Linnemann erleichtert Zuzug ausländischer Ärzte und Apotheker
03.09.26 13:00 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann will mit einer neuen Verordnung die Anerkennung ausländischer Abschlüsse in Heilberufen vereinheitlichen und deutlich beschleunigen. Ziel ist es, mehr internationale Fachkräfte für das deutsche Gesundheitssystem zu gewinnen und Versorgungslücken zu schließen.
via dts Nachrichtenagentur
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will die Aufnahme ausländischer Ärzte und Apotheker in Deutschland deutlich beschleunigen.
Eine entsprechende Verordnung seines Ministeriums soll im November in Kraft treten und die Verfahren zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse vereinfachen.Linnemann setzt auf weniger Bürokratie„Wer Fachkräfte für das Gesundheitssystem gewinnen will, darf sie nicht durch Bürokratie ausbremsen“, sagte Linnemann dem Magazin „Spiegel“. Geplant ist, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse für Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Hebammen zu vereinfachen und bundeseinheitliche Vorgaben zu schaffen.Behörden sollen künftig Dokumente in englischer Sprache akzeptieren, zudem sollen die Verfahren weitgehend digital laufen.
Nach Linnemanns Worten sollen davon sowohl die Fachkräfte als auch das Gesundheitssystem und insbesondere die Patienten profitieren.Prognosen zum ÄrztemangelDas Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung geht davon aus, dass in Deutschland bis zum Jahr 2040 rund 50.000 Ärzte fehlen werden, vor allem in ländlichen Regionen.
Eine Umfrage der DAK Gesundheit zeigt, dass mehr als ein Drittel der Bevölkerung bereits jetzt einen Ärztemangel in ihrer Region wahrnimmt.Neue Chancen für ausländische AuszubildendeKünftig sollen Personen, die eine Ausbildung zum Arzt oder Apotheker im Ausland begonnen haben, diese in Ausnahmefällen in Deutschland fortsetzen und abschließen können.
Damit wird es etwa Fachkräften aus der Ukraine erleichtert, eine Zulassung im deutschen Gesundheitswesen zu erhalten.Verordnung ergänzt bestehendes GesetzDie geplante Verordnung ergänzt ein bereits beschlossenes Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen in Heilberufen.
Der Bundesrat soll sich am 16. Oktober mit der Verordnung befassen, bevor sie zwei Wochen später in Kraft treten soll.
Der Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann zielt auf ein strukturelles Problem des deutschen Gesundheitssystems: Der Fachkräftemangel in Medizinberufen trifft viele Regionen bereits heute spürbar und dürfte sich nach Prognosen weiter verschärfen.
Besonders die ambulante Versorgung in ländlichen Gebieten steht unter Druck, weil dort viele Praxen keine Nachfolger finden und zugleich die Bevölkerung altert.Der geplante Schritt, Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsabschlüsse zu vereinfachen und zu digitalisieren, adressiert vor allem die lange Dauer und hohe Komplexität bisheriger Verfahren.
Einheitliche Vorgaben und die Akzeptanz englischsprachiger Dokumente können die Bearbeitungszeiten senken und die Attraktivität Deutschlands für qualifizierte Fachkräfte erhöhen.
Zugleich bleibt die fachliche Prüfung der Qualifikation Voraussetzung, sodass die Qualität der Versorgung rechtlich gesichert bleibt.Hintergrund und politische DimensionBereits zuvor war ein Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen in Heilberufen beschlossen worden.
Die nun angekündigte Verordnung soll diesen Rechtsrahmen konkretisieren und für die praktische Umsetzung sorgen.
Politisch fügt sich der Schritt in Linnemanns breiter angelegte gesundheitspolitische Agenda ein, die neben dem Fachkräftethema auch Strukturreformen im Kassensystem in den Blick nimmt.Bedeutung für Patienten und FachkräfteFür Patientinnen und Patienten könnte eine beschleunigte Anerkennung dazu beitragen, Wartezeiten zu verkürzen und Praxisschließungen in unterversorgten Regionen entgegenzuwirken.
Für ausländische Ärztinnen, Ärzte und andere Heilberufler eröffnet sich leichterer Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt; insbesondere Fachkräfte aus Krisenregionen wie der Ukraine erhalten eine Perspektive, ihre begonnenen Ausbildungen fortzusetzen und abzuschließen. Ob die Verordnung den prognostizierten Mangel von zehntausenden Ärzten bis 2040 spürbar verringern kann, wird allerdings von weiteren Faktoren wie Ausbildungszahlen, Arbeitsbedingungen und regionaler Steuerung abhängen.