Roland Berger sieht 200.000 Autojobs in Deutschland gefährdet

heute 08:51 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Roland Berger sieht die deutsche Autoindustrie vor einer weiteren Verschärfung der Krise. Nach der Analyse könnte die Branche binnen fünf Jahren massiv Jobs verlieren und mehr als fünf Werke schließen müssen.

Autoproduktion (Archiv)
Autoproduktion (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Die Unternehmensberatung Roland Berger erwartet für die nächsten fünf Jahre eine weitere Verschärfung der Autokrise in Deutschland. Nach einer Analyse für das "Manager Magazin" könnte die Zahl der Beschäftigten in der Branche um gut 200.000 auf nur noch 490.000 sinken.Beschäftigung unter DruckEnde 2025 hätten in der Branche noch 692.000 Menschen gearbeitet.

Damit würde der Personalabbau nach der Berechnung von Roland Berger deutlich über den bereits laufenden Anpassungen liegen.

Auch größere Hersteller und Zulieferer stehen demnach weiter vor tiefen Einschnitten.Der Berger-Berater Felix Mogge sagte dem Magazin, die Transformation der Branche sei zum Kostenproblem geworden.

Wenn die Unternehmen nicht reagierten, dürften sie weiter an Boden verlieren.Mehrere Werke könnten schließenDie deutsche Autoindustrie steckt seit längerem in einer schweren Krise. Der Volkswagen-Aufsichtsrat hat jüngst entschieden, dass das Unternehmen bis 2030 zusätzlich rund 60.000 Stellen streichen soll.Auch Mercedes sowie die großen Zulieferer ZF Friedrichshafen und Bosch dürften die Zahl der Jobs in Deutschland um jeweils mehr als 10.000 reduzieren.

Roland Berger geht zudem davon aus, dass in Deutschland bis spätestens 2035 mehr als fünf Autowerke geschlossen werden müssen.Kostennachteil gegenüber dem AuslandAls Ursache verweist die Analyse auf die im Vergleich zu niedrigeren Standortkosten teurere Produktion in Deutschland. Im Schnitt koste der Bau eines Autos in anderen Ländern etwa 2.000 Euro weniger. Das könne man auf Dauer nicht ausgleichen, sagte Mogge.
Die Meldung ordnet die Lage der deutschen Autoindustrie als anhaltende Strukturkrise ein. Im Zentrum stehen nicht nur sinkende Absatzerwartungen, sondern vor allem die Frage, wie stark die Kosten- und Standortnachteile in Deutschland Beschäftigung und Produktion in den kommenden Jahren weiter belasten.Für die Branche ist der Befund besonders relevant, weil er weit über einzelne Unternehmen hinausreicht. Wenn große Hersteller und Zulieferer gleichzeitig Personal abbauen, verschärft das den Druck auf Regionen, in denen die Autoindustrie ein zentraler Arbeitgeber ist. Dann treffen geringere Stückzahlen nicht nur Werke, sondern auch Entwicklungsstandorte, Dienstleister und lokale Wertschöpfungsketten.Strukturproblem statt EinzelfallDie Analyse verweist auf ein grundlegendes Problem: Produktion in Deutschland bleibt im internationalen Vergleich teurer. Genau das erhöht den Anreiz, Fertigungsschritte, Kapazitäten oder ganze Werke in günstigere Länder zu verlagern. Für Beschäftigte bedeutet das eine längere Phase der Unsicherheit, weil der Umbau der Branche nicht mit einem einzelnen Sparprogramm endet.Folgen für Standorte und PolitikFür Politik und Betriebsräte rückt damit die Standortfrage noch stärker in den Mittelpunkt. Entscheidend wird sein, ob Investitionen in Elektromobilität, Software und effizientere Produktion ausreichen, um einen weiteren Abbau abzufedern. Für Leser in den Automobilregionen ist vor allem wichtig: Die jetzt genannten Zahlen deuten nicht auf eine kurzfristige Delle, sondern auf einen tiefgreifenden Umbau bis weit in die nächste Dekade.

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