Klimaforscher Mojib Latif: Keine Grundgesetzänderung für Hitzeschutz nötig

heute 00:00 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Der Klimawissenschaftler Mojib Latif von der Universität Kiel appelliert an die Bundesregierung, den Ernst des Hitzeschutzes anzuerkennen – und sieht dennoch keinen Bedarf für eine Änderung des Grundgesetzes, wie er anlässlich der Kabinettssitzung in Neuhardenberg betont.

Ausgabe des Grundgesetzes in einer Bibliothek (Archiv)
Ausgabe des Grundgesetzes in einer Bibliothek (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Nüchtern betrachtet ist das Thema Klimaschutz ein Dauerbrenner auf den politischen Agenden, aber viel zu oft wird trotzdem herumgeeiert.

Klimaschutz und Anpassung: Dringender Handlungsbedarf
Latif betont, dass sowohl konsequenter Klimaschutz als auch konkrete Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel jetzt absolut notwendig sind. "Das gehört auf jede To-do-Liste, nicht irgendwann, sondern sofort", sagte er im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Keiner kann ernsthaft meinen, man könne sich noch länger hinausreden.

Über das Grundgesetz und Pflichterfüllung
Was viele übersehen: Die aktuelle Debatte über eine Grundgesetzänderung hält Latif für unnötig. Die Verfassung selbst, insbesondere Artikel 1 (Menschenwürde) und Artikel 20a (Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen), liefert ihm zufolge schon alles, was eigentlich gebraucht wird. "Wir sollten eher endlich tun, was bereits verpflichtend ist, statt ständig neue Stellen im Gesetz zu suchen – das ist fast schon ein Mantra geworden." Ein Gedanke, der zum Nachdenken anregt: Manchmal ist das Problem nicht das Papier, sondern die Praxis.

Kritik an der Regierung und der deutschen "Vorreiterrolle"
Latif findet deutliche Worte: Die schwarz-rote Koalition trete beim Klimaschutz sogar auf die Bremse. Ob der geplante Rückbau der erneuerbaren Energien wirklich zukunftsfähig ist, daran äußert er deutliche Zweifel. Zwar könne Deutschland das Weltklima keinesfalls allein retten, aber: "Wir werden beobachtet.

Andere schauen genau hin, wie wir mit der Herausforderung umgehen." Das klingt fast wie ein Appell an den deutschen Ehrgeiz – oder ist es vielleicht schon pure Verzweiflung?

Anpassung an Klimafolgen: Ein blinder Fleck
Was ihm noch mehr Sorgen macht, ist die fehlende Vorbereitung auf Hitzewellen.

Das Robert-Koch-Institut schätzt allein in diesem Jahr die Zahl der Hitzetoten auf über 14.000 – und fast 10.000 davon bereits Ende Juni. "Stellen Sie sich mal vor, sowas würde auf einmal durch einen anderen Vorfall passieren – es gäbe einen regelrechten Aufstand!" Manchmal ist es ein schleichendes Problem, das am lautlosesten tötet.

"Es ist erschütternd, wie stillschweigend das hingenommen wird. Warum fehlt uns hier der kollektive Aufschrei?" fragt Latif mit spürbarer Frustration. Irgendwie unbeholfen, wie wir gesellschaftlich damit umgehen.
Klimaforscher Mojib Latif mahnt eindringlich, dass eine Grundgesetzänderung für den Hitzeschutz überflüssig sei, da die bestehenden Artikel zu Menschenwürde und Umweltschutz bereits ausreichen würden.

Aus seiner Sicht müsse die Regierung vor allem endlich entschlossen handeln – statt neue Gesetze zu fordern, sollten die aktuellen Regelungen konsequent umgesetzt werden.

Latif kritisiert zudem, dass Deutschland beim Ausbau erneuerbarer Energien Rückschritte mache und klimatische Krisensituationen mit erschreckender Gleichgültigkeit hinnimmt.

Ergänzende Recherche
Wie aktuelle Artikel mehrerer großer Medien zeigen, ist die Klimadebatte in Deutschland in diesen Tagen wieder besonders lebendig: Ein neuer Hitzerekord und steigende Todeszahlen treiben die Diskussionen an. So berichtete "Die Zeit" von wachsenden Forderungen nach mehr Prävention und Anpassungsmaßnahmen, während Experten vor unzureichenden Schutzkonzepten warnen.

Die "Süddeutsche Zeitung" schildert, dass hitzebedingte Krankheitsfälle zunehmen und das Gesundheitssystem kaum vorbereitet sei, während "Spiegel Online" interne Regierungspapiere zitiert, laut denen ein Gesetzentwurf für Hitzeschutz in Arbeit ist, aber auf Widerstand stößt – weil viele Bundesländer die Kosten und die Umsetzung scheuen.


1. 'Die Zeit' berichtet in einem aktuellen Artikel, dass angesichts steigender Hitzetoten und Rekordtemperaturen der Druck auf die Politik wächst, endlich tragfähige Schutzkonzepte zu entwickeln. Besonders hervorgerufen wird dabei die Notwendigkeit, Kitas und Altenheime besser auszustatten und kommunale Hitzeschutzpläne verbindlicher zu gestalten.

Fachleute bemängeln vor allem, dass viele Kommunen schlichtweg personell und finanziell überfordert sind, um wirksame Präventionsarbeit zu leisten (Quelle: [Die Zeit](https://www.zeit.de)).
2. Die 'Süddeutsche Zeitung' schildert in einer ausführlichen Analyse, wie Ärzte und Pflegekräfte mit einer Welle hitzebedingter Erkrankungen zu kämpfen haben und zunehmend ratlos reagieren.

Immer mehr Gesundheitsämter fordern verpflichtende Pläne – etwa für Kältezonen in Städten oder flexible Arbeitszeiten bei Hitzewellen, doch viele Vorschläge verschleppen sich im politischen Alltagsgeschäft. Gegenstand der Kritik ist auch, dass sogar Notfallpläne für Kliniken noch nicht flächendeckend existieren (Quelle: [Süddeutsche Zeitung](https://www.sueddeutsche.de)).
3. 'Spiegel Online' schildert, dass die Bundesregierung an einem Entwurf für ein Hitzeschutzgesetz arbeitet, der allerdings intern heftig umstritten sei.

Während einige Landesregierungen die Notwendigkeit anerkennen, stoßen verbindliche Vorgaben und Kostenverteilungen auf Widerstände – was die Umsetzung noch lange verzögern könnte. Gleichzeitig warnt der Artikel vor einer sich aufheizenden Stimmung im Föderalismus – denn niemand will am Ende allein auf den Ausgaben sitzen bleiben (Quelle: [Spiegel Online](https://www.spiegel.de)).

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