16.10.2020 - 14:03 Uhr

Bayern bleiben während Coronakrise lieber zu Hause

Daten über das Bewegungsverhalten zeigen, dass die Bayern während der Corona-Pandemie weniger unterwegs waren als die Menschen in Nordrhein-Westfalen.

Deutliche Abweichungen in der Mobilität weisen die Menschen in Bayern und Nordrhein-Westfalen auf. Zu dieser Erkenntnis kommt das Nachrichtenmagazin "Der SPIEGEL", das Daten von Apple und Google ausgewertete. Die Redakteure vermuten einen Zusammenhang zwischen der geringeren Mobilität und den stark zurückgegangenen Virus-Infektionen in Bayern. Die Daten bezogen sich auf den Zeitraum bis in den Sommer.

In den ersten Wochen der Krise zeigen die Daten noch ein recht ähnliches Verhalten. Durch die geschlossenen Geschäfte zog es nur wenige Menschen in die Innenstädte. Auch die Fahrten zur Arbeit nahmen deutlich ab, weil viele ihren Job zu Hause erledigten oder in Kurzarbeit mussten. Dies hatte positive Auswirkungen auf die Reduzierung der Neuansteckungen, weil Infektionsketten unterbrochen werden konnten. Der "SPIEGEL" wertete unter anderem die Daten von Autos aus, die mit auf Apple basierender Navigation ausgestattet sind. Demzufolge nahmen die Autofahrten in Bayern stärker ab als in Nordrhein-Westfalen. Am 26. März registrierte Apple nur ein Drittel der sonst üblichen Navi-Anfragen in Bayern. In Nordrhein-Westfalen ging die Zahl auch zurück, mit 44 Prozent waren hier aber offenbar mehr Autofahrer unterwegs. Diese Differenz konnte über die kommenden zwei Monate stabil nachgewiesen werden. Nicht berücksichtigt ist die Herkunft der Autos, die sich in den beiden Bundesländern bewegten. So sind auch Autos erfasst, die aus einem anderen Bundesland kamen oder auf der Durchreise waren. Der "SPIEGEL" wertete auch Daten von Google aus. Sie lassen darauf schließen, dass die Menschen an Werktagen mehr Zeit zu Hause verbrachten. In Bayern gab es ein Plus von 20 Prozent, in Nordrhein-Westfalen waren es 17 Prozent. Auch diese Differenz ließ sich bis in den Juni hinein stabil zu beobachten. Aus Google-Daten lässt sich auch ein erheblicher Einbruch bei der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln feststellen. In Bayern nutzen bis zu 63 Prozent und in NRW bis zu 57 Prozent weniger Menschen Bus und Bahn. Neben dem Wegfall des Arbeitsweges, ist hier die Angst vor einer Ansteckung als Ursache zu vermuten. Dass sich die Bayern insgesamt weniger als die Menschen in Nordrhein-Westfalen nach draußen wagten, könnte aber auch einen politischen Grund haben. Bayern hatte sehr strenge Regeln zur Begrenzung von zwischenmenschlichen Kontakten. Im Frühjahr durften sich nur Menschen eines Haushalts gemeinsam draußen aufhalten. Ob dies zur geringen Mobilität beitrug, ist allerdings noch nicht bewiesen.

 

Redaktion ad-hoc-news.de, berufstouri