Mercedes-Werk Ludwigsfelde: KNDS verschiebt möglichen Kauf

heute 06:15 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Der geplante Übergang der Van-Fabrik an den Rüstungskonzern KNDS hängt an einem noch ausstehenden Großauftrag der Bundeswehr. Für die rund 1.800 Beschäftigten wächst damit der Druck, während Mercedes nach einer zukunftsfähigen Lösung für den Standort sucht.

Mercedes-Stern (Archiv)
Mercedes-Stern (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Der mögliche Verkauf des Mercedes-Werks in Ludwigsfelde an den Rüstungskonzern KNDS verzögert sich und könnte sogar scheitern. Grund ist eine milliardenschwere Bestellung von Panzerfahrzeugen, die in der Bundeswehrplanung unter dem Namen „Arminius“ geführt wird und bislang noch nicht erfolgt ist.Deal hängt an Bundeswehr-AuftragNach Informationen des „Handelsblatts“ sind sich Mercedes und KNDS inhaltlich weitgehend einig. Mercedes will sich von seiner Van-Fabrik nahe Berlin trennen, während der deutsch-französische Panzerbauer Interesse an einer Übernahme oder zumindest an Teilen der Produktionskapazitäten hat.KNDS macht den möglichen Deal jedoch von der Großbestellung abhängig. Die Entscheidung war ursprünglich für Anfang 2026 erwartet worden; auch die Zahl der Fahrzeuge steht weiterhin nicht fest.Unsicherheit für 1.800 BeschäftigteBleiben die Aufträge hinter den Erwartungen zurück, könnte KNDS weniger Panzer bauen und die zusätzlichen Kapazitäten in Ludwigsfelde nicht benötigen.

Damit wäre der Kauf des Werks infrage gestellt.KNDS erklärte, die Industrie habe ein Angebot für „Arminius“ abgegeben, um den erforderlichen Fähigkeitsbedarf der Bundeswehr bestmöglich abzudecken.

Derzeit liefen konstruktive Gespräche mit dem Kunden, der über Zeitpläne und die Vergabe entscheide.Mercedes sucht zukunftsfähige LösungEine Sprecherin von Mercedes teilte mit, Ziel sei eine zukunftsfähige Lösung für Ludwigsfelde. Die Interessen der rund 1.800 Beschäftigten sollten dabei bestmöglich berücksichtigt werden.Für Mercedes drängt die Zeit: Sollte KNDS das Werk mangels Aufträgen nicht kaufen, müsste der Autobauer eine Alternative suchen oder den Standort im schlimmsten Fall abwickeln. Intern gilt ein Verkauf als beste Lösung, weil damit die meisten Arbeitsplätze erhalten werden könnten.Bereits Ende Mai war über Überlegungen von Mercedes zu einem Verkauf des Werks und über das Interesse von KNDS berichtet worden.
Der mögliche Verkauf des Mercedes-Werks in Ludwigsfelde steht im Spannungsfeld zwischen dem Umbau der deutschen Autoindustrie und dem wachsenden Bedarf an militärischer Produktion. Für Mercedes ist die Van-Fabrik nahe Berlin strategisch weniger attraktiv, wenn die Auslastung und die wirtschaftlichen Perspektiven hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Ein Verkauf an KNDS könnte deshalb eine industrielle Anschlusslösung schaffen und zugleich einen Teil der Arbeitsplätze sichern.Für KNDS hängt der wirtschaftliche Nutzen der Übernahme jedoch von konkreten Bundeswehr-Aufträgen ab. Das Projekt „Arminius“ ist dabei entscheidend, weil eine größere Bestellung die benötigten Produktionskapazitäten und damit auch den möglichen Einsatz des Ludwigsfelder Standorts begründen würde. Ohne eine ausreichende Stückzahl wäre eine zusätzliche Fabrik oder die Nutzung weiterer Kapazitäten wirtschaftlich schwerer zu rechtfertigen.Folgen für Standort und BeschäftigteFür die rund 1.800 Beschäftigten erhöht die Verzögerung den Entscheidungsdruck. Ein Verkauf könnte die industrielle Nutzung des Werks fortsetzen, während Mercedes bei einem Scheitern des Deals eine andere Lösung für den Standort finden müsste. Die weitere Entwicklung hängt damit nicht nur von den Gesprächen zwischen Mercedes und KNDS ab, sondern auch vom Zeitplan und Umfang der Bundeswehr-Beschaffung.

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