Pötsch startet neuen Vermittlungsversuch im VW-Sparkonflikt
heute 16:38 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung zum Sparpaket von VW-Chef Oliver Blume versucht Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch in einem kurzfristig einberufenen Treffen einen offenen Eklat zu verhindern. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen stehen den Sparplänen skeptisch gegenüber und bereiten sich auf möglichen Widerstand vor.
via dts Nachrichtenagentur
Volkswagen unternimmt im Streit über die Sparpläne von Konzernchef Oliver Blume einen weiteren Versuch, einen offenen Konflikt im Aufsichtsrat zu verhindern. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch lädt dazu am Mittwochabend kurzfristig Vertreter aller Lager zu einem zusätzlichen Gespräch ein.Zusätzliche Gespräche vor der AufsichtsratssitzungNach gescheiterten Verhandlungsterminen am Montag und Dienstag, an denen Vertreter des Volkswagen-Konzerns, des Landes Niedersachsen und der Arbeitnehmerseite beteiligt waren, soll das neue Treffen eine Annäherung ermöglichen.
Zunächst will Pötsch am Abend mit den Vorständen des Konzerns beraten, anschließend sind Gespräche mit dem Land Niedersachsen und den Arbeitnehmervertretern geplant.Abstimmung über Sparpaket am FreitagAm Freitag kommt der Aufsichtsrat von Europas größtem Autobauer zusammen, um über das von Blume vorgelegte Sparpaket zu entscheiden.
Nach den bislang erfolglosen Gesprächen im Vorfeld gilt eine Ablehnung des Pakets in dem Kontrollgremium als wahrscheinlich. Der Konflikt berührt zentrale Fragen der künftigen Kostenstruktur und Standortstrategie des Konzerns.Mögliche Eskalation über HauptversammlungFür den Fall, dass der Rettungsversuch von Pötsch scheitert und der Aufsichtsrat das Sparpaket am Freitag ablehnt, bereitet das Team um Blume eine außerordentliche Hauptversammlung vor. Dort sollen dann die Aktionäre über die Sparpläne abstimmen.
Die Arbeitnehmerseite hat für den Fall einer Zustimmung der Aktionäre zu Blumes Paket juristische Schritte angekündigt, sollte der Vorstand den Sparkurs auf diesem Weg durchsetzen.
Der eskalierende Konflikt um das Sparpaket von Konzernchef Oliver Blume trifft Volkswagen in einer Phase tiefgreifender Umbrüche der Automobilindustrie. Der Konzern steht unter hohem Kosten- und Innovationsdruck, weil die Umstellung auf Elektromobilität, Softwareentwicklung und neue Mobilitätsdienste hohe Investitionen erfordert, während Margen im Kerngeschäft schrumpfen und Wettbewerber aus den USA und China massiv drängen.Hintergrund des KonfliktsBereits in den vergangenen Wochen hatte Blume einen verschärften Sparkurs angekündigt, der über den ohnehin laufenden Personalabbau hinausgeht und laut bisherigen Angaben zusätzliche Zehntausende Arbeitsplätze sowie mehrere deutsche Werke langfristig zur Disposition stellen könnte. Die Arbeitnehmerseite und das Land Niedersachsen, das als Großaktionär eine besondere Stellung im Konzern besitzt, sehen darin erhebliche Risiken für Beschäftigung, regionale Wertschöpfung und technologische Kompetenzen.
Die Serie von Krisen- und Betriebsversammlungen in den Werken zeigt, wie groß die Verunsicherung in der Belegschaft ist.Machtbalance und Bedeutung für VWDer nun angesetzte außerplanmäßige Vermittlungsversuch von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch zeigt, dass die Unternehmensführung einen offenen Bruch im Aufsichtsrat und eine öffentliche Machtprobe vermeiden will. Sollte das Sparpaket dort scheitern und anschließend in einer außerordentlichen Hauptversammlung zur Abstimmung stehen, würde der Konflikt zwischen Kapital- und Arbeitnehmerseite auf eine neue Eskalationsstufe gehoben.
Für VW geht es dabei nicht nur um kurzfristige Einsparungen, sondern um die strategische Ausrichtung des Konzerns: Wie stark werden Standorte, Beschäftigung und Mitbestimmung zugunsten von Rendite- und Effizienzzielen verschoben?Mögliche Folgen für Beschäftigte und StandorteFür die Beschäftigten und die betroffenen Regionen könnte eine Umsetzung des Sparpakets spürbare Konsequenzen haben – von Stellenabbau über veränderte Arbeitsbedingungen bis hin zu möglichen Anpassungen der Produktionsstruktur einzelner Werke. Zugleich steht die Frage im Raum, ob ein harter Sparkurs die Fähigkeit des Konzerns stärken oder schwächen würde, die Transformation hin zu klimafreundlichen Antrieben und digitalen Diensten zu meistern. Die angekündigten juristischen Schritte der Arbeitnehmerseite im Fall einer Aktionärszustimmung machen deutlich, dass auch die rechtlichen Grenzen der Unternehmensverfassung und des besonderen Einflusses des Landes Niedersachsen bei Volkswagen erneut in den Fokus rücken.