeinden in Aden, Ma`rib und Taizz.Versorgung mit Wasser und psychosoziale HilfeIm Bereich Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene plant Unicef, mehr als 200.000 Menschen mit sauberem Wasser und Hygieneartikeln zu versorgen und beschädigte Wasser- und Sanitärsysteme zu reparieren.
Kinderschutz-Experten bieten psychosoziale Unterstützung an und helfen Gemeinden, Gefahren durch explosive Kampfmittel zu erkennen und zu verringern.Lage der Kinder im Jemen bereits zuvor extrem angespanntBereits vor der jüngsten Eskalation waren schätzungsweise 12,2 Millionen Kinder im Jemen auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Mehr als 2,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden an akuter Mangelernährung, darunter über 515.000 mit lebensbedrohlicher Mangelernährung.
Rund 3,2 Millionen Kinder besuchen keine Schule, sodass sich ihr Bildungsrückstand mit jeder weiteren Unterbrechung des Unterrichts vergrößert.
Die erneute Eskalation der Kämpfe im Jemen trifft ein Land, das seit Jahren zu den schwersten humanitären Krisen weltweit zählt. Der hohe Anteil an vertriebenen Kindern innerhalb von nur zwei Wochen zeigt, wie verletzlich die Zivilbevölkerung ist und wie schnell sich die Lage für Familien verschlechtern kann. Die genannten Regionen Taizz, al-Hudaida und Ma`rib gehören seit Langem zu den besonders umkämpften Gebieten, in denen sich verschiedene bewaffnete Akteure gegenüberstehen.Humanitäre Dimension und Folgen für den AlltagWenn innerhalb von zwei Wochen über 104.000 Menschen und mehr als 57.000 Kinder ihre Heimat verlassen müssen, bedeutet das einen schlagartigen Bruch im Alltag: Wohnungen, soziale Netze und oftmals auch Einkommensquellen gehen verloren.
Die Schließung von 243 Schulen und die Beeinträchtigung von 26 Gesundheitseinrichtungen machen deutlich, dass nicht nur kurzfristige Nothilfe nötig ist, sondern auch der Wiederaufbau grundlegender Infrastruktur. Für die bereits zuvor geschätzten 12,2 Millionen Kinder, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, verschärfen sich Hunger, Krankheiten und Bildungsrückstand weiter.Strukturelle Schwächen und internationale VerantwortungDie beschriebenen Maßnahmen von Unicef – von mobilen Gesundheitsteams über Wasser- und Hygieneverteilung bis zu psychosozialer Unterstützung – zielen darauf, die unmittelbaren Folgen der Vertreibungen abzufedern. Zugleich verdeutlichen sie die strukturelle Schwäche des Landes, dessen Versorgungssysteme ohne internationale Hilfe vielerorts nicht mehr funktionieren.
Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass humanitäre Organisationen weiterhin auf finanzielle Unterstützung und politische Rückendeckung angewiesen sind, um in diesem komplexen Konflikt handlungsfähig zu bleiben und die Lage der Kinder im Jemen zumindest etwas zu stabilisieren.