Nitrat im Trinkwasser verursacht 75 Millionen Euro Krebs-Kosten
15.10.26 15:38 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Eine von Greenpeace beauftragte Berechnung beziffert mögliche Gesundheits- und Folgekosten der Nitratbelastung auf mehr als eine Milliarde Euro jährlich. Die Organisation fordert strengere Düngevorgaben und eine flächengebundene Tierhaltung.
via dts Nachrichtenagentur
Greenpeace beziffert Folgen der NitratbelastungNach Berechnungen des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft könnte nitratbelastetes Trinkwasser in Deutschland jährlich knapp 75 Millionen Euro an Kosten für die Behandlung von Darmkrebs verursachen.
Zusätzlich entstünden fast 66 Millionen Euro an indirekten volkswirtschaftlichen Verlusten, teilte Greenpeace am Donnerstag mit.Verlust gesunder LebensjahreDie gesellschaftlichen Kosten durch den Verlust an gesunden Lebensjahren beziffert die Studie auf rund 1,16 Milliarden Euro jährlich. Greenpeace hatte die Untersuchung beim FÖS in Auftrag gegeben.Viele Messstellen mit erhöhten WertenLaut Nitratdatenbank weisen etwa zwei von drei Trinkwassermessstellen in Deutschland, konkret 62 Prozent, Werte bei oder über 10 Milligramm Nitrat pro Liter auf. Der geltende Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter.Als Hauptursache für verschmutztes Grundwasser gelten hohe Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft. Greenpeace verweist auf internationale Langzeitstudien, nach denen sich das Darmkrebsrisiko möglicherweise bereits bei Konzentrationen unterhalb des deutschen Grenzwerts erhöht.Dänemark plant niedrigeren GrenzwertDänemark plant neben strengeren Düngevorgaben einen Grenzwert von sechs Milligramm Nitrat pro Liter. Jörg Schullehner, Associate Professor an der Universität Aarhus, bezeichnete den Vorschlag als Schritt zur Stärkung des Gesundheitsschutzes und des Vorsorgeprinzips.Greenpeace fordert strengere RegelnGreenpeace-Landwirtschaftsexpertin Stephanie Töwe erklärte, die Verringerung von Stickstoffüberschüssen sei nachhaltiger und günstiger als die aufwendige Aufbereitung nitratbelasteten Wassers. Sie fordert strengere Düngeregeln und eine flächengebundene Tierhaltung.Darmkrebs habe verschiedene Ursachen, sagte Töwe. Während Menschen unter anderem durch weniger Alkohol, den Verzicht auf Rauchen und einen geringeren Verzehr von rotem Fleisch ihr Risiko beeinflussen könnten, müsse Trinkwasser für alle zugänglich und sicher sein.
Nitrat gelangt vor allem dann ins Grundwasser, wenn landwirtschaftliche Flächen mehr Stickstoff erhalten, als Pflanzen aufnehmen können.
Besonders in Regionen mit intensiver Tierhaltung können Wirtschaftsdünger und Mineraldünger die Belastung verstärken.
Die Aufbereitung belasteten Wassers kann den Versorgern zusätzliche Kosten verursachen, während die Vermeidung des Nitrateintrags an der Quelle ansetzt.Der deutsche Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter markiert den geltenden rechtlichen Rahmen für Trinkwasser. Die von Greenpeace angeführte FÖS-Berechnung betrachtet darüber hinaus mögliche langfristige Gesundheitsfolgen bei niedrigeren Konzentrationen.
Damit verschiebt sich die Debatte von der bloßen Einhaltung eines Grenzwerts hin zur Frage, wie das Vorsorgeprinzip und aktuelle epidemiologische Erkenntnisse in der Wasser- und Agrarpolitik berücksichtigt werden.Folgen für Landwirtschaft und VerbraucherFür Verbraucher bleibt die Qualität des abgegebenen Trinkwassers Aufgabe der Wasserversorger. Politisch richtet sich der Blick zugleich auf Düngemengen, regionale Nährstoffüberschüsse und die Haltung von Tieren auf Flächen, auf denen ihre Ausscheidungen verwertet werden können.
Strengere Vorgaben könnten die Belastung langfristig senken, würden aber Anpassungen für landwirtschaftliche Betriebe und eine wirksame Kontrolle voraussetzen.Der dänische Ansatz mit einem deutlich niedrigeren Grenzwert steht für eine vorsorgeorientierte Regulierung. Ob Deutschland einen solchen Kurs übernimmt, hängt von der Bewertung gesundheitlicher Risiken, den Kosten der Wasseraufbereitung und den Auswirkungen auf die Landwirtschaft ab. Für die öffentliche Debatte entscheidend bleibt daher die Trennung zwischen gesicherten Krankheitsursachen, statistischen Zusammenhängen und politischen Schlussfolgerungen.