Meyer prüft nach Drohnenvorfall Sicherheitsrisiken bei Rosatom-Projekt
vor 34 Minuten, dts-nachrichtenagentur.de
Nach Drohnenvorfällen am Flughafen Leipzig/Halle lässt Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer die Sicherheitsbewertung der umstrittenen Atomkooperation der Brennelementefabrik Lingen mit dem russischen Konzern Rosatom erneut von der Bundesregierung prüfen. Die Antwort aus Berlin entscheidet mit darüber, ob ein Antrag auf sofortigen Vollzug der Brennstab-Produktion genehmigt werden muss.
via dts Nachrichtenagentur
Nach den Drohnenvorfällen am Flughafen Leipzig/Halle stellt Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) die bisherige Einschätzung der Bundesregierung zur russischen Atom-Kooperation der Brennelementefabrik im emsländischen Lingen erneut zur Prüfung. In einem Brief fragte Meyer beim Kanzleramt, beim Auswärtigen Amt und beim Bundesinnenministerium nach, ob weiterhin keine Sicherheitsbedenken gegen das Vorhaben der Brennelementefabrik Advanced Nuclear Fuels (ANF) bestehen.Meyer bittet Bundesministerien um neue BewertungMeyer verwies darauf, dass er die Bundesbehörden nochmals gefragt habe, ob sich die Sicherheitsbewertung für das Vorhaben bei ANF durch die Drohnenvorfälle am Leipziger Flughafen aus Sicht der Bundesregierung geändert habe. Das Schreiben ging neben Kanzleramt, Außen- und Innenministerium auch zur Kenntnis an das Bundesumweltministerium. Der Minister bat nach eigenen Angaben um eine „schnellstmögliche“ Rückmeldung der drei Ressorts.Antwort aus Berlin steht noch ausNach Angaben Meyers liegt dem niedersächsischen Umweltministerium bislang keine Antwort der Bundesregierung auf die erneute Anfrage vor. Damit bleibt zunächst offen, ob die bisherigen Bewertungen ohne zusätzliche Sicherheitsbedenken Bestand haben oder ob Bund und Länder aufgrund der Vorfälle am Flughafen Leipzig/Halle neu nachjustieren.Genehmigung für Brennstäbe sowjetischer Bauart bereits erteiltFür den Bau von Brennstäben sowjetischer Bauart in Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosatom liegt der Brennelementefabrik ANF in Lingen bereits eine Genehmigung vor. Noch darf die Produktion jedoch nicht anlaufen.
Meyer betonte, dass ANF bislang keine Brennstäbe auf Grundlage dieser Genehmigung herstellt.BUND-Klage und Antrag auf sofortigen VollzugUm den Ausgang einer Klage der Umweltschutzorganisation BUND gegen das Vorhaben nicht abwarten zu müssen, hat ANF beim niedersächsischen Landesumweltministerium einen Antrag auf sofortigen Vollzug gestellt. Damit würde die Brennstab-Produktion bereits vor einer gerichtlichen Entscheidung beginnen können.
Meyer erklärte, dass er den Antrag bewilligen müsse, falls die zuständigen Bundesministerien weiterhin keine Sicherheitsbedenken gegen die russische Atom-Kooperation in Lingen anmelden.
Der Vorstoß von Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer berührt mehrere sicherheits- und energiepolitische Ebenen zugleich. Im Zentrum steht die Frage, ob die jüngsten Drohnenvorfälle am Flughafen Leipzig/Halle Rückwirkungen auf die Bewertung deutsch-russischer Kooperationen im Atomsektor haben sollen.
Dabei geht es nicht um die allgemeine Diskussion über den Atomausstieg, sondern konkret um Sicherheits- und Zulassungsfragen für eine bestehende Brennelementeproduktion.Hintergrund: Lingen, Rosatom und deutsche AtompolitikDie Brennelementefabrik in Lingen gilt seit Jahren als Sonderfall der deutschen Energiepolitik, weil sie trotz des Atomausstiegs weiterhin Brennstäbe für ausländische Kernkraftwerke liefert. Die erteilte Genehmigung für Brennstäbe sowjetischer Bauart in Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosatom fügt der seit 2022 intensiv geführten Debatte über wirtschaftliche Verflechtungen mit Russland eine zusätzliche sicherheitspolitische Dimension hinzu. Parallel dazu versucht der BUND, das Vorhaben juristisch zu stoppen, was die Entscheidungslage für das Land weiter verkompliziert.Bedeutung: Sicherheit, Außenpolitik und RechtslageMit seinem Schreiben an Kanzleramt sowie Außen- und Innenministerium will Meyer klären lassen, ob die bisherige Einschätzung – keine Sicherheitsbedenken gegen die Kooperation – auch unter dem Eindruck neuer Bedrohungsszenarien im Luftverkehr Bestand hat. Gleichzeitig verweist er auf die rechtlich bindende Wirkung einer fehlenden Sicherheitswarnung: Bleiben die Bundesbehörden bei ihrer Linie, sieht sich der Minister faktisch verpflichtet, den Antrag auf sofortigen Vollzug zu genehmigen, obwohl eine Klage des BUND noch anhängig ist. Für Leserinnen und Leser zeigt sich hier, wie eng Sicherheitsfragen, außenpolitische Erwägungen gegenüber Russland und verwaltungsrechtliche Zwänge miteinander verknüpft sind.Ausblick: Entscheidung mit SignalwirkungDie ausstehende Antwort der Bundesregierung hat Signalwirkung über Lingen hinaus. Sie dürfte den weiteren Umgang mit bestehenden Russland-Kooperationen im nuklearen Bereich beeinflussen und könnte als Präzedenzfall dienen, wie Bund und Länder künftig mit sicherheitspolitischen Risiken umgehen, die nicht direkt aus dem Anlagenbetrieb, sondern aus der allgemeinen Bedrohungslage resultieren.
Zugleich bleibt offen, wie das Verwaltungsgericht im Verfahren des BUND entscheidet – und ob politische Mehrheiten langfristig eine grundsätzliche Neuausrichtung beim Export atomarer Brennelemente anstreben.