Stromsteuer: 79 Prozent wollen Senkung statt Tankrabatt

08.10.26 15:06 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

79 Prozent der Befragten bevorzugen laut Ipsos eine Senkung der Stromsteuer als Antwort auf hohe Spritpreise. Tankpreisdeckel und Übergewinnsteuer erhalten ebenfalls hohe Zustimmung, während der bereits gestartete Tankrabatt deutlich dahinterliegt.

Gesicherte Anlage der Stromversorgung (Archiv)
Gesicherte Anlage der Stromversorgung (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

79 Prozent der Deutschen halten eine niedrigere Stromsteuer laut einer Ipsos-Umfrage für die beste Antwort auf hohe Preise für Benzin und Diesel. Damit liegt die Maßnahme deutlich vor dem Tankrabatt, der seit dem 1. Oktober gilt.Stromsteuersenkung führt das Ranking anNur 8 Prozent lehnten eine Senkung der Stromsteuer ab. Die Zustimmung war laut Umfrage über Alters- und Bildungsgruppen, Geschlechter, Regionen und Parteiwahl hinweg mehrheitlich vorhanden.Von zehn vorgeschlagenen Maßnahmen erreichte die Stromsteuersenkung damit den höchsten Wert. Gemeint ist eine Reduzierung des deutschen Satzes von 2,05 Cent je Kilowattstunde auf den europäischen Mindestsatz von 0,05 Cent.Tankpreisdeckel folgt auf dem zweiten PlatzEin Tankpreisdeckel, den die Bundesregierung bis zum Jahreswechsel vorbereiten will, kam auf 76 Prozent Zustimmung.

Eine Übergewinnsteuer für krisenbedingt hohe Profite der Mineralölkonzerne unterstützten 73 Prozent.Der Tankrabatt erhielt 46 Prozent Zustimmung, während 35 Prozent ihn ablehnten.

Ein allgemeines Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen lag damit knapp vor dem Tankrabatt.Stromsteuer bleibt finanzpolitisch umstrittenFür eine niedrigere Stromsteuer hatten sich zuletzt unter anderem der ADAC, der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Sozialverband VdK und der Verbraucherzentrale Bundesverband ausgesprochen.

Auch die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und der hessische Ministerpräsident Boris Rhein unterstützten die Forderung.CDU/CSU und SPD hatten die Absenkung im Koalitionsvertrag von Mai 2025 für alle angekündigt. Im Juni 2025 nahmen sie das Versprechen für private Haushalte jedoch zunächst zurück. Finanzminister Lars Klingbeil bezifferte die jährlichen Kosten nach der dts-Meldung auf 5,4 Milliarden Euro.
Die Umfrage stellt die Stromsteuer in den Mittelpunkt einer Debatte, die bislang vor allem über die Kosten des Autofahrens geführt wird. 79 Prozent Zustimmung für eine Absenkung auf den europäischen Mindestsatz zeigen, dass viele Befragte eine Entlastung bei der Stromrechnung als breiter wirksam ansehen als eine ausschließlich auf Kraftstoffe gerichtete Maßnahme.Der politische Zielkonflikt liegt in der Finanzierung.

Eine vollständige Senkung der Stromsteuer für private Haushalte würde den Staatshaushalt nach der dts-Meldung jährlich mit 5,4 Milliarden Euro belasten.

Der Tankrabatt ist dagegen zeitlich begrenzt und bindet trotz kürzerer Laufzeit ebenfalls erhebliche Mittel. Für Haushalte mit hohem Stromverbrauch wäre eine niedrigere Stromsteuer unmittelbar spürbar; sie würde jedoch nicht automatisch alle Bestandteile des Strompreises wie Netzentgelte, Beschaffungskosten und Mehrwertsteuer reduzieren.Zwischen Entlastung und LenkungswirkungDie Rangfolge der Vorschläge weist zugleich auf unterschiedliche Erwartungen hin. Ein Tankpreisdeckel und eine Übergewinnsteuer erhalten hohe Zustimmung, während ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde knapp über dem Tankrabatt liegt. Steuerliche Entlastungen wirken kurzfristig, verändern aber weder die Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen noch die Nachfrage. Preisregeln könnten schneller greifen, wären allerdings mit Fragen der Kontrolle und der Marktgestaltung verbunden.Für die Bundesregierung verschärft das Ergebnis den politischen Druck, das im Koalitionsvertrag formulierte Stromsteuer-Versprechen erneut zu bewerten.

Die unterschiedliche Behandlung von Unternehmen und privaten Haushalten sowie die Suche nach Gegenfinanzierung dürften dabei zentrale Streitpunkte bleiben.

ZDFheute: „Ifo-Institut: Tankrabatt wird nur teilweise weitergegeben“ (07.10.2026)Der Beitrag setzt einen anderen Schwerpunkt als die Umfrage: Er beleuchtet die tatsächliche Weitergabe des Tankrabatts an die Verbraucher. Bestätigt wird die zeitliche Einordnung des Nachlasses seit dem 1. Oktober; offen bleibt im Vergleich zur Stromsteuerforderung, welche Entlastungsmaßnahme dauerhaft und zielgenau wirken würde.

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