Kretschmer wirft Volkswagen „schwerfälliges Kombinat“ vor und fordert Kurswechsel

02.09.26 17:12 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer wirft Volkswagen mangelnde Beweglichkeit vor und fordert angesichts der Unsicherheit um das Werk Zwickau mehr wirtschaftliche Logik bei der Vergabe von Modellen. Zugleich drängt er auf einen bundesweiten „Pakt für Deutschland“ und eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Volkswagen (Archiv)
Volkswagen (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat Volkswagen vor dem Hintergrund der Unsicherheit um das Werk Zwickau scharf kritisiert. Der CDU-Politiker bezeichnete den Konzern als „schwerfälliges Kombinat“ und forderte, Volkswagen müsse wieder zu einem international wettbewerbsfähigen Unternehmen werden.Forderung nach mehr Kostenorientierung im KonzernKretschmer drängt darauf, dass bei der Vergabe von Modellen und Aufträgen innerhalb des Konzerns künftig stärker die Produktionskosten berücksichtigt werden.

Künftige Entscheidungen müssten sich an wirtschaftlicher Logik orientieren, sagte er. Es sei aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar, wenn ein Modell in einem anderen deutschen Werk günstiger produziert werden könne, die Fertigung aber an einem teureren Standort erfolge.Als Beispiel nannte der Regierungschef die Verlagerung des Modells ID.4 vom Werk Zwickau in das teurere Werk im niedersächsischen Emden.

Solche Entscheidungen verstärkten die Unsicherheit an Standorten wie Zwickau, an denen Beschäftigte bereits um ihre Zukunft bangen.

Kretschmer sieht den Konzern daher in der Pflicht, seine internen Strukturen und Standortentscheidungen neu zu justieren.Zwickau soll Automobilstandort bleibenFür das VW-Werk Zwickau sprach sich Kretschmer ausdrücklich gegen eine Umnutzung, etwa durch einen Rüstungshersteller, aus. Er betonte, dass dort weiterhin Autos gebaut werden sollen.

Damit setzt der Ministerpräsident ein klares Signal für den Erhalt der bisherigen industriellen Ausrichtung des Standorts.Zwickau ist einer der wichtigsten Industriestandorte in Sachsen, und das Volkswagen-Werk gilt als zentraler Arbeitgeber der Region. Kretschmers Positionierung zielt darauf ab, Vertrauen in die Zukunft des Werkes zu stärken und zugleich Druck auf Konzernführung und übrige politische Akteure aufzubauen, sich zu klaren Perspektiven für den Standort zu bekennen.Warnung vor „Wirtschaftskrieg“ und Ruf nach PaktVolkswagen sei ein Symbol für die wirtschaftliche Lage Deutschlands, sagte Kretschmer. Er sprach von einem „Wirtschaftskrieg“ mit den USA und China, in dem Deutschland wirtschaftlich „nach hinten durchgereicht“ werde. Dennoch gebe es seiner Ansicht nach keinen spürbaren Ruck im Land, um gegenzusteuern.Vor diesem Hintergrund fordert der Regierungschef einen „Pakt für Deutschland“. Sachsen sei bereit, gemeinsam mit Arbeitgebern und Gewerkschaften ein parteiübergreifendes Bündnis zu schmieden.

Jeder müsse etwas beitragen und im Gegenzug mehr Sicherheit erhalten, so Kretschmer. Er verbindet damit den Anspruch, wirtschaftspolitische Weichenstellungen mit sozialer Absicherung zu verknüpfen.Rückkehr zur 40-Stunden-Woche gefordertIn diesem Zusammenhang bekräftigte Kretschmer seine Forderung nach einer Rückkehr zur 40-Stunden-Woche. In einer Zeit des von ihm beschriebenen Wirtschaftskriegs wolle er „den Angriff wagen“, sagte der CDU-Politiker. In den kommenden Jahren müsse nach seiner Vorstellung bei gleichem Einkommen mehr gearbeitet werden, um Arbeitsplätze zu sichern.Kretschmer verknüpft die Ausweitung der Arbeitszeit mit der Perspektive, industrielle Arbeitsplätze in Deutschland langfristig zu erhalten.

Damit stellt er die Debatte um Arbeitszeit, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit in einen größeren Zusammenhang, der über den Konflikt um das Werk Zwickau hinausweist.
Die Kritik von Michael Kretschmer an Volkswagen fällt in eine Phase, in der der Konzern ein umfangreiches Spar- und Umbauprogramm vorbereitet. In mehreren Standorten, darunter Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm, sind die Produktionsperspektiven für die 2030er Jahre noch nicht abschließend geklärt, was Beschäftigte und Politik gleichermaßen unter Druck setzt. Kretschmers Wortwahl vom „schwerfälligen Kombinat“ zielt auf Strukturen, die aus seiner Sicht aufgebrochen werden müssen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.Hintergrund: VW im Umbau und Werk Zwickau unter DruckDas Werk Zwickau gilt nach bisherigen Einschätzungen als eines der effizienteren Standorte des Konzerns, ist aber dennoch von möglichen Umstrukturierungen betroffen.

Diskussionen um die Verlagerung von Modellen wie dem ID.4 verdeutlichen, wie stark Entscheidungen im Konzernverbund die Auslastung einzelner Werke beeinflussen.

Vor diesem Hintergrund richtet Kretschmer seinen Appell an die VW-Führung, wirtschaftliche Kriterien bei der Modellvergabe stärker zu gewichten, um kostenintensive Parallelstrukturen zu vermeiden und bestehende Werke auszulasten.Arbeitszeit, Wettbewerbsfähigkeit und StandortpolitikMit der Forderung nach einer Rückkehr zur 40-Stunden-Woche knüpft Kretschmer an die Debatte über Standortkosten und Wettbewerbsfähigkeit an. Seine Argumentation, bei gleichem Einkommen mehr zu arbeiten, spiegelt die Sorge wider, dass hohe Lohn- und Energiekosten sowie regulatorische Vorgaben die deutsche Autoindustrie gegenüber Standorten in den USA und China benachteiligen könnten.

Zugleich betont er, dass ein „Pakt“ zwischen Politik, Arbeitgebern und Gewerkschaften nötig sei, um Arbeitsplätze zu sichern und Planungssicherheit für Unternehmen und Beschäftigte zu schaffen.Bedeutung für Sachsen und die AutoindustrieFür Sachsen hat die Zukunft des VW-Werks Zwickau erhebliche wirtschaftliche Bedeutung, da der Standort zu den wichtigsten industriellen Arbeitgebern der Region gehört. Kretschmers klare Absage an eine Umnutzung durch Rüstungshersteller signalisiert den politischen Willen, den Automobilbau als Kernkompetenz des Werkes zu erhalten.

National fügt sich seine Warnung vor einem „Wirtschaftskrieg“ in eine breitere Diskussion darüber ein, wie Deutschland seine Industriepolitik ausrichten muss, um in einer global angespannten Wettbewerbslage Industriearbeitsplätze, Wertschöpfung und technologische Führungspositionen zu sichern.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragenn-tv: „Kretschmer bringt längere Arbeitszeiten bei VW ins Spiel" (31.08.2026)Der Artikel berichtet, dass Kretschmer angesichts der Lage bei Volkswagen längere Arbeitszeiten als Baustein zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ins Gespräch bringt und dabei betont, dass dies nicht mit sinkenden Löhnen einhergehen soll. Im Vergleich zur dts-Meldung legt n-tv ein besonderes Gewicht auf seine Aussagen zur Effizienz des Werks Zwickau und die Forderung nach weniger Regulierung und niedrigeren Energiekosten, bestätigt aber den Grundtenor, dass Kretschmer Beschäftigte, Unternehmen und Politik gemeinsam in der Pflicht sieht.n-tv: „Die Lage bei VW ist dramatisch - wie geht es weiter?" (31.08.2026)In diesem Beitrag ordnet n-tv die Situation bei Volkswagen insgesamt als angespannt ein und hebt hervor, dass Zehntausende Arbeitsplätze sowie mehrere Werke auf dem Prüfstand stehen.

Während die dts-Meldung vor allem Kretschmers Kritik und Forderungen wiedergibt, betont der Beitrag stärker die Sicht des Konzernmanagements und die Sorgen der Belegschaft und zeigt damit die Spannbreite zwischen politischem Druck, wirtschaftlichen Zwängen und Arbeitsplatzsicherung.Insgesamt bestätigen die Beiträge die Grundlinien der dts-Meldung: Volkswagen steht unter erheblichem Anpassungsdruck, die Zukunft einzelner Standorte ist offen, und Politik und Gewerkschaften ringen mit dem Konzern um Wege, Kosten zu senken und zugleich Arbeitsplätze zu erhalten.

Unterschiede zeigen sich vor allem in der Gewichtung der Perspektiven von Management, Beschäftigten und Landespolitik.

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