21.01.2021 - 20:26 Uhr

Weniger Minderjährige bei Bundeswehr als in den letzten Jahren

Es gibt seit sieben Jahren erstmals wieder besonders wenige Minderjährige, die bei der Bundeswehr eingestellt werden.

Aus Erhebungen des Bundesverteidigungsministeriums geht demnach hervor, dass die Bundeswehr seit sieben Jahren wieder extrem wenige Minderjährige einstellt. Dies berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung. So wurden nach dem Blatt 2020 1.148 Soldaten in die Bundeswehr aufgenommen, die zum Zeitpunkt ihres Diensteintritts die Volljährigkeit noch nicht erreicht hatten.

Vergleicht man diese Zahl mit dem vorangegangenen Jahr kann man einen Rückgang feststellen, der fast ein Drittel ausmacht und damit von den Zahlen an das Niveau des Jahres 2013 heranreicht. Damals gab es an minderjährigen Rekruten 1.146 Kandidaten.

Volljährig wurden nach Auskunft der Zeitung über die Hälfte der noch 17-jährigen Soldaten im Dienst im fünften Monat. Nahezu 80 % der eingestellten 17-Jährigen waren demnach Männer. An jungen Männern hat der Anteil von Minderjährigen unter den Rekruten um 1,5 % abgenommen. Dieser Rückgang hat schon 2018 begonnen und sich weiterhin fortgesetzt, beziehungsweise sogar beschleunigt.

In Zahlen liest sich das folgendermaßen: 2017 waren immerhin 2.126 Rekruten 17 Jahre alt bei Eintritt in die Bundeswehr. 2018 waren es dann 1.679, um 2019 sogar auf 1.705 zurückzugehen. In den davor liegenden Jahren war die Anzahl beständig nach oben gegangen. Und zwar seit 2013. Einen Grund für die rückläufigen Zahlen hat das Verteidigungsministerium bisher nicht genannt.

Möglicherweise hängt der Rückgang damit zusammen, dass auch die Anzahl der neuen Rekruten im Pandemie-Jahr 2020 dramatisch zurückgegangen ist. In Zahlen waren das 18 % auf 16.442. Noch höher war der Rückgang bei den 17-Jährigen Rekruten. Hier war ein Minus zu verzeichnen von nahezu 33 %. Dieser Trend scheint sich damit zu erklären, dass generell die Anziehungskraft der Bundeswehr schwächer geworden ist. Außerdem konkurriert die Bundeswehr immer zu angesagten Arbeitgebern mit einem Profil, das von den Anforderungen her ähnlich ist wie etwa der Zoll oder die Bundespolizei.

Ferner geht man davon aus, dass auch die kritischen Stimmen in der Vergangenheit ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen haben und Wirkung zeigen. Eine Sprecherin des Ministeriums äußerte sich gegenüber der Osnabrücker Zeitung mit den Worten, eine zielgerichtete Rekrutierung in diesem Alterssegment gebe es von Seiten der Bundeswehr nicht.

Schon viele Jahre lang wird Kritik an der Einstellung von Minderjährigen bei der Bundeswehr geübt. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen und Fachmann für Verteidigung, Matthias Höhn, sagte der Zeitung, überhaupt gehörten Minderjährige nicht in die Bundeswehr aufgenommen. Mann stecke Millionen Euro in Werbung, um die Arbeit an Waffen bei der Bundeswehr als cool zu verkaufen und als ein Abenteuer darzustellen. Klar sei aber, dass diese Kampagnen kaum etwas mit dem wirklichen Leben von Soldatinnen und Soldaten zu tun hätten.

So schnell als möglich will das Bündnis "Unter 18 nie!" die noch gängige Praxis bei der Rekrutierung von Minderjährigen beendet wissen. Sarah Gräber, seine Sprecherin, sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung, man gebe kein gutes Vorbild international ab. Afghanistan und Somalia würden ihre Kindersoldaten mit jungen Rekruten in Deutschland begründen. Die GEW, das Hilfswerk Terre des Hommes und Pax Christi gehören unter anderm der Initiative an.

 

Redaktion ad-hoc-news.de, A & Omega