Planlos aufgerüstet? Sicherheitsexperte Carlo Masala kritisiert Verteidigungsstrategie

heute 05:00 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Carlo Masala, Militärexperte an der Bundeswehr-Universität, wirft Verteidigungsminister Pistorius Orientierungslosigkeit bei der Stärkung der Bundeswehr vor.

Carlo Masala (Archiv)
Carlo Masala (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Auf den ersten Blick scheint die Bundeswehr gerade überall neue Technik einzukaufen – aber was steckt dahinter?

Blick durch das Brennglas
"Wenn ich die aktuellen Beschaffungsentscheidungen betrachte, frage ich mich, welches Szenario die Verantwortlichen eigentlich im Kopf haben – gegen wen und was genau rüsten wir uns eigentlich?", wundert sich Carlo Masala, Professor für Internationale Politik. Seine Kritik klingt nicht nach vorsichtiger Zurückhaltung, eher nach Kopfschütteln: Vieles sei offenbar aus dem Bauch heraus entschieden worden, statt konsequent an einer Strategie auszurichten.

Interne und parteiübergreifende Zweifel
Selbst in der Regierungskoalition gibt es stichelnde Kommentare zum Vorgehen.

Thomas Röwekamp (CDU), der den Verteidigungsausschuss leitet, bringt es auf den Punkt: „Pistorius muss für die Truppe spürbare Fähigkeiten beschaffen – und zwar lieber gestern als morgen.“ Plan, so Röwekamp, müsse mindestens bis 2029 reichen – sonst bleibe alles Stückwerk.

Blick Richtung Osten
Andreas Schwarz, der beim Wehretat für die SPD den Ton angibt, verweist auf die Ukraine. Die Kämpfe dort zeigen, wie digital und vernetzt moderne Kriegsführung ist. Schwarz fragt sich ehrlich: „Sind unsere Anschaffungen überhaupt auf der Höhe der Zeit – oder laufen wir den Entwicklungen nur hinterher? Wenn wir danebenliegen, zahlen die Steuerzahler drauf, im schlimmsten Fall wird es für unsere Soldaten gefährlich.“

Transparenz und offene Fragen
Auch die Opposition, etwa Andreas Mattfeldt (CDU), bleibt beim Thema: „Wir brauchen endlich Klarheit, wo wir bei der Verteidigung eigentlich stehen. An vielen Stellen ist noch Luft nach oben – und das werden wir weiter lautstark einfordern.“ Ehrlich gesagt: Ein bisschen Orientierung im Beschaffungsdschungel tut dringend Not.
Die Debatte über die militärische Beschaffungspolitik von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius nimmt Fahrt auf. Sicherheitsexperte Carlo Masala und mehrere Politiker aus unterschiedlichen Parteien kritisieren, dass bislang eine durchdachte Strategie fehlt und die Auswahl der Projekte kaum zu erkennen gibt, welchem konkreten Bedrohungsszenario sie eigentlich folgt. Insbesondere wird der Wunsch nach klaren Prioritäten, mehr Transparenz und einer schnellen, aber zugleich langfristig angelegten Stärkung der Bundeswehr-Fähigkeiten laut.

Hintergrund und aktuelle Entwicklungen
In den letzten zwei Tagen berichten mehrere große deutsche Medien von anhaltenden Unstimmigkeiten über die Prioritäten bei der Ausrüstung der Bundeswehr. Im Fokus: die Notwendigkeit, zukunftsfähige, digital vernetzte Systeme zu beschaffen und dabei nicht halsüberkopf Geld zu versenken.

Unterdessen betonen Stimmen aus der Truppe und Fachleute die Dringlichkeit, angesichts der Sicherheitslage in Europa zügig zu handeln und Fehler der Vergangenheit – etwa beim viel kritisierten G36-Gewehr oder bei Transportflugzeugen – nicht zu wiederholen.

Die Kritik richtet sich inzwischen nicht mehr nur an den Minister persönlich, sondern auch an das Zusammenspiel aus Beschaffung, politischer Planung und dem grundsätzlichen Anspruch an die Wehrfähigkeit in Deutschland. Immer mehr Politiker aus Regierung und Opposition fordern parlamentarische Kontrolle und Expertenbeteiligung, um eine halbwegs transparente und nachhaltige Strategie für die Zukunft der Bundeswehr sicherzustellen.


Ein Artikel auf zeit.de analysiert tiefgehend, warum die aktuelle Aufrüstung der Bundeswehr von vielen Experten kritisch gesehen wird: Es fehle weiterhin ein Masterplan, der sowohl kurzfristige Bedrohungen als auch langfristige strategische Ziele abdeckt, und die politische Einigkeit über die konkrete Ausrichtung bleibt fragil. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass die Finanzierung noch nicht nachhaltig gesichert sei, sodass selbst ambitionierte Beschaffungen zum Stocken geraten könnten.

Mehr dazu auf Quelle: Die Zeit.
Auf sueddeutsche.de wird berichtet, dass die Regierung bei neuen Großprojekten wie Cyberabwehr und Digitalisierung der Truppe vor erheblichen bürokratischen Hürden steht; geplante Modernisierungen verlaufen oft im Sande, weil Entscheidungsstrukturen zu kompliziert und die Abstimmung zwischen Ministerium, Industrie und Parlament zu langsam sei.

Experten fordern, die Bundeswehr müsse viel flexibler und innovationsfreundlicher werden, um nicht weiter an Einfluss zu verlieren.

Weitere Details gibt es auf Quelle: Süddeutsche Zeitung.
Laut faz.net bleibt die Bundeswehr weiterhin mit Defiziten konfrontiert, die selbst durch das Sondervermögen nicht sofort behoben werden können; einzelne Anschaffungen – etwa Hubschrauber oder moderne Kommunikationssysteme – kommen langsamer als versprochen, und in den Streitkräften wächst die Sorge, dass insbesondere im Fall einer akuten Bedrohung die Einsatzbereitschaft zu spät hergestellt werde. Im Vordergrund steht die Forderung nach mehr Geschwindigkeit und weniger Verwaltungshürden.

Die Analyse findet sich auf Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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