Spritpreise: Bund und Länder senken Energiesteuer um 14 Cent
18.09.26 21:34 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Bund und Länder senken die Energiesteuer auf Benzin und Diesel bis Ende 2026 deutlich und planen zusätzlich einen Spritpreisdeckel. Die Vereinbarung soll bereits zum 1. Oktober greifen und umfasst Entlastungen von insgesamt 2,5 Milliarden Euro.
via dts Nachrichtenagentur
Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, die Energiesteuer auf Benzin und Diesel bis Ende 2026 um 14 Cent pro Liter zu senken.
Die Bundesregierung bestätigte entsprechende Berichte am Freitagabend und kündigte eine schnelle Umsetzung an.Details zur Steuerentlastung an der ZapfsäuleInklusive Umsatzsteuer soll sich die Steuerentlastung für Kraftstoffe auf 17 Cent pro Liter summieren.
Die Kosten der Maßnahme werden auf rund 2,5 Milliarden Euro beziffert. Die Länder sollen dafür über einen Umsatzsteuerfestbetrag einen Beitrag in Höhe von 1,25 Milliarden Euro leisten.
Die Maßnahme soll bis zum 1. Oktober umgesetzt werden und damit zeitnah Wirkung an den Tankstellen entfalten.Geplanter Spritpreisdeckel und weitere SchritteDer Bund soll nun Gespräche mit der Mineralölwirtschaft führen, um spätestens zum 1. Januar 2027 einen Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens einzuführen, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.
Darüber hinaus sollen die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlmechanismus geschaffen werden, um gegebenenfalls besonders betroffene Menschen und Unternehmen zielgerichtet zu entlasten.Positionierung der Bundesregierung und der EU-DebatteDie Bundesregierung begrüßt zudem Gespräche in der Europäischen Union, analog zum EU-Energiekrisenbeitrag 2022 Maßnahmen gegenüber der Mineralölwirtschaft zu prüfen.
Zuvor hatte EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis erklärt, dass man nicht vorhabe, einen Vorschlag für eine solche „Übergewinnsteuer“ vorzulegen.
Damit bleibt die Diskussion über zusätzliche Beiträge der Mineralölkonzerne auf europäischer Ebene offen.Reaktionen aus Regierung und Ländern„Wir zeigen, dass wir in der Krise widerstandsfähig sind“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). „Die Entlastung von immerhin 2,5 Milliarden Euro ist in Zeiten angespannter Haushalte kein Pappenstiel.“ Die Einigung sei ein starkes Signal für das Land. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) betonte: „Die Spritpreise runterkriegen, die Menschen entlasten, die Abzocke an den Zapfsäulen beenden - genau das war mir wichtig und das erreichen wir mit unserer Einigung.“Stimmen aus den Bundesländern und FraktionenDer niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) erklärte, die Spritpreise seien derzeit völlig außer Kontrolle, mit der Einigung handle man endlich entschlossen.
Gordon Schnieder (CDU), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, hob hervor, mit der Senkung der Energiesteuer nehme man nicht nur die Menschen, sondern auch die mittelständischen Betriebe in den Blick. Thorsten Frei (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sprach von einem wichtigen Signal, dass Bund und Länder an einem Strang ziehen und die Menschen nicht allein lassen.Ausblick auf weitere EntlastungenMatthias Miersch, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, nannte die Überlegungen zu einem Spritpreisdeckel einen zentralen Schritt, um die Lage in einer krisenhaften außenpolitischen Situation zu stabilisieren.
Darüber hinaus sei es wichtig, im Jahr 2027 die Voraussetzungen zu schaffen, von der Krise besonders belastete Haushalte mit sozial gestaffelten Entlastungsmaßnahmen unterstützen zu können, wenn dies notwendig wird. Damit werden weitere zielgerichtete Hilfen für die kommenden Jahre in Aussicht gestellt.
Die nun bestätigte Einigung von Bund und Ländern auf einen bis Ende 2026 befristeten Tankrabatt markiert einen deutlichen Kurswechsel in der deutschen Energie- und Verkehrspolitik. Mit der Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent pro Liter und einer Gesamtentlastung inklusive Mehrwertsteuer von 17 Cent pro Liter greifen Staat und Länder direkt in die Preisbildung an der Zapfsäule ein. In einer Phase angespannter Haushalte ist das Volumen von 2,5 Milliarden Euro ein klarer Hinweis darauf, dass die politische Priorität derzeit bei der Entlastung von Pendlern, Betrieben und ländlichen Regionen liegt.Hintergrund und politische KonfliktlinienPreisstützende Eingriffe bei Kraftstoffen sind in Deutschland seit Jahren umstritten.
Einerseits sollen sie soziale Härten abfedern und wirtschaftliche Stabilität sichern, andererseits stehen sie im Spannungsfeld zu Klimazielen und der Förderung von Alternativen wie ÖPNV und Elektromobilität. Die nun vereinbarte Maßnahme verteilt die finanziellen Lasten zwischen Bund und Ländern, was auf einen intensiven föderalen Aushandlungsprozess schließen lässt. Aussagen aus Regierung und Fraktionen zeigen, dass die Entlastung vor allem als Reaktion auf stark gestiegene Spritpreise und die Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit mittelständischer Betriebe verstanden wird.Bedeutung des geplanten SpritpreisdeckelsBesondere Bedeutung hat der Auftrag an den Bund, mit der Mineralölwirtschaft über einen Spritpreisdeckel nach Vorbild Luxemburgs oder Belgiens zu sprechen.
Damit würde Deutschland sich stärker an Modellen orientieren, bei denen staatlich regulierte Höchstpreise eine übermäßige Verteuerung verhindern und Krisengewinne begrenzen sollen.
Gleichzeitig wird die Versorgungssicherheit ausdrücklich als Grenze des Eingriffs benannt – ein Hinweis auf die Risiken, wenn Preise zu stark reguliert werden.Ausblick für Verbraucher und UnternehmenFür Verbraucher könnten die Maßnahmen kurzfristig zu spürbaren Entlastungen führen, vor allem für Vielfahrer und Menschen ohne Ausweichmöglichkeit auf andere Verkehrsmittel. Für Unternehmen, insbesondere im Transport- und Logistiksektor, kann eine planbare Senkung der Kosten helfen, weitere Preissteigerungen bei Waren zu dämpfen.
Zugleich wird mit den geplanten einkommensbezogenen Direktauszahlungen und sozial gestaffelten Entlastungen ab 2027 angedeutet, dass die Politik in kommenden Jahren stärker zwischen besonders belasteten Haushalten und weniger betroffenen Gruppen differenzieren will.