04.05.2021 - 09:27 Uhr

Studie: K?nstliche Intelligenz geht an den Bankkunden vorbei

Eschborn - Die Kunden deutscher Banken kriegen von K?nstlicher Intelligenz kaum etwas mit. Der Grund: Den Instituten f?llt es schwer, sich vorzustellen, was sich die Verbraucher w?nschen. Sie setzen KI vor allem daf?r ein, interne Abl?ufe zu verbessern, statt mit ihren Kunden auch ...

Eschborn - Die Kunden deutscher Banken kriegen von K?nstlicher Intelligenz kaum etwas mit. Der Grund: Den Instituten f?llt es schwer, sich vorzustellen, was sich die Verbraucher w?nschen. Sie setzen KI vor allem daf?r ein, interne Abl?ufe zu verbessern, statt mit ihren Kunden auch ?ber diesen Weg zu interagieren. Sie trauen sich zu wenig, stellt eine aktuelle Studie fest, die Senacor gemeinsam mit der Universit?t Luxemburg und dem Fraunhofer-Institut erstellt hat.

Wer heute auf die Webseite einer Bank geht und sich einloggt, merkt so gut wie nie, ob eine K?nstliche Intelligenz am Werk ist oder nicht. Die Institute nutzen KI vielmehr dazu, Muster zu erkennen. Beispielsweise, ob Betrug im Spiel ist, wenn ein Kunde Geld ?berweist oder an einem ungew?hnlichen Ort mit der Kreditkarte bezahlt. Die Systeme erkennen auch schon, wenn jemand versucht, Geld zu waschen. Mit der KI interagieren d?rfen die Kunden dagegen praktisch gar nicht. Nach einem intelligenten Chatbot oder einem Sprachassistenten, der dabei hilft, das Konto zu f?hren oder Ums?tze zu analysieren, suchen die Kunden meist vergebens.

"Kaum ein Verbraucher wei?, was sich mit K?nstlicher Intelligenz machen l?sst, weil gerade die Unternehmen in der Finanzbranche zu zaghaft vorgehen", sagt Prof. Dr. Gilbert Fridgen von der Universit?t Luxemburg. "Die Institute sitzen wie ein Kaninchen vor der Schlange, weil sie bef?rchten, mit falschen Angeboten ihre Kunden zu ver?rgern. Niemand will das Gef?hl bekommen, dass die Bank sich durch einen Chatbot das pers?nliche Gespr?ch spart."

Gefahren lauern auch bei den gesetzlichen Vorschriften. Die Banken m?ssen beispielsweise erkl?ren k?nnen, warum sie einen Kredit ablehnen, den jemand beantragt. Auch eine KI darf niemanden diskriminieren. Wie die Maschine entscheidet, muss deshalb nachvollziehbar sein und regelm??ig ?berwacht werden. Nichts zu tun, ist dennoch der falsche Weg. So entgehen den Banken beziehungsweise den Unternehmen allgemein bis zu 25 Prozent mehr Gewinn, wie das Bundesministerium f?r Wirtschaft und Energie (BMWi) in einer Studie hat ermitteln lassen. Zudem h?tte heute schon jeder zehnte Euro Umsatz, den deutsche Unternehmen mit einer Weltmarktneuheit verdienen, mit KI zu tun.

"Mit K?nstlicher Intelligenz lassen sich Aha-Effekte erzeugen und Kunden ?berraschen", sagt Dr. Werner Steck, Partner bei Senacor. "Menschen lassen sich leicht von etwas begeistern, das sie so vorher noch nie gesehen haben. Viele Kunden wissen nicht, was sie wollen, bis es ihnen jemand zeigt. Wer dagegen nur erf?llt, was ohnehin gefordert wird, landet nie an der Spitze, sondern immer im Verfolgerfeld."

Wie Banken auf diese neuen Ideen kommen, die KI erst erm?glicht, l?sst sich in drei Worten zusammenfassen: entdecken, verstehen, entwerfen. Dabei gehen die Banken zuerst von ersten Ideen aus, wie sie K?nstliche Intelligenz einsetzen wollen. Anschlie?end starten sie ein KI-Experiment, um zu verstehen, wo sich Chancen und Gefahren ergeben und was sie daf?r tun m?ssen, damit auch Kunden etwas davon haben. Daraus folgen die zu entwerfenden Dienste, die sich erneut ?berpr?fen lassen. So setzt sich der Zyklus fort, bis ein marktreifes Produkt entsteht. "Wer in agilen Teams arbeitet, profitiert davon in KI-Projekten besonders, weil IT- und Fachkollegen intensiv zusammenarbeiten m?ssen", erkl?rt Steck.

Statt bei null anzufangen, kooperieren immer mehr Banken inzwischen mit Fintechs, die oft schon konkrete Ideen mit einer KI umgesetzt haben. Startups aus den USA lassen etwa Noten w?hrend des Studiums, den SAT-Score (Scholastic Assessment Test) oder Zahlungsdaten von Online-Marktpl?tzen von einer KI auswerten, um zu entscheiden, wer einen Kredit bekommt und wer nicht. Banken stellt sich somit auch die Frage, wie sie an die Daten herankommen, die sie f?r ihre Vorhaben brauchen. "Kooperationen wie die der Deutschen Bank mit der App Finanzguru zeigen, wohin die Reise gehen kann", erkl?rt Prof. Dr. Fridgen. "Der Zug ist noch lange nicht abgefahren, weil das Feld noch nicht so reif ist."

Tats?chlich setzen deutsche Unternehmen derzeit noch kaum auf KI, obwohl die Verbraucher davon bereits ausgehen. Das zeigt eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Zudem begreift eine deutliche Mehrheit von 68 Prozent KI eher als Chance denn als Gefahr. Vor drei Jahren lagen diese beiden Lager noch gleichauf. "Die Zeit ist jetzt gekommen, mehr mit K?nstlicher Intelligenz zu machen", fasst Senacor-Berater Steck zusammen.

?ber die Studie

Die praxisorientierte Studie "Smart Retail Banking: Potenziale und Herausforderungen K?nstlicher Intelligenz" wurde vom Interdisciplinary Center for Security, Reliability and Trust der Universit?t Luxemburg, der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer-Instituts f?r Angewandte Informationstechnik FIT und Senacor Technologies erstellt. Daf?r wurden insgesamt 22 qualitative Interviews mit Entscheidern auf C-Level, Bereichsleitern und Gr?ndern von Universalbanken, Direktbanken, Fintechs sowie IT-Dienstleistern, einem Anbieter von Bonusprogrammen und einer Spezialbank gef?hrt.

Autoren der Studie sind Prof. Dr. Gilbert Fridgen und Vadim R?go von der Universit?t Luxemburg, Dr. Werner Steck und Christian Wolfangel, beide Partner bei Senacor, sowie die Mitglieder der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT, Alexander Stohr und Marc-Fabian K?rner von der Universit?t Bayreuth.

Empfohlene Zitierweise:

Fridgen, G., K?rner, M.-F., R?go, V., Steck, W., Stohr, A. und Wolfangel, C. 2021. Einsatz von KI im Retail Banking - Eine praxisorientierte Studie. Augsburg, Eschborn: Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer-Instituts f?r Angewandte Informationstechnik FIT und Senacor Technologies AG.

Die Studie steht unter folgender URL zum kostenlosen Download f?r Interessierte bereit, die ihre Kontaktdaten angeben: https://senacor.com/ki-studie-2021/

?ber die Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT und das SnT - Interdisciplinary Center for Security, Reliability and Trust der Universit?t Luxemburg

Die Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT vereint die Forschungsbereiche Finanz- & Informationsmanagement in Augsburg und Bayreuth. Die Expertise an der Schnittstelle von Finanzmanagement, Informationsmanagement und Wirtschaftsinformatik sowie die F?higkeit, methodisches Know-how auf h?chstem wissenschaftlichem Niveau mit einer kunden-, ziel- und l?sungsorientierten Arbeitsweise zu verbinden, sind ihre besonderen Merkmale. Das SnT der Universit?t Luxembourg betreibt international wettbewerbsf?hige Forschung in der Informatik und Wirtschaftsinformatik mit hoher Relevanz und Wirkung auf Wirtschaft und Gesellschaft. Zus?tzlich zu langfristiger, risikoreicher Forschung engagiert sich das SnT in bedarfsorientierten Kooperationsprojekten mit der Industrie und dem ?ffentlichen Sektor.

http://wirtschaftsinformatik.fraunhofer.de

http://snt.uni.lu

?ber Senacor Technologies

Senacor ist ein unabh?ngiges Dienstleistungsunternehmen f?r Business-IT-Transformation, das als strategischer Partner f?r Marktf?hrer aus Deutschland, ?sterreich und der Schweiz Mehrwert durch Technologie schafft. 590 Mitarbeitende arbeiten als Berater, Projektleiter, Analysten und Software-Entwickler daran, IT-Landschaften von gro?en Unternehmen aus den Bereichen Banken, Versicherungen, Automotive, Logistik und ?ffentlicher Verwaltung umzubauen und digitale Plattformen von der Konzeption ?ber Planung und Steuerung bis hin zur Umsetzung aufzubauen. Senacor erzielt einen Jahresumsatz von 147 Mio. Euro (2020) und verf?gt ?ber Standorte in Deutschland und ?sterreich sowie einem Nearshore-Entwicklungszentrum in der Slowakei.

https://senacor.com

Pressekontakt:

Florian Bongartz mailto:florian.bongartz@senacor.com +49 151 19493657

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/143292/4905761 Senacor Technologies AG