Studie 2025: Weniger junge Menschen trinken regelmäßig Alkohol
03.09.26 12:03 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Eine neue Studie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit zeigt: Immer weniger junge Menschen in Deutschland trinken regelmäßig Alkohol, während riskantes Rauschtrinken vor allem bei Jugendlichen und jungen Männern verbreitet bleibt. Besonders deutlich ist der Rückgang beim Rauschtrinken junger Frauen.
via dts Nachrichtenagentur
Immer weniger Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland trinken Alkohol, gleichzeitig verschiebt sich das Einstiegsalter nach hinten.
Darauf weist die Drogenaffinitätsstudie 2025 des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) hin, die einen historischen Tiefstand beim wöchentlichen Alkoholkonsum junger Menschen ausweist.Während der regelmäßige Alkoholkonsum zurückgeht, bleibt das sogenannte Rauschtrinken unter Jugendlichen und jungen Männern weiterhin weit verbreitet.
Die Studie zeigt damit eine gemischte Bilanz der Entwicklungen.Historischer Tiefstand beim wöchentlichen KonsumNach Angaben des BIÖG trinken immer weniger junge Menschen in Deutschland so häufig Alkohol, dass von einem wöchentlichen Konsum gesprochen werden kann. Zudem steigt das Durchschnittsalter beim ersten Alkoholkonsum. Diese beiden Befunde werden in der Drogenaffinitätsstudie 2025 als Hinweis darauf gewertet, dass Präventionsmaßnahmen grundsätzlich Wirkung zeigen.Der historische Tiefstand beim regelmäßigen Konsum wird als längerfristiger Trend beschrieben, der sich über mehrere Erhebungswellen hinweg abgezeichnet hat. Das BIÖG führt seit 1973 wiederholte Befragungen durch und kann so Veränderungen über Jahrzehnte hinweg verfolgen.Rauschtrinken bleibt weit verbreitetAnders als beim wöchentlichen Konsum zeigt sich beim Rauschtrinken ein weniger deutlicher Rückgang. Rund 15 Prozent der Jugendlichen gaben an, in den 30 Tagen vor der Erhebung 2025 Rauschtrinken praktiziert zu haben.
Die Werte liegen bei männlichen Jugendlichen bei 14,8 Prozent und bei weiblichen Jugendlichen bei 14,7 Prozent und damit ähnlich hoch wie vor der Corona-Pandemie.Auch bei jungen Männern im Alter bis 25 Jahre bleibt Rauschtrinken ein verbreitetes Verhalten: 45,8 Prozent berichten von entsprechenden Episoden.
Diese Werte haben sich im zeitlichen Verlauf der Studie nur wenig verändert, was auf stabile Muster bei einem Teil der jungen männlichen Bevölkerung hinweist.Deutlicher Rückgang bei jungen FrauenBei jungen Frauen zeichnen die BIÖG-Daten ein anderes Bild. Zwischen 2023 und 2025 kam es zu einem statistisch signifikanten Rückgang beim Rauschtrinken auf 26,1 Prozent. Zuvor lagen die Werte – mit Ausnahme der Zeit der Corona-Pandemie – immer bei 30 Prozent oder mehr.Johannes Nießen, kommissarischer Leiter des BIÖG, bezeichnet den Rückgang des Rauschtrinkens bei jungen Frauen als erfreulich. Die Studie macht zugleich deutlich, dass Präventionsmaßnahmen nicht alle Gruppen im gleichen Maße erreichen und dass insbesondere Jugendliche und junge Männer weiterhin zu riskantem Alkoholkonsum neigen.Langfristige Beobachtung des SubstanzkonsumsDas BIÖG, das zuvor als Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) firmierte, untersucht seit 1973 mit wiederholt durchgeführten Befragungen den Substanzkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland. Die Drogenaffinitätsstudien bilden eine zentrale Datengrundlage für die Einschätzung von Trends beim Konsum von Alkohol und anderen Substanzen.Für die aktuelle Drogenaffinitätsstudie 2025 wurden 7.001 junge Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt. Die Erhebung fand im Zeitraum von April bis Juli 2025 statt und erlaubt dadurch eine Momentaufnahme des Konsumverhaltens nach den gesellschaftlichen Umbrüchen der Corona-Pandemie.
Die neuen Zahlen aus der Drogenaffinitätsstudie 2025 deuten auf einen langfristigen Wandel im Konsumverhalten junger Menschen hin. Immer weniger Jugendliche und junge Erwachsene trinken regelmäßig Alkohol, und der Einstieg in den Konsum erfolgt später. Das spricht für eine gewachsene Sensibilität gegenüber den gesundheitlichen Risiken und für die Wirkung schulischer und kommunaler Präventionsprogramme.Gleichzeitig bleibt das Phänomen des Rauschtrinkens ein Kernproblem. Die Studie zeigt, dass die Häufigkeit starken Alkoholkonsums – also Trinkens mit dem Ziel, deutlich betrunken zu werden – bei Jugendlichen und jungen Männern nahezu unverändert hoch ist. Das bedeutet, dass sich zwar die Gruppe regelmäßiger Konsumenten verkleinert, riskante Episoden mit viel Alkohol aber weiterhin verbreitet sind. Besonders auffällig ist der Rückgang beim Rauschtrinken junger Frauen, der statistisch signifikant ausfällt und auf zielgruppenspezifische Ansprache und veränderte Rollenbilder hindeuten kann.Hintergrund der EntwicklungSeit den 2000er-Jahren beobachten Fachleute in Deutschland einen langsamen Rückgang beim Tabak- und Alkoholkonsum junger Menschen.
Die Drogenaffinitätsstudien greifen diese Trends auf, indem sie im Abstand von wenigen Jahren das Verhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfassen. In früheren Erhebungen wurde bereits deutlich, dass Aufklärungskampagnen, strengere Jugendschutzbestimmungen und ein verändertes Freizeitverhalten – etwa mehr digitale Freizeitangebote – zur Abnahme des regelmäßigen Konsums beitragen.Gesellschaftliche BedeutungFür die öffentliche Gesundheit ist die Kombination aus weniger regelmäßigen Trinkern und anhaltend hohem Rauschtrinken ambivalent. Kurzfristig sinkt das Risiko für alkoholbedingte Alltagsprobleme wie Schulabsenzen oder häufige Katerzustände, langfristig bleibt jedoch die Gefahr akuter Zwischenfälle wie Unfälle, Gewalt oder Alkoholvergiftungen bestehen.
Die Ergebnisse legen nahe, dass Prävention stärker an der Reduktion extremer Konsumsituationen ansetzen muss – etwa durch sichere Rahmenbedingungen bei Feiern, niedrigschwellige Beratung und eine klare Ansprache junger Männer.AusblickDa das BIÖG seit Jahrzehnten vergleichbare Daten erhebt, lassen sich Trends über Generationen hinweg beobachten.
Die Studie 2025 könnte den Ausgangspunkt für eine neue Präventionsstrategie bilden, die weniger auf generelle Abschreckung und stärker auf die Verringerung riskanter Spitzen im Konsum zielt. Für Eltern, Schulen und Kommunen bleibt Alkohol als jugendrelevantes Thema präsent – allerdings mit einem veränderten Fokus: weniger Alltagsbier, mehr Aufmerksamkeit für exzessive Trinkereignisse.