Pflegedeckel: SPD will Eigenanteil auf 1.500 Euro begrenzen

26.09.26 14:21 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Die Partei will Pflegebedürftige zunächst beim einrichtungseinheitlichen Eigenanteil entlasten. Das Konzept sieht dafür Kosten von rund einer Milliarde Euro vor und nennt mehrere mögliche Finanzierungsquellen.

Alte Frau in einem Pflegeheim (Archiv)
Alte Frau in einem Pflegeheim (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Die SPD will einem Konzept zufolge einen sogenannten Pflegedeckel einführen.

Der saarländische Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) hat seinen Ressortkollegen ein entsprechendes Konzept übermittelt, das sich die SPD dem ARD-Hauptstadtstudio zufolge zu eigen machen will.Eigenanteil soll zunächst auf 1.500 Euro sinkenDer Vorschlag setzt beim einrichtungseinheitlichen Eigenanteil an. In einer ersten Stufe soll dieser Anteil auf maximal 1.500 Euro im Monat begrenzt werden.Nach den Berechnungen des Konzepts könnten sich die persönlichen Kosten im ersten Jahr eines Pflegeheimaufenthalts dadurch um rund 275 Euro monatlich verringern. In späteren Jahren wäre die Entlastung deutlich geringer, weil der Zuschuss der Pflegeversicherung mit zunehmender Aufenthaltsdauer steigt.Zweite Stufe würde Eigenanteil weiter reduzierenIn einem zweiten Schritt soll der Eigenanteil zunächst auf 1.500 Euro begrenzt werden.

Erst anschließend soll der Zuschuss der Pflegeversicherung angerechnet werden, wodurch die tatsächlich zu zahlenden Eigenanteilskosten deutlich unter 1.500 Euro fallen könnten.Die Kosten für die erste Stufe beziffert das Konzept auf rund eine Milliarde Euro. Für die zweite Stufe werden rund drei Milliarden Euro veranschlagt.Pflegeheimrechnung enthält weitere PostenDie Gesamtkosten eines Pflegeheims setzen sich aus mehreren Bestandteilen zusammen.

Dazu gehören Unterkunft und Verpflegung, Investitions- und Instandhaltungskosten, Ausgaben für die Altenpflegeausbildung sowie die Kosten für Pflege und Betreuung.Nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen müssen Pflegebedürftige im Bundesdurchschnitt derzeit insgesamt 3.364 Euro aus eigener Tasche bezahlen.

Der größte Anteil entfällt auf den einrichtungseinheitlichen Eigenanteil, der im ersten Aufenthaltsjahr durchschnittlich 1.775 Euro beträgt. Der bereits berücksichtigte Zuschuss der Pflegeversicherung liegt in diesem Zeitraum bei 15 Prozent und steigt in den Folgejahren.SPD nennt mehrere FinanzierungswegeZur Gegenfinanzierung schlägt das Konzept unter anderem eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze vor. Außerdem sollen sich die private Pflegeversicherung und der Bundeshaushalt stärker an der Finanzierung beteiligen.
Die Pflegekosten im Heim bestehen nicht allein aus dem pflegebedingten Eigenanteil. Pflegebedürftige zahlen zusätzlich Unterkunft und Verpflegung, Investitionskosten sowie weitere einrichtungsbezogene Umlagen.

Dadurch kann die tatsächliche monatliche Belastung deutlich über dem EEE liegen.Der vorgeschlagene Deckel würde deshalb vor allem den Pflegeanteil der Rechnung begrenzen.

Nach dem Konzept soll der EEE zunächst bei 1.500 Euro monatlich gedeckelt werden.

Für Bewohner im ersten Aufenthaltsjahr ergäbe sich bei einem durchschnittlichen EEE von 1.775 Euro eine Entlastung von rund 275 Euro pro Monat. Die Wirkung nimmt mit der Aufenthaltsdauer ab, weil die Zuschüsse der Pflegeversicherung dann steigen.Finanzierung bleibt der zentrale StreitpunktDie veranschlagten Kosten von rund einer Milliarde Euro für den ersten Schritt und rund drei Milliarden Euro für die weitergehende Variante machen deutlich, dass ein Pflegedeckel eine zusätzliche öffentliche oder solidarische Finanzierung erfordern würde. Das Konzept nennt dafür unter anderem eine höhere Beitragsbemessungsgrenze, eine stärkere Einbeziehung der privaten Pflegeversicherung und mehr Bundesmittel.Politisch trifft der Vorstoß auf eine Pflegereform, bei der Einsparungen und strukturelle Veränderungen miteinander verbunden werden sollen.

Für Pflegebedürftige und Angehörige wäre entscheidend, ob der Deckel tatsächlich den gesamten Eigenanteil oder nur den EEE umfasst. Die übrigen Kostenpositionen blieben nach dem vorliegenden Modell grundsätzlich bestehen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragentagesschau: „SPD stoppt vorerst Pflegereform: "Das lassen wir nicht zu"“ (25.09.2026)Der Beitrag ordnet den Pflegedeckel in den Streit der SPD über die geplante Pflegereform ein. Im Mittelpunkt stehen die angekündigte Begrenzung der Eigenanteile und die Ablehnung von Leistungskürzungen; die konkrete Finanzierung bleibt dabei ein offener politischer Punkt.Bayerischer Rundfunk: „Pflegereform verzögert sich offenbar“ (25.09.2026)Der Bericht hebt hervor, dass die SPD zunächst Einsparungen beschließen lassen will, bevor strukturelle Verbesserungen geregelt werden.

Damit bestätigt er den politischen Zusammenhang des Pflegedeckel-Vorstoßes, setzt den Schwerpunkt aber stärker auf den Zeitplan des Gesetzgebungsverfahrens als auf die konkrete Höhe des Deckels.Beide Beiträge verbinden den Vorschlag mit dem Koalitionsstreit über die Finanzierung und den Umfang der Reform. Unterschiede liegen vor allem darin, dass der eine Bericht die politische Blockadedrohung betont, während der andere die Verzögerung des Kabinettsverfahrens in den Vordergrund stellt.

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