Privathaushalte sinken bis 2050 auf bis zu 39,7 Millionen

heute 08:09 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Deutschland steuert auf eine veränderte Haushaltsstruktur zu: Während die Gesamtzahl bis 2050 meist sinkt, nimmt die Zahl der Einpersonenhaushalte weiter zu. Besonders stark wächst der Anteil alleinlebender älterer Menschen.

Modernes Wohnhaus mit Balkonen (Archiv)
Modernes Wohnhaus mit Balkonen (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Destatis erwartet weniger Privathaushalte bis 2050Die Zahl der Privathaushalte in Deutschland wird bis 2050 voraussichtlich von 41,8 Millionen auf 39,7 bis 40,9 Millionen sinken.

Das geht aus der Haushaltsvorausberechnung 2026 des Statistischen Bundesamtes hervor, die drei Varianten der künftigen Bevölkerungsentwicklung betrachtet.Drei Szenarien für die BevölkerungsentwicklungIn der mittleren Variante verändern sich Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und Wanderung moderat. Bei einer relativ alten Bevölkerung unterstellt Destatis eine dauerhaft niedrige Geburtenrate, stark steigende Lebenserwartung und einen niedrigen Wanderungssaldo; bei einer relativ jungen Bevölkerung werden eine deutlich höhere Geburtenrate und hohe Nettozuwanderung angenommen.Nur im Szenario einer relativ jungen Bevölkerung würde die Zahl der Privathaushalte 2050 mit einem Plus von einem Prozent über dem Niveau von 2024 liegen. In den beiden anderen Varianten ergibt sich ein Rückgang um zwei bis fünf Prozent.Mehr Menschen leben alleinEinpersonenhaushalte bilden bereits heute die größte Gruppe. Ihre Zahl steigt den Berechnungen zufolge von 17,9 Millionen im Jahr 2024 auf 18,5 bis 19,2 Millionen im Jahr 2050. Der Anteil der Menschen in Privathaushalten, die allein leben, wächst damit von 21 auf 23 bis 24 Prozent.Bei den 20- bis unter 40-Jährigen nimmt die Zahl der Einpersonenhaushalte voraussichtlich ab. Gründe sind der Rückgang dieser Altersgruppe und tendenziell spätere Familiengründungen.

Für Menschen ab 60 Jahren weisen alle Varianten Zuwächse aus, besonders bei den 60- bis unter 70-Jährigen und bei den mindestens 80-Jährigen.Große Haushalte entwickeln sich uneinheitlichDie Zahl der Zwei-, Drei- und Vierpersonenhaushalte sinkt in allen drei Varianten.

Haushalte mit fünf oder mehr Personen wachsen dagegen bei einer relativ jungen Bevölkerung um drei Prozent.Ostdeutsche Flächenländer besonders betroffenDie regionale Entwicklung hängt vor allem vom Altersaufbau und der künftigen Bevölkerungsentwicklung ab. In westdeutschen Flächenländern und Stadtstaaten unterscheiden sich die Szenarien deutlich; in den ostdeutschen Flächenländern sinkt die Zahl der Privathaushalte in allen Varianten.Bei einer relativ alten Bevölkerung gäbe es dort 2050 zwölf Prozent weniger Privathaushalte als 2024.
Die Vorausberechnung beschreibt keine punktgenaue Vorhersage, sondern mehrere Entwicklungspfade, die von Geburten, Lebenserwartung und Wanderung abhängen.

Gemeinsam ist den Varianten, dass die demografische Alterung die Zusammensetzung der Haushalte stärker prägt als die reine Gesamtzahl.Besonders deutlich wird das an den Einpersonenhaushalten.

Während die Zahl jüngerer Alleinlebender wegen kleinerer Jahrgänge und späterer Familiengründungen zurückgehen kann, nimmt sie bei Menschen ab 60 Jahren und insbesondere bei Hochaltrigen zu. Damit verschiebt sich der Bedarf an barrierearmen Wohnungen, ambulanter Unterstützung und wohnortnaher Versorgung.Folgen für Regionen und InfrastrukturDer Rückgang in den ostdeutschen Flächenländern fällt in der alten Bevölkerungsvariante deutlich stärker aus als im Bundesdurchschnitt. Kommunen müssen dort mit sinkender Nachfrage nach größeren Wohnungen, veränderten Einnahmen und höheren Kosten für die Aufrechterhaltung von Infrastruktur rechnen. In wachsenden Regionen können dagegen weiterhin Engpässe bei Wohnraum und Betreuung entstehen, wenn Zuwanderung und jüngere Altersstrukturen die Haushaltszahl stabilisieren.Für Politik und Wohnungswirtschaft bedeutet die Entwicklung, Neubau und Bestand stärker nach Haushaltsgrößen und Altersgruppen auszurichten.

Kleine, bezahlbare und altersgerechte Wohnungen gewinnen an Bedeutung, während der Bedarf an sehr großen Wohnungen regional unterschiedlich bleibt. Die Szenarien machen zugleich deutlich, dass Familienpolitik, Zuwanderung und eine längere Lebenserwartung die Haushaltsstruktur beeinflussen, den Alterungseffekt aber nicht vollständig aufheben.

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