Polens Außenminister warnt nach AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt

vor 30 Minuten, dts-nachrichtenagentur.de

Polens Außenminister Radek Sikorski begrüßt die Aufrüstung der Bundeswehr, warnt aber nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt vor den Folgen eines weiteren Erstarkens der Partei. Er verweist auf historische Erfahrungen mit einem wiederbewaffneten Deutschland unter rechtsextremer Führung und sieht Sorgen auch in anderen EU-Staaten.

AfD-Wahlparty am 06.09.2026
AfD-Wahlparty am 06.09.2026
via dts Nachrichtenagentur

Polens Außenminister Radek Sikorski hat nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt eindringlich vor den Folgen eines weiteren Erstarkens der Partei gewarnt. Zugleich betonte er, dass Deutschlands militärische Aufrüstung aus polnischer Sicht ausdrücklich erwünscht sei, solange das Land demokratisch geführt werde.Sikorski verknüpft Aufrüstung mit demokratischer Stabilität"Wir wollen, dass Deutschland unter demokratischer Führung und als größte Volkswirtschaft Europas eine starke Rolle bei der Sicherung unserer gemeinsamen Sicherheit spielt", sagte Sikorski dem "Handelsblatt". Gleichzeitig verwies er auf die historischen Erfahrungen mit einem wiederbewaffneten Deutschland unter rechtsextremer Führung und zog eine direkte Verbindung zur AfD."Aber wir erinnern uns nur allzu gut daran, wohin ein wiederbewaffnetes Deutschland in den Händen einer rechtsextremen, prorussischen Partei führen kann - und genau das repräsentiert die AfD", so der Minister weiter. Seine Äußerungen zielen auf die Kombination aus wachsender militärischer Stärke und dem Aufstieg einer Partei, die in Polen als Sicherheitsrisiko wahrgenommen wird.Bundesregierung setzt auf stärkere BundeswehrDie Bundesregierung baut ihre Verteidigungsausgaben derzeit massiv aus und hat das Ziel ausgegeben, die Bundeswehr zur "konventionell stärksten Armee Europas" zu machen.

Dafür wurden in den vergangenen Jahren zusätzliche Mittel bereitgestellt und umfassende Modernisierungsprogramme angestoßen.Der polnische Außenminister macht deutlich, dass diese Aufrüstung aus Sicht der Nachbarn nur dann positiv bewertet wird, wenn Deutschland fest in demokratischen und proeuropäischen Strukturen verankert bleibt. Ein Einfluss der AfD auf sicherheitspolitische Entscheidungen wird in Warschau demnach als problematisch betrachtet.Sorgen auch in FrankreichNicht nur in Polen, sondern auch in Frankreich ruft der Erfolg der AfD Sorgen vor einem militärisch starken, europafeindlichen Deutschland hervor. Die Wahlergebnisse der Partei werden dort als mögliches Signal für eine innenpolitische Verschiebung in Deutschland gelesen, die sich auf die gesamte EU auswirken könnte.Die Warnungen aus den Nachbarstaaten zeigen, dass die deutsche Innenpolitik inzwischen eng mit der europäischen Sicherheitsdebatte verknüpft ist. Die weitere Entwicklung der AfD und ihr Einfluss auf die bundesdeutsche Politik werden deshalb auch außerhalb Deutschlands aufmerksam verfolgt.
Die deutliche Warnung des polnischen Außenministers Radek Sikorski vor einem erstarkenden Einfluss der AfD fällt in eine Phase, in der die Sicherheitsarchitektur Europas stark von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine geprägt ist. Polen gehört zu den entschiedensten Befürwortern einer militärisch starken und verlässlichen Bundesrepublik, weil deutsche Fähigkeiten für Abschreckung und Unterstützung der Ostflanke der NATO von zentraler Bedeutung sind.Sicherheitsinteressen und ErinnerungspolitikWenn Sikorski die deutsche Aufrüstung ausdrücklich begrüßt, knüpft er an Polens Interesse an einer robusten Abschreckung gegenüber Russland an. Zugleich verweist er auf historische Erfahrungen mit einem militarisierten Deutschland unter antidemokratischer Führung.

Die Kombination aus wachsender deutscher Militärmacht und dem Aufstieg einer Partei, die von Nachbarstaaten als rechtsextrem und prorussisch wahrgenommen wird, wird daher als potenzielles Risiko für die Stabilität Europas bewertet.Europäische Dimension und politische SignaleDie Bezugnahme auf Sorgen in Frankreich unterstreicht, dass die Wahlerfolge der AfD nicht mehr nur als innenpolitische Entwicklung wahrgenommen werden, sondern als europäisches Sicherheitsproblem. In beiden Ländern ist die Sorge erkennbar, dass ein militärisch starkes Deutschland unter Einfluss einer europafeindlichen Partei zentrale sicherheitspolitische und integrationspolitische Zusagen infrage stellen könnte. Für Leser in Deutschland signalisiert die Warnung, dass Wahlergebnisse in Bundesländern unmittelbare Resonanz in den Hauptstädten der Nachbarstaaten finden und das Vertrauen in die deutsche Führungsrolle in Europa beeinflussen.Ausblick auf europapolitische DebattenDie Aussagen des polnischen Außenministers dürften die Debatte über den Zusammenhang von Verteidigungspolitik, Demokratieschutz und europäischer Integration weiter anheizen.

Sie könnten in EU und NATO die Forderung verstärken, sicherheitspolitische Kooperation künftig noch stärker an rechtsstaatliche und proeuropäische Grundhaltungen zu koppeln. Für die Bundesregierung entsteht zusätzlicher Druck, sowohl die militärische Stärkung der Bundeswehr als auch die innenpolitische Auseinandersetzung mit extremistischen Kräften als Teil eines gemeinsamen europäischen Projekts zu kommunizieren.

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