Ukrainischer Drohnenoffizier warnt: Bundeswehr muss sich radikal anpassen

heute 11:52 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Robert Browdi, ein ukrainischer Spezialist für Drohnenkrieg, fordert von der Bundeswehr nicht weniger als einen grundlegenden Wandel – Drohnen müssen komplett ins Denken und Handeln integriert werden.

Drohnen (Archiv)
Drohnen (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Die Zeit, in der Drohnen ein exotischer Nebenschauplatz waren, ist vorbei.

Browdi, Kommandeur in der Ukraine, brachte es im Gespräch angeblich auf den Punkt: "Drohnen sind die Geißel dieses Jahrhunderts."

Gefahr von allen Seiten
Obstrus erscheint, dass längst nicht mehr bloß Armeen Drohnen nutzen.

Schattenakteure, Kriminelle, Terroristen – jeder mit ein wenig Bastelgeschick und fragwürdigen Absichten kann Hybridkriege starten oder Anschläge verüben.

Die Technik schert sich nicht um Moral oder Nationalflaggen, und der Bundestag müsse dringend begreifen, dass Deutschland seine Armee grundsätzlich umdenken muss.

Persönliche Wende im Krieg
Wie sich das konkret anfühlen kann? Vor knapp fünf Jahren, so erzählt Browdi, war die Drohne für ihn ein Fremdwort; sein Alltag bestand aus einer Kalaschnikow, naheliegender Gefahr und alter Kampftaktik. Heute? Aus Nullen, Einsen, Flugrouten und Zielkoordinaten – das Drohnenzeitalter hat jede andere Waffe entthront. Das hätte, glaubt er, sogar den russischen Vormarsch 2022 gestoppt, wäre die Technologie damals schon so weit gewesen.

Von Weitem hätten sie gegnerische Bewegungen aufgespürt, Zufahrten schlichtweg unpassierbar gemacht. Immer wieder dasselbe Dilemma: Die Technik war lange Wunschtraum, jetzt ist sie Banaler Alltag und macht den Krieg unberechenbarer.

Strategische Angriffe und psychologische Effekte
Der Augenmerk ist nicht nur auf Militärstandorte gerichtet.

Browdis Truppe hat mit Langstreckendrohnen gezielt Lagerhäuser des russischen Versandhändlers "Wildberries" zerstört. Ernüchternd? Kaum. Solche Unternehmen verkaufen Ausrüstung an russische Soldaten, machen sich somit – zumindest aus Sicht der Angreifer – selbst zur legitimen Zielscheibe. Der Effekt solcher Angriffe sei vielschichtig: Sie treffen nicht nur Material, sondern verunsichern die Menschen.

Einkaufsverhalten, Spritknappheit – das Alltägliche bekommt Risse. Die Distanz zum tatsächlichen Krieg schrumpft, die Unsicherheit steigt. Manche hinterfragen plötzlich den Sinn des Ganzen.



Russische Gegenangriffe und technische Hürden
Gleichzeitig sät Russland mit eigenen Raketenangriffen Verwüstung in der Ukraine, insbesondere jetzt, da den Ukrainern westliche Abwehrsysteme – etwa Patriot-Raketen – fehlen.

Das Ziel, russische Raketenabschussanlagen auf der anderen Seite der Grenze zu zerstören, scheitert meist schlicht an der Technik. Ohne ein stabiles Internet bis tief ins Feindesland kann selbst der modernste Drohnenschwarm wenig ausrichten.

Währenddessen versucht man, den US-Dienst Starlink für lokale Netzeinsätze nahe der Grenze zu gewinnen; bislang bleibt das vergebliches Bitten.
Drohnen haben sich in den vergangenen Jahren quasi über Nacht zur entscheidenden Größe in modernen Konflikten entwickelt und setzen herkömmliche Militärlogik außer Kraft. Ukrainische Strategen fordern Deutschland auf, nicht den Anschluss zu verpassen – das Umdenken müsse nicht an der Technik, sondern in den Köpfen geschehen.

Angriffe auf zivile Infrastruktur beeinflussen das Sicherheitsgefühl der russischen Gesellschaft und erhöhen den Druck auf den Kreml.

Hintergrund und neue Entwicklungen
Recherchen zeigen, dass Deutschland neue Milliardenprogramme für Digitalisierung und Modernisierung der Bundeswehr beschlossen hat, darunter auch Drohnentechnologie und Gefährdungsanalysen für kritische Infrastrukturen.

Kiew erhält aktuell nur eingeschränkt Satelliten-Internet für Drohnenüberwachung, da Elon Musks SpaceX sich bei Starlink-Nutzung für Offensivaktionen weiterhin zurückhaltend zeigt. Derweil meldeten Medien, die russischen Angriffe auf ukrainische Energie-Infrastruktur hätten im Juni stark zugenommen, während die Ukraine weiter gezielt russische Nachschublinien und Treibstoffdepots attackiert – ein zermürbender technischer Wettlauf auf beiden Seiten, ohne klare Aussicht auf ein schnelles Ende.

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