TÜV-Report 2026: Jeder fünfte Lkw fällt bei Hauptuntersuchung durch
heute 13:28 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Der TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026 zeigt: Trotz minimaler Verbesserungen fällt weiterhin gut jedes fünfte Nutzfahrzeug bei der Hauptuntersuchung wegen gravierender Mängel durch. Besonders betroffen sind schwere Lkw über 18 Tonnen.
via dts Nachrichtenagentur
Gut jedes fünfte Nutzfahrzeug ist in den vergangenen zwei Jahren mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln bei der Hauptuntersuchung durchgefallen.
Das geht aus dem "TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026" hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.Leichte Verbesserung, hohe QuoteDie Mängelquote sank im Vergleich zum Vorjahresreport leicht um 0,1 Prozentpunkt. Grundlage des Berichts ist eine Auswertung von rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen von leichten Transportern bis zu schweren Lkw in den Jahren 2024 und 2025. Besonders häufig stellten TÜV-Sachverständige Defekte an der Beleuchtung, Ölverlust an Motor oder Antrieb sowie Mängel an den Achsaufhängungen fest.Schwere Lkw mit den meisten MängelnSchwere Lkw über 18 Tonnen wiesen mit 21,8 Prozent die höchste Mängelquote auf, nach 21,9 Prozent im Vorjahr. Die Mängelquoten steigen mit dem Alter der Fahrzeuge deutlich an und erreichen bei zehn Jahre alten Schwergewichten 28,5 Prozent. Damit sind ältere Lastwagen überdurchschnittlich häufig von erheblichen oder gefährlichen Mängeln betroffen.Unterschiede zwischen den FahrzeugklassenLeichte Transporter bis 3,5 Tonnen hatten eine Mängelquote von 21,5 Prozent, exakt auf dem Niveau des Vorjahres.
Mittelschwere Lkw zwischen 7,5 und 18 Tonnen schneiden im Vergleich am besten ab: Ihre Mängelquote lag bei 16,3 Prozent und damit leicht unter dem Wert des Vorjahres von 16,5 Prozent.Hinweise auf InvestitionsstauRichard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband, führt die Entwicklung unter anderem auf Zurückhaltung bei Neuanschaffungen in den vergangenen Jahren zurück. Diese habe zu einem erhöhten Verschleiß im Bestand geführt und trage dazu bei, dass viele Nutzfahrzeuge mit zunehmendem Alter mehr sicherheitsrelevante Mängel aufweisen.
Der TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026 macht deutlich, dass Sicherheit im gewerblichen Straßenverkehr ein Dauerthema bleibt. Wenn gut jedes fünfte Nutzfahrzeug bei der Hauptuntersuchung wegen erheblicher oder gefährlicher Mängel durchfällt, betrifft das nicht nur Speditionen und Handwerksbetriebe, sondern auch alle Verkehrsteilnehmer, die täglich mit diesen Fahrzeugen unterwegs sind.Strukturelle Gründe für hohe MängelquotenDie vom TÜV-Verband beobachtete Zurückhaltung bei Neuanschaffungen erklärt, warum viele Fahrzeuge länger im Einsatz bleiben und dadurch stärker verschleißen.
Steigende Mängelquoten mit zunehmendem Fahrzeugalter, insbesondere bei schweren Lkw, sind in diesem Umfeld ein erwartbares Muster: Wartung und Instandhaltung müssen mehr leisten, wenn Investitionen in neue Technik zurückgestellt werden.Besonders sicherheitsrelevant sind die genannten typischen Defekte: Probleme an der Beleuchtung können die Sichtbarkeit im Verkehr einschränken, Ölverlust an Motor oder Antrieb deutet auf technische Störungen hin, und Mängel an Achsaufhängungen betreffen zentrale Fahrwerkskomponenten.
Solche Schwachstellen können sich unmittelbar auf Bremsweg, Fahrstabilität und Pannenrisiko auswirken.Folgen für Logistik und VerkehrssicherheitDie hohen Mängelquoten bei Lkw über 18 Tonnen sind vor allem deshalb bedeutend, weil diese Fahrzeuge für den Gütertransport auf Fernstrecken und im internationalen Warenverkehr zentral sind. Wenn fast ein Drittel der zehn Jahre alten Schwergewichte bei der HU mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln auffällt, ist das ein Hinweis auf eine Alterung der Flotte und möglicherweise knappe Budgets für vorbeugende Wartung.Für Unternehmen entsteht daraus ein wirtschaftlicher Druck: Stillstand durch nicht bestandene Hauptuntersuchungen kostet Zeit und Geld, Nachbesserungen sind oft kurzfristig nötig. Für die öffentliche Hand und Aufsichtsbehörden stellt sich die Aufgabe, über Kontrollen und regulatorische Vorgaben sicherzustellen, dass technische Mängel nicht zu einem höheren Risiko im Straßenverkehr führen.Ausblick für Fuhrparks und PolitikDer Report dürfte sowohl bei Flottenbetreibern als auch in der Politik die Diskussion über Investitionen in moderne, sichere Nutzfahrzeuge und über Anreize für schnellere Flottenverjüngung befeuern. Angesichts des Fachkräftemangels in der Logistikbranche und steigender Betriebskosten spielt dabei auch die Frage eine Rolle, wie Wartungsintervalle, Ersatzteilversorgung und Werkstattkapazitäten organisiert werden, damit technische Defekte frühzeitig erkannt und behoben werden können.