Opferangehörige empfehlen Elif Eralp als Berlins Regierende Bürgermeisterin
heute 15:44 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Überlebende und Angehörige von Opfern des NSU sowie der Anschläge von München, Halle und Hanau sprechen sich in einem offenen Brief für die Wahl der Linken-Politikerin Elif Eralp zur Regierenden Bürgermeisterin von Berlin aus. Sie verbinden ihre Unterstützung mit der Forderung nach einem Berlin, in dem sie ohne Angst leben und ihre Rechte verteidigen können.
via dts Nachrichtenagentur
Überlebende und Angehörige der Opfer rechtsextremer und antisemitischer Anschläge des NSU sowie von München, Halle und Hanau haben in einer gemeinsamen Erklärung dazu aufgerufen, die Linken-Politikerin Elif Eralp zur Regierenden Bürgermeisterin von Berlin zu wählen.
Der Brief mit dem Titel "Für Elif Eralp" richtet sich an die Öffentlichkeit und verbindet die Wahlempfehlung mit einem politischen Appell.Offener Brief fordert ein Berlin ohne AngstIn dem Schreiben heißt es, man wolle ein anderes Land und ein anderes Berlin, in dem Menschen ohne Angst leben, ihre Stimmen erheben und ihre Rechte verteidigen können.
Eine Stimme für Elif Eralp sei nach der Erklärung zugleich eine Stimme gegen jede Form von Rassismus und Antisemitismus. Die Unterzeichnenden stellen heraus, dass Eralp als Politikerin und Juristin für diejenigen eintrete, die bedroht werden, und für alle kämpfe, die ausgegrenzt oder missachtet werden.Initiatorin und Unterzeichner des AppellsInitiiert wurde der Brief von der NSU-Nebenklageanwältin Seda Basay-Yildiz. Zu den insgesamt zehn Unterzeichnern gehören unter anderem die Geschwister Semiya und Abdulkerim Simsek, deren Vater vom NSU ermordet wurde. Ebenfalls unterschrieben haben Sibel und Hasan Leyla, deren Sohn beim Attentat auf das Olympia-Einkaufszentrum in München getötet wurde, sowie Çetin Gültekin, der seinen Bruder bei dem rassistischen Anschlag in Hanau verlor.Stimme aus Halle und bundespolitische DimensionZu den Unterstützern zählt außerdem Ismet Tekin, der die antisemitisch motivierte Tat in Halle überlebt hat. Gegenüber der Zeitung betonte Basay-Yildiz, die Wahl von Elif Eralp in Berlin wäre ein wichtiges, auch bundespolitisches Signal, dass nicht alles zu spät und nicht alles verloren sei.
Der Brief versteht sich damit ausdrücklich als Intervention in die politische Debatte über den Umgang mit rechtsextremer Gewalt und die Verantwortung der politischen Führung.
Der Aufruf von Überlebenden und Angehörigen der Opfer rechtsextremen und antisemitischen Terroranschläge zugunsten der Linken-Politikerin Elif Eralp setzt ein deutliches politisches Signal im Berliner Wahlkampf. Wenn Menschen, die direkt von Anschlägen des NSU sowie von München, Halle und Hanau betroffen sind, sich öffentlich positionieren, rückt die Frage nach Konsequenzen aus diesen Gewalttaten in den Mittelpunkt der Debatte.Kontext: Rechtsextreme Gewalt und politische VerantwortungDie genannten Anschläge stehen in Deutschland für eine Serie von schweren Versäumnissen bei der Aufklärung rechtsextremer Strukturen und für anhaltende Debatten über institutionellen Rassismus und den Schutz von Minderheiten.
Angehörige und Überlebende kritisieren seit Jahren, dass ihre Perspektiven im politischen Alltag und bei der Sicherheitsgesetzgebung zu wenig berücksichtigt werden.
Vor diesem Hintergrund ist die Unterstützung einer Kandidatin, die als Juristin und Politikerin ausdrücklich für Betroffene von Gewalt und Diskriminierung eintritt, auch als Forderung nach einem anderen Umgang des Staates mit rechtsextremem Terror zu verstehen.Bedeutung für Berlin und darüber hinausFür Berlin ist der Appell zugleich eine Mahnung, Sicherheitspolitik, Antirassismus und Antisemitismusbekämpfung als zentrale Themen der Regierungsverantwortung zu behandeln. Die Formulierung eines „anderen Berlin“, in dem Menschen ohne Angst leben und ihre Rechte verteidigen können, greift zentrale Sorgen vieler Angehöriger von Minderheiten auf. Gleichzeitig hat der Aufruf eine bundesweite Dimension: Er verbindet die Erfahrungen von NSU-Opfern mit jenen der Anschläge von München, Halle und Hanau und macht deutlich, dass Betroffene den Ausgang der Wahl in der Hauptstadt auch als Symbol für die gesamtdeutsche Haltung gegenüber rechtsextremer Gewalt verstehen.Signalwirkung für Betroffene und ÖffentlichkeitDie Initiative, angestoßen von einer NSU-Nebenklageanwältin, zeigt, dass Teile der Opfer- und Angehörigenperspektive sich nicht allein auf juristische Aufarbeitung konzentrieren, sondern aktiv politische Entscheidungen adressieren.
Damit wird die Regierende Bürgermeisterin von Berlin – unabhängig von der späteren Mehrheitsbildung – als mögliche Symbolfigur für den Umgang mit Rassismus und Antisemitismus markiert. Für viele Leser macht der Brief sichtbar, dass Wahlentscheidungen für Betroffene von Gewalt nicht nur Fragen der Infrastruktur oder Sozialpolitik berühren, sondern unmittelbar mit ihrem Sicherheitsgefühl und der Anerkennung ihrer Erfahrungen verknüpft sind.