Migrationsberatung: AWO warnt vor 630 Stellen weniger

heute 07:41 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Die geplanten Kürzungen im Bundeshaushalt 2027 gefährden nach Berechnungen der AWO bis zu 630 Stellen bei Wohlfahrtsverbänden. Besonders stark betroffen wäre die eigene Migrationssozialarbeit des Verbands.

Bundesagentur für Arbeit (Archiv)
Bundesagentur für Arbeit (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

AWO und Haushaltsentwurf 2027Bei der AWO sind 112 von 466 Stellen in der bundesgeförderten Migrationssozialarbeit gefährdet.Verbandsübergreifend droht ein Abbau von 27 Prozent der entsprechenden Stellen gegenüber 2026.Die behördenunabhängige Asylverfahrensberatung soll von 24,5 Millionen Euro auf fünf Millionen Euro sinken.Die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen bei der Migrations- und Asylberatung könnten den Wohlfahrtsverbänden im kommenden Jahr bis zu 630 Arbeitsplätze kosten.

Das geht aus Berechnungen der Arbeiterwohlfahrt hervor, über die die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet.Besonders viele AWO-Stellen betroffenBei der AWO stehen demnach 112 von 466 Stellen in der vom Bund geförderten Migrationssozialarbeit zur Disposition. Das entspricht fast jedem vierten Arbeitsplatz in diesem Bereich.Über alle Wohlfahrtsverbände hinweg könnte die Zahl der entsprechenden Stellen gegenüber 2026 um 27 Prozent zurückgehen, falls Eigen- oder Drittmittel die Ausfälle im Jahr 2027 nicht ausgleichen.

Mit dem Personalabbau wären auch Einschränkungen bei den Beratungsangeboten verbunden.Groß warnt vor Folgen für KommunenAWO-Chef Michael Groß bezeichnete die vorgesehenen Kürzungen als kurzsichtig. Die Migrationssozialarbeit sei für den Wirtschaftsstandort Deutschland zentral, weil sie Menschen für den Arbeitsmarkt qualifiziere, den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärke und soziale Netze bilde.Nach Angaben der AWO rentiert sich einer Studie zufolge jeder in die Migrationssozialarbeit investierte Euro um das 25-Fache. Groß warnte deshalb, die Einsparungen würden nicht zu einer tatsächlichen Entlastung führen, sondern Kosten in Richtung Kommunen und Behörden verlagern.Asylberatung soll deutlich weniger Geld erhaltenIm Mittelpunkt der Kritik steht der Entwurf für den Bundeshaushalt 2027. Für die behördenunabhängige Asylverfahrensberatung sind darin künftig fünf Millionen Euro vorgesehen, nach 24,5 Millionen Euro im laufenden Jahr.Auch die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte soll weniger Geld erhalten.

Vorgesehen ist eine Kürzung um vier Millionen Euro gegenüber 2026.Bundestag entscheidet voraussichtlich Ende NovemberVor dem Hintergrund rechtsextremer Wahlerfolge sieht Groß die Bundesregierung in der Pflicht, die Migrationssozialarbeit als Teil kommunaler Unterstützungsstrukturen zu stärken.

Über den Bundeshaushalt 2027 entscheidet der Bundestag voraussichtlich Ende November.
Die geplanten Kürzungen betreffen zwei unterschiedliche, aber miteinander verbundene Beratungsbereiche. Die behördenunabhängige Asylverfahrensberatung soll nach dem Haushaltsentwurf 2027 von 24,5 Millionen Euro auf fünf Millionen Euro sinken.

Bei der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte sind vier Millionen Euro weniger als im laufenden Jahr vorgesehen.

### Auswirkungen auf die Beratung

Die AWO rechnet damit, dass der Bund allein bei ihr 112 von 466 Stellen in der geförderten Migrationssozialarbeit nicht mehr finanzieren könnte. Verbandsübergreifend stünde damit ein erheblicher Teil der bisherigen Kapazitäten zur Disposition. Für Ratsuchende kann das längere Wege, weniger Termine und eine stärkere Belastung kommunaler Stellen bedeuten.

Die Debatte berührt damit nicht nur die Finanzierung von Wohlfahrtsverbänden, sondern auch die Verteilung staatlicher Aufgaben.

Beratungsangebote unterstützen Zugewanderte unter anderem bei Verfahren, Behördenkontakten und beim Zugang zu Ausbildung und Beschäftigung.

Fallen diese Strukturen weg, können Kosten und Arbeitsaufwand auf Kommunen, Ausländerbehörden und Sozialverwaltungen verlagert werden.

### Haushaltsentscheidung im November

Ob die vorgesehenen Ansätze unverändert bleiben, entscheidet der Bundestag voraussichtlich Ende November. Bis dahin dürfte insbesondere die Frage im Mittelpunkt stehen, ob Länder, Kommunen oder Träger die Finanzierungslücke teilweise mit eigenen Mitteln schließen können.

Die von der AWO genannte mögliche Arbeitsplatzwirkung macht zugleich deutlich, dass Haushaltskürzungen bei Beratungsprogrammen unmittelbar in der sozialen Infrastruktur ankommen.

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