Sachsen-Anhalt sucht neue Investoren für frühere Intel-Fläche und Domo-Werk in Leuna

vor 14 Minuten, dts-nachrichtenagentur.de

Sachsen-Anhalt verhandelt mit zwei Investoren über eine Nachnutzung der früheren Intel-Fläche in Magdeburg, darunter dem Speicherchip-Start-up FMC aus Dresden. Zugleich droht dem Domo-Werk in Leuna ohne neuen Eigentümer die Stilllegung.

Michael Richter (Archiv)
Michael Richter (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Sachsen-Anhalt verhandelt mit zwei Investoren über die Nutzung der früheren Intel-Fläche in Magdeburg. Das Land hat dazu bereits Absichtserklärungen unterzeichnet.Zwei Interessenten für das frühere Intel-GeländeWirtschafts- und Finanzminister Michael Richter erklärte, dass derzeit mit zwei möglichen Investoren über das Intel-Gelände gesprochen werde, einer davon sei das Speicherchip-Start-up FMC aus Dresden.

Das zweite Unternehmen sei kein Halbleiterhersteller. Bei FMC sei die Frage nach den finanziellen Rahmenbedingungen noch offen, die Investoren müssten bestimmte Voraussetzungen mitbringen.Infrastruktur: Strom- und Wasserversorgung als VoraussetzungFür den Standort müssen nach Richters Angaben Strom- und Wasserversorgung gesichert werden.

Vorgesehen ist eine 380-kV-Leitung sowie ein Wasserwerk an der Elbe, das aktuell geplant wird. Ab 2028 sollen Strom und Wasser von Seiten des Landes für den Standort bereitstehen.Zeithorizont für den neuen InvestorRichter geht davon aus, dass das Unternehmen, das den Zuschlag erhält, dann in zwei bis drei Jahren mit der Umsetzung seiner Pläne beginnen kann. Zuvor hatte Intel seine Pläne für eine Fabrik in der Magdeburger Börde im Juli 2025 abgesagt, nachdem der US-Chipkonzern dort ursprünglich rund 30 Milliarden Euro investieren wollte, wovon etwa ein Drittel aus staatlichen Mitteln kommen sollte.Unklare Zukunft für das Domo-Werk in LeunaFür das Domo-Werk in Leuna liegt nach Aussage des Ministers bislang kein belastbares Übernahmeangebot vor. Das Chemieunternehmen hatte Ende 2025 Insolvenz angemeldet, die Auffanggesellschaft Leuna-Polyamid wurde im Juni zahlungsunfähig. In Leuna werden Polyamide und Dünger mit Ammoniumsulfat produziert.Frist für Entscheidung und mögliche StilllegungRichter betonte, das Land brauche bis etwa Mitte September eine Entscheidung über die Zukunft des Standorts. Sollte sich kein Investor finden, müsse die Anlage heruntergefahren werden, was weitreichende Folgen für die Produktion und die Beschäftigten am Standort hätte.
Die Unterzeichnung von Absichtserklärungen mit zwei Investoren für die frühere Intel-Fläche in Magdeburg markiert einen wichtigen Schritt für die Wirtschafts- und Industriepolitik Sachsen-Anhalts. Nach dem Rückzug von Intel geht es nun darum, die bereits angelaufene Standortentwicklung mit neuen Projekten zu füllen und Infrastrukturplanungen nicht ins Leere laufen zu lassen.

Dass ein möglicher Investor mit FMC aus dem Speicherchip-Bereich kommt, zeigt zugleich, dass das Land weiter auf eine technologische Nutzung mit hoher Wertschöpfung setzt.Industriepolitik und Infrastruktur als StandortfaktorDie geplante Sicherung der Strom- und Wasserversorgung mit einer 380-kV-Leitung und einem neuen Wasserwerk an der Elbe unterstreicht den Anspruch, Magdeburg als Industrie- und Technologiestandort langfristig zu etablieren.

Solche Großprojekte sind für energieintensive und wasserabhängige Industrien entscheidend, etwa für Halbleiter- und Chemieunternehmen.

Die Aussage, dass ab 2028 Strom und Wasser gesichert seien, zeigt, dass die Landesregierung mit mehrjährigen Vorläufen rechnet und Investitionsentscheidungen eng an Infrastrukturprojekte koppelt.Risiken für die Chemieindustrie in LeunaParallel dazu wird deutlich, wie verwundbar traditionelle Industriecluster sind: Für das Domo-Werk in Leuna und die Auffanggesellschaft Leuna-Polyamid steht mangels belastbarer Übernahmeangebote eine mögliche Stilllegung im Raum. Die dort produzierten Polyamide und Düngemittel auf Basis von Ammoniumsulfat sind Teil wichtiger Lieferketten für Kunststoffverarbeitung und Landwirtschaft. Eine Herunterfahrung der Anlage hätte Folgen für Beschäftigte, Zulieferer und Abnehmer und könnte den Chemiestandort Leuna nachhaltig schwächen.Zeithorizont und HandlungsdruckDie vom Land gesetzte Frist bis etwa Mitte September verdeutlicht den politischen und wirtschaftlichen Handlungsdruck: Während in Magdeburg neue Projekte vorbereitet werden, drohen in Leuna Kapazitäten und Know-how verloren zu gehen, falls kein Investor gefunden wird. Damit stehen zwei Seiten derselben Industriepolitik nebeneinander – die aktive Ansiedlung neuer, technologieorientierter Investitionen einerseits und der Versuch, bestehende industrielle Kerne andererseits zu stabilisieren oder geordnet abzuwickeln.

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