25.10.2021 - 13:37 Uhr

Family Offices: Old- und New-Money als erfolgreicher Anlegerverbund

Family Offices: Old- und New-Money als erfolgreicher Anlegerverbund

In Krisenzeiten müssen nicht nur Durchschnittsverdiener und Einzelanleger ihre Investments auf den Prüfstand stellen. Auch Unternehmerfamilien sind mit ihrem Großvermögen der Gefahr von unvorhergesehenen Verlusten ausgesetzt. Haben sie zu viel Geld in eine kriselnde Branche investiert, kann das kollektive Familienvermögen schneller schrumpfen als gedacht ? selbst wenn noch genug Werte in andere Anlageformen gestreut wurden. Je höher die Investment-Summe ist, desto geringer wird vielfach der risikosenkende Effekt von Diversifikation. Ein zunehmend beliebter Weg, um das Vermögen abzusichern, sind deshalb Family Offices.

Ihre weltweite Zahl hat vor allem nach der Finanzkrise ab 2009 stark zugenommen, da das Misstrauen der Unternehmer in Banken und deren konventionellen Anlageformen schwand. Nach Schätzungen existieren mittlerweile alleine in Deutschland rund 1.000 solcher Family Offices, die teils Milliarden-Vermögen für Unternehmerfamilien aus Industrie oder Handel verwalten. Recht prominente Beispiele aus Deutschland sind Offices wie Kontora oder Flossbach & von Storch, die sich um die Vermögen mehrerer Familien kümmern. Die Mayfair Vermögensverwaltung etwa arbeitet dagegen im Auftrag der Erben des Kaffeerösters Tchibo ausschließlich für eine Familie.

 

Was kennzeichnet Family Offices?

Grundsätzlich sollen diese Institutionen nach den individuellen Vorstellungen der vermögenden Familien deren Geld- und Sachwerte langfristig verwalten und absichern. Sie befassen sich mit dem Risiko-Management bei der Geldanalage ebenso wie mit steuerlichen und juristischen Fragen oder der grundlegenden Buchführung. Doch auch Aufgaben der Immobilienverwaltung und der generationsübergreifenden Zukunftsplanung des Vermögens liegen oft in ihrer Zuständigkeit. Dabei erfüllen sie nicht zwingend eine offizielle Rechtsform, sondern existieren in aller Regel in den folgenden zwei, bereits angedeuteten Erscheinungsformen:

 

  1. Single Family Office (SFO): Das Vermögen einer einzigen Familie wird exklusiv von spezialisierten Mitarbeitern und Experten verwaltet. Die SFO kann zu diesem Zweck in das jeweilige Familienunternehmen integriert sein oder als separate Gesellschaft fungieren, beispielsweise in Gestalt einer GmbH. Beides rentiert sich für die Familien jedoch aufgrund hoher Aufwands- und Personalkosten erfahrungsgemäß erst bei Vermögen ab einer dreistelligen Millionenhöhe.

 

  1. Multi Family Office (MFO): Die Vermögen verschiedener Familien werden von einer Expertengruppe verwaltet. Das MFO kann aus einem SFO heraus entstanden sein, das sein Know-how für andere Familien zur Verfügung gestellt hat. Oder es handelt sich um eine unabhängige Vermögensberatung, die sich auf das Verwalten von Familienbesitz spezialisiert hat. Der Vorteil eines MFO ist zweifellos die günstigere Nutzungsform, da eine partizipierende Familie im Gegensatz zum SFO eben nicht den gesamten Betrieb, sondern lediglich das Beraterhonorar bezahlen muss. Insofern eignet sich die MFO auch für geringere Vermögenswerte. Nachteil ist jedoch die weniger individuelle Betreuung.

 

Unabhängig von ihrer Ausprägung bieten Family Offices den Unternehmerfamilien den Vorteil, dass sie ihr Vermögen unabhängig von festgefügten Bankenstrukturen verwalten lassen können. Es gibt keine versteckten Gebühren, keine Eigeninteressen, die die Banken durchzusetzen versuchen und auch keine komplizierte Steuerung der Anlagen über mehrere Ebenen und Abteilungen hinweg. Die Familien können ihr Vermögen effizienter verwalten und durch mehr Nähe besser kontrollieren. Eine Bündelung des Kapitals in einer Hand dürfte zudem in vielen der Unternehmerfamilien für mehr Zusammenhalt sorgen.

Nichtsdestotrotz gibt es zunehmend Banken, die unter dem ungeschützten Schlagwort „Family Office“ arbeiten, um auf den Trend aufzuspringen. Damit die bankenunabhängigen, echten Family Offices – zumindest in Deutschland – klar davon zu unterscheiden sind, haben diese sich zu einem bundesweiten Verband zusammengeschlossen. Dieser soll zudem Qualitätsstandards für die Einrichtungen sichern und einen Erfahrungsaustausch ermöglichen.

 

Vereinigung von „altem“ und „neuem“ Geld

Innerhalb eines Familienvermögens gibt es oft zwei verschiedene Arten von Kapital, die in der Wirtschaftswissenschaft gemeinhin als Old Money und New Money bezeichnet werden. Das sogenannte „alte“ Geld meint dabei das bereits bestehende Vermögen, das von einer Generation zur nächsten vererbt wird. Familien, in denen dies der Fall ist, zählen zur Oberschicht und bilden oft wahre Dynastien aus ? zum Beispiel die Rockefellers aus den USA. Dagegen ist das „neue“ Geld selbst erarbeitetes Vermögen einer Generation. Dies kann entweder von Selfmade-Unternehmern erarbeitet werden, die dadurch überhaupt erst zu Reichtum gelangen.

Oder aber das New Money wird von Kindern einer Dynastie zusätzlich zum Erbvermögen in einem anderen Geschäftszweig gebildet. Ist Letzteres der Fall, lassen sich Old- und New Money durchaus gemeinsam in einem einzelnen Family Office verwalten. Schließlich wird das neu hinzuverdiente Geld später ebenfalls zur Erbmasse. Im Idealfall kann der New-Money-Anteil im Family Office aber in andere Anlageklassen oder Einzelinvestments investiert werden als das „alte“ Geld und weitere Felder für die Familie erschließen. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die typischen Anlagen von Familienvermögen und deren Verteilung.

 

Family Offices streuen besonders breit

Wie eingangs erwähnt, kann im schlechtesten Fall bei besonders großen Investment-Summen nicht einmal eine breite Diversifikation vor größeren Verlusten schützen. Dennoch oder gerade deshalb ist es vor allem für Single Family Offices zum Mindeststandard geworden, in so viele seriöse und profitable Anlageklassen wie nur möglich investiert zu sein. Der jährliche Global Family Offices Report der Schweizer Bank UBS belegt dies stets aufs Neue. Nach der Erhebung 2021 für das zurückliegende Jahr 2020 ergibt sich in der Häufigkeitsverteilung der Assets folgende Rangliste unter 121 analysierten Portfolios weltweit verteilter Family Offices:

 

  1. Aktien (32 Prozent)
  2. Anleihen & Private-Equity-Beteiligungen (je 18 Prozent)
  3. Immobilien (13 Prozent)
  4. Barvermögen (10 Prozent)
  5. Hedge-Fonds (6 Prozent)
  6. Gold und Edelmetalle (2 Prozent)
  7. Rohstoffe & Kunst/Antiquitäten (je 1 Prozent)

 

Wie auch bei privaten Einzelanlegern der Fall, haben Family Offices die Corona-Krise offensichtlich für vermehrte Aktien-Investments genutzt: Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist deren Anteil in diesem UBS-Ranking noch einmal um 3 Prozent gestiegen. Mit ihrer hohen Diversifikationsrate sind Family Offices generell gut durch diese Krise gekommen. Unter den Aktieninvestments der Unternehmerfamilien finden sich zunehmend grüne Aktien von ökologisch-orientierten Firmen.

Im Rahmen der Private-Equity-Beteiligungen setzen Family Offices gerne auf Start-ups in jenen Bereichen, in der die jeweilige Unternehmerfamilie selbst tätig war oder ist. Auch die Bedeutung dieser Asset-Klasse hat im Portfolio gegenüber 2019 noch einmal um 2 Prozent zugenommen. In Sachen Immobilien gibt es nur ein leichtes Plus von einem Prozent. Hier haben es Family Offices immer mehr auf alternative und private Bauobjekte abgesehen, die aufgrund ihrer attraktiven Lage zu einer stabilen Wertigkeit beitragen. Büro-Immobilien dagegen stehen bei vielen Unternehmerfamilien inzwischen nicht mehr so hoch im Kurs wie einst.

 

Generationenfrage für professionelle Anlage klären

Zurück zum Verhältnis zwischen Old- und New Money in Bezug auf Family Offices. Die Kardinalfrage, die Familienunternehmer hierfür geklärt haben müssen, ist jene nach dem längerfristigen Verbleib ihres Vermögens: Verkauft die ältere Generation Anteile am Unternehmen, überträgt es das Kapital in eine Stiftung oder gibt es die Vermögenswerte an die nächste Generation weiter? Soll die letzte Variante zum Zug kommen und haben zudem mehrere Familienmitglieder einen Anspruch auf das Old Money, erleichtert ein Family Office die entsprechende Verwaltung deutlich. Dies ist schon alleine deshalb nicht zu unterschätzen, weil Experten dann auch alle Formalitäten rund um die Erbschaftsteuer bei Betriebsvermögen übernehmen. Schließlich gelten seit 2016 hierfür nur noch beschränkte Schonungsregelungen.

Haben nun die Angehörigen der nachfolgenden Generation, die das Betriebsvermögen erben soll, ihrerseits ein anderes Business gestartet oder existieren sogar mehrere neue Unternehmen auf dieser Ebene? Dann spricht nichts dagegen, auch das dahinterstehende New Money in dasselbe Family Office zu integrieren. So entsteht eine Art Anlegerverbund, der durch seine breit gefächerten Kompetenzfelder die Diversifizierung des kollektiven, im Family Office gebündelten Vermögens noch weiter vorantreiben kann. Dadurch wird mitunter innerhalb der einzelnen Asset-Klassen die Varianz der Investments größer, das Verlustrisiko verteilt sich auf mehr Schultern und das Gesamtvermögen kann noch erfolgreicher gemanagt werden. Zudem rentiert sich die Einrichtung eines Single Family Offices stärker als bisher bzw. kann für Vermögen, die bislang in Multi Offices verwaltet wurden, überhaupt erst interessant werden.

 

New Money für modernere Investments

In der Praxis könnte diese Zusammenführung bedeuten, dass das Old Money der älteren Generation für die Basisabdeckung aller gängigen Anlageklassen durch konservativere Investments verwendet wird. Das New Money der jüngeren Generation könnte dann für die Ergänzung um modernere Investments zum Einsatz kommen. Während beispielsweise bei den Aktien das Old Money in Unternehmensanteile konventioneller Konzerne aus Industrieländern oder großer Indexwerte gesteckt wird, könnte das New Money andere Werte abdecken: Wertpapiere aus Schwellenländern, von aufstrebenden Unternehmen mit nachhaltiger Ausrichtung oder aus spezialisierten Indizes wie dem TecDAX . Und beinhaltet das Betriebsvermögen der älteren Generation naturgemäß schon eine Vielzahl an Bürogebäuden, ist das Kapital der Jungen doch prädestiniert, um etwa in aktuell begehrte Wohnhäuser in Randgebieten anziehender Großstädte zu investieren. Eine sinnvolle Ergänzung macht den gemeinsamen Erfolg von Alt und Jung aus, im Gesellschaftsleben wie im Investmentbereich.