SPD-Abgeordneter Töns fordert Trennung von Partei- und Ministeramt

21.09.26 16:24 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Nach den Wahlniederlagen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern verschärft sich die Debatte über Kurs und Führung der SPD. Markus Töns verlangt eine klarere Trennung von Regierungs- und Parteifunktion.

Bärbel Bas und Lars Klingbeil (Archiv)
Bärbel Bas und Lars Klingbeil (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Töns fordert nach den Wahlen am Sonntag in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern eine Neuaufstellung der Partei.

Dabei setzt er auf eine klare Trennung von Partei- und Ministeramt.Töns fordert Kurswechsel„Für ein starkes Auftreten in der Zukunft brauchen wir die Trennung von Partei- und Ministeramt“, sagte Töns dem „Handelsblatt“. Die Partei brauche in dieser Krisenzeit eine politischere Führung, die Probleme auch offen anspreche, und das sei aus dem Ministeramt heraus nicht möglich.Die SPD müsse insgesamt umsteuern, sagte Töns, auch wenn er kein Freund von Personaldebatten sei und einen unmittelbaren Parteitag oder Konvent für überflüssig halte. Er sprach von echten Konsequenzen aus den Wahlergebnissen und von einem Korrekturbedarf bei den Reformbestrebungen.Druck auf die SozialdemokratenDer SPD-Politiker gehört der einflussreichen Ruhr-SPD an, die vor drei Wochen in einem Positionspapier den Reformkurs der Bundesregierung scharf kritisiert hatte. Töns sagte zudem, die SPD spreche die Wählenden und vor allem die Arbeitnehmenden nicht mehr an.
Die Forderung von Markus Töns nach einer Trennung von Partei- und Ministeramt fällt in eine Phase, in der die SPD nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern unter Druck steht. Töns verbindet die Niederlagen mit der Aufforderung, den Kurs der Partei grundlegend zu justieren und die Wählerschaft wieder stärker anzusprechen.Politisch zielt der Vorstoß auf ein altes Spannungsfeld: Regierungsämter verlangen Kompromisse und Verwaltung, Parteiführung braucht oft schärfere Linien und schnellere Reaktionen auf Stimmungen in der Basis. Genau diese Spannung wird in der SPD regelmäßig sichtbar, wenn Wahlergebnisse und Regierungsverantwortung aufeinanderprallen.Folgen für die SPDBemerkenswert ist, dass Töns keinen schnellen Parteitag fordert, sondern eher eine inhaltliche und personelle Neuordnung, die über die aktuelle Reaktion hinausgeht. Das deutet auf den Versuch, die Debatte zu öffnen, ohne sofort einen offenen Machtkampf zu erzwingen.Reformkurs unter DruckDie Kritik aus der Ruhr-SPD steht zugleich für eine verbreitete Unzufriedenheit mit dem Reformkurs der Bundesregierung.

Für die Partei ist das heikel, weil sie einerseits Regierungsverantwortung trägt, andererseits aber nach den Wahlverlusten den Eindruck vermeiden muss, soziale Kernmilieus weiter zu verlieren. Ob aus der Debatte konkrete personelle Konsequenzen entstehen, hängt nun davon ab, wie breit die Kritik innerhalb der Partei getragen wird.

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