Tabaksteuer: Zigarettenpreis könnte 2027 auf 9,10 Euro steigen

heute 05:00 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Die Union gibt ihren Widerstand gegen die geplante Abgabe offenbar auf. Damit kann die verschärfte Fassung des Gesetzes weiter im Bundestag beraten werden; bei Feinschnitt bleibt eine Änderung möglich.

Raucherwarnung auf Zigarettenschachtel (Archiv)
Raucherwarnung auf Zigarettenschachtel (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Die Bundesregierung hat ihren Streit über die geplante Erhöhung der Tabaksteuer beigelegt. Die CDU/CSU-Mitglieder im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages wollen ihren Widerstand aufgeben, sodass das nachgeschärfte Gesetz weiter parlamentarisch beraten werden kann.Koalition legt Streit über Steuersätze beiDas berichtet die „Bild“ in ihrer Freitagausgabe. Während Gesundheitspolitiker sowie die Fraktionschefs von Union und SPD auf höhere Abgaben gedrängt hatten, warnten Unionspolitiker wochenlang vor möglichen negativen Folgen für die erwarteten Mehreinnahmen.Sie befürchteten, dass höhere Preise den Zigarettenschmuggel stärken könnten.

Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) war dem Bericht zufolge am Dienstag bei der finanzpolitischen Arbeitsgruppe seiner Fraktion zu Gast und sah sich dort erneut heftiger Kritik ausgesetzt.Änderungsantrag sieht höhere Sätze vorDie Bundesregierung hatte bereits im Juli einen Gesetzentwurf beschlossen. Er sieht von 2027 bis 2030 jährliche Erhöhungen der Tabaksteuer vor.Der Änderungsantrag von CDU/CSU und SPD enthält nun noch höhere Steuersätze als der ursprüngliche Regierungsentwurf. Vor der zweiten und dritten Lesung im Bundestag soll lediglich die Besteuerung von Feinschnitt erneut beraten werden, bevor das Gesetz formal beschlossen werden kann.Zigaretten könnten deutlich teurer werdenEine Packung mit 20 Zigaretten kostet derzeit rund 8 Euro. Im kommenden Jahr könnte der Preis auf 9,10 Euro steigen – 33 Cent mehr als bislang erwartet.Für 2030 wird mit einem durchschnittlichen Packungspreis von 11,78 Euro gerechnet.

Die Unionskritiker hatten insbesondere vor möglichen Einbußen bei den erwarteten Mehreinnahmen gewarnt, falls Verbraucher stärker auf geschmuggelte oder anderweitig günstigere Tabakprodukte ausweichen.
Die geplante Tabaksteuer steht für einen klassischen Zielkonflikt der Verbrauchsteuerpolitik: Der Staat will zusätzliche Einnahmen erzielen und zugleich den Tabakkonsum senken.

Höhere Preise können den Einstieg insbesondere für Jugendliche erschweren und den Konsum bestehender Raucher verringern. Gleichzeitig sinkt mit dem legalen Absatz auch die steuerliche Bemessungsgrundlage.Der Streit innerhalb der Union dreht sich deshalb nicht nur um die Belastung von Rauchern, sondern auch um die Verlässlichkeit der Einnahmeprognosen.

Frühere Steuererhöhungen wurden teils mit deutlich höheren Mehreinnahmen begründet, als später tatsächlich erzielt wurden.

Bei der jetzt vorgesehenen Anhebung kommen mögliche Ausweichreaktionen hinzu: Verbraucher könnten stärker auf Feinschnitt, günstigere Produkte oder den Einkauf im Ausland ausweichen.Parlamentarische Beratung und FolgenFür die Bundesregierung wäre die Einigung ein wichtiger Schritt, weil der Gesetzentwurf trotz des Widerstands aus Teilen der Union weiter beraten werden kann. Der noch offene Umgang mit Feinschnitt zeigt zugleich, dass einzelne Produktgruppen politisch besonders umstritten bleiben.

Für Verbraucher zählt zunächst die konkrete Preiswirkung: Ausgehend von rund 8 Euro könnte eine Packung mit 20 Zigaretten 2027 etwa 9,10 Euro kosten und 2030 durchschnittlich 11,78 Euro.Die tatsächliche Wirkung hängt davon ab, wie schnell die Steuer in Verkaufspreise weitergegeben wird und ob sich der Konsum verändert. Für den Bundeshaushalt stehen damit Mehreinnahmen und die Kosten gesundheitlicher Folgeschäden gleichzeitig auf dem Prüfstand.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragentaz: „Erhöhung der Tabaksteuer: Rauchzeichen von der CDU“ (07.10.2026)Der Kommentar bestätigt, dass Union und SPD den Steuersatz für Zigaretten stärker erhöhen wollen als ursprünglich geplant. Er legt den Schwerpunkt auf die gesundheitspolitische Wirkung höherer Preise und kritisiert den Einfluss der Tabakindustrie auf die politische Debatte.FOCUS online: „Die Zuckersteuer sät Unions-Misstrauen gegen Klingbeil-Haushalt“ (07.10.2026)Der Beitrag ordnet die Tabaksteuer in eine breitere Debatte über zusätzliche Verbrauchsteuern und die Einnahmeplanung des Bundes ein. Anders als der taz-Kommentar konzentriert er sich auf Zweifel an den fiskalischen Annahmen sowie auf das Risiko, dass geringerer Konsum und mehr Schwarzmarkt die erwarteten Einnahmen begrenzen.Medienübergreifend stehen die höhere Belastung von Tabakprodukten und der politische Streit über ihre Folgen im Mittelpunkt. Unterschiede gibt es vor allem bei der Bewertung: Gesundheitspolitische Effekte werden gegen Einnahmerisiken, Ausweichkäufe und die Belastung der Verbraucher abgewogen.

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