13.02.2020 - 23:36 Uhr

Kommentar / Thyssenkrupp hat Großinvestitionen nötig = Von Maximilian Plück

Düsseldorf - Der taumelnde Industriekonzern Thyssenkrupp befindet sich in einer gefährlichen Abwärtsspirale. Das Eigenkapital wird von Quartal zu Quartal aufgezehrt, finanzielle Spielräume gibt es faktisch nicht mehr. Nun muss ausgerechnet der Verkauf des einträglichsten Geschäftsteils die Wende bringen. Die Veräußerung ...

Düsseldorf - Der taumelnde Industriekonzern Thyssenkrupp befindet sich in einer gefährlichen Abwärtsspirale. Das Eigenkapital wird von Quartal zu Quartal aufgezehrt, finanzielle Spielräume gibt es faktisch nicht mehr. Nun muss ausgerechnet der Verkauf des einträglichsten Geschäftsteils die Wende bringen. Die Veräußerung von Elevator spült zwar einen zweistelligen Milliardenbetrag in die Kasse, dafür fallen künftig Erträge aus, mit denen bislang Durststrecken bei den konjunkturanfälligeren Geschäftsteilen ausgeglichen werden konnten.

Allen Beteuerungen von Finanzvorstand Dietsch zum Trotz: So recht glaubt niemand mehr, dass es noch einen Teilverkauf oder Börsengang geben wird. Und auch die Chancen, dass ein strategischer Investor wie Kone zum Zuge kommt, nehmen von Tag zu Tag ab. Zwar würden die direkten Wettbewerber wohl deutlich mehr zahlen. Doch Thyssenkrupp kann sich kein langatmiges EU-Kartellverfahren mehr erlauben. Und würde wohl auch den Zorn der Arbeitnehmer scheuen, die Arbeitsplatzabbau und eine Zerschlagung fürchten und sich längst mit einem Käufer aus dem Kreis der Finanzinvestoren abgefunden haben.

Der Donnerstag brachte auch ans Licht, wie risikobehaftet die Strategie von Martina Merz ist: Denn sie richtet alles ausgerechnet auf das zyklische Stahlgeschäft aus, also jenen Teil, der für den jüngsten Quartalsverlust steht und den ihr Vorvorgänger gerade wegen der Konjunkturabhängigkeit aus dem Konzern lösen wollte. Nur mit substanziellen Investitionen - die Arbeitnehmer sprechen von 1,5 Milliarden Euro - lässt sich der Stahl retten. Stahlchef Premal Desai, der enorme Summen von der Essener Konzernspitze gefordert haben soll, hat wohl gerade deshalb seinen Job verloren. Es fällt zunehmend schwerer, so noch an eine Zukunft Thyssenkrupps zu glauben.

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