Uni Magdeburg: 5.500 internationale Studierende bleiben willkommen
vor 49 Minuten, dts-nachrichtenagentur.de
Der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sieht bislang keine Absagen internationaler Bewerber wegen des AfD-Wahlerfolgs. Zugleich will die Hochschule mögliche Anfeindungen außerhalb des Campus aufmerksam beobachten.
via dts Nachrichtenagentur
Der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Jens Strackeljan, sieht bislang keine Anzeichen dafür, dass internationale Studierende oder Wissenschaftler wegen des Wahlerfolgs der AfD Sachsen-Anhalt meiden.
Nach seinen Angaben verzeichnet die Universität zum Wintersemester vielmehr einen Zuwachs an internationalen Studierenden.In jüngsten Berufungsgesprächen habe er keine Absage wegen des Wahlergebnisses erlebt, sagte Strackeljan den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Einige Bewerber hätten erklärt, sie wollten gerade jetzt zur positiven Entwicklung Sachsen-Anhalts beitragen.Universität beobachtet Umgang außerhalb des CampusGleichzeitig will die Universität den Umgang mit internationalen Studierenden und Beschäftigten im öffentlichen Raum genau beobachten.
Strackeljan nannte mögliche verbale Angriffe oder Anfeindungen im Bus, in öffentlichen Einrichtungen, beim Sport oder beim Fußball.Außerhalb des Campus könne die Universität keine Sicherheitsgarantie geben, erklärte der Rektor. Sie könne jedoch aufmerksam sein, hinschauen und reagieren.5.500 internationale StudierendeDie Hochschule müsse ihren internationalen Studierenden deutlich machen, dass sie weiterhin willkommen seien.
Die politischen Rahmenbedingungen hätten sich möglicherweise verändert, die Botschaft bleibe aber: „kommt nach Sachsen-Anhalt, ihr seid willkommen.“Für Sachsen-Anhalt gehe es dabei auch um wirtschaftliche Interessen. An der Universität studieren laut Strackeljan rund 5.500 internationale Studierende; ohne sie würden dem Land Fachkräfte, Wissen und Ideen fehlen.Internationale GründungsvorhabenDer Rektor verwies zudem auf rund 40 begleitete Gründungsvorhaben, von denen viele international geprägt seien. Es wäre töricht, diesen Menschen die Tür zuzuschlagen, sagte Strackeljan.
Die Aussage des Magdeburger Rektors verbindet zwei Ebenen: die unmittelbare Wahrnehmung an der Universität und die längerfristige Frage, wie Sachsen-Anhalt internationale Talente gewinnt und hält. Nach Angaben der Universität studieren dort rund 5.500 Menschen aus dem Ausland. Damit bilden internationale Studierende nicht nur eine akademische Gruppe, sondern auch ein wichtiges Potenzial für regionale Arbeitsmärkte, Forschung und Unternehmensgründungen.Für Hochschulen hängt die internationale Attraktivität nicht allein von Studienangeboten und Forschungsbedingungen ab. Entscheidend sind ebenso Alltagserfahrungen, Verwaltungszugang, Wohnraum, soziale Teilhabe und das Sicherheitsgefühl außerhalb des Campus. Der von Strackeljan beschriebene Bereich – vom öffentlichen Nahverkehr bis zum Sport – liegt teilweise außerhalb unmittelbarer universitärer Kontrolle, beeinflusst aber die Wahrnehmung des gesamten Standorts.Fachkräfte und politisches SignalSachsen-Anhalt steht wie andere ostdeutsche Länder vor dem Problem, Fachkräfte für Unternehmen, Wissenschaft und öffentliche Einrichtungen zu gewinnen.
Internationale Studierende können dabei eine Brücke bilden, wenn sie nach dem Abschluss bleiben, beruflich Fuß fassen oder eigene Vorhaben gründen.
Die von der Universität genannten rund 40 begleiteten Gründungsvorhaben verdeutlichen diese Verbindung von Internationalisierung und regionaler Wirtschaft.Der AfD-Wahlsieg erhöht deshalb den Druck auf Hochschulen und Kommunen, Willkommenskultur nicht nur zu formulieren, sondern im Alltag sichtbar zu machen. Ob internationale Studierende und Wissenschaftler dauerhaft bleiben, wird neben politischen Botschaften auch daran gemessen werden, wie Institutionen auf Anfeindungen reagieren und ob sie verlässliche Unterstützung anbieten.