Kita-Betreuung: Frankreich hat soziale Lücke von 43 Punkten

22.09.26 10:27 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Eine Ifo-Auswertung von OECD-Daten zeigt große Unterschiede beim Zugang zu Betreuung für unter Dreijährige. In Deutschland ist die soziale Lücke kleiner als in Frankreich, der Schweiz, Irland und den Niederlanden, besteht aber weiterhin.

Namensschild in einer Kita (Archiv)
Namensschild in einer Kita (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Kinder aus einkommensschwachen Familien besuchen in Europa deutlich seltener eine Kindertagesstätte als Kinder aus einkommensstarken Haushalten.

Das zeigt eine Analyse des Ifo-Instituts, die OECD-Daten für europäische Länder auswertet.Am größten ist die soziale Lücke in Frankreich: Dort liegt die Betreuungsquote der unter Dreijährigen im einkommensstärksten Drittel um 43 Prozentpunkte über der Quote im einkommensschwächsten Drittel.Deutschland mit deutlich kleinerem AbstandIn der Schweiz beträgt der Unterschied 37 Prozentpunkte, in Irland 25 und in den Niederlanden 24 Prozentpunkte. Deutschland liegt mit einer Differenz von etwa acht Prozentpunkten deutlich darunter.Bei Kindern zwischen drei und fünf Jahren fallen die Unterschiede nach Angaben der Autoren deutlich kleiner aus, bestehen aber in den meisten Ländern weiterhin. Besonders gering sind sie in den nordischen sowie in mehreren mittel- und osteuropäischen Staaten.Fehlende Plätze als wichtigste HürdeIfo-Bildungsforscher Henning Hermes erklärte, viele benachteiligte Familien wünschten sich ausdrücklich eine Betreuung für ihr Kind. Sie scheiterten jedoch an fehlenden Plätzen, zu hohen Kosten und komplizierten Anmeldeverfahren.Als wichtigste Zugangshürde nennen die Autoren das fehlende Platzangebot. Dieses hänge eng mit Personalmangel und der vergleichsweise geringen Bezahlung von Erziehern zusammen.

Hinzu kämen Kosten, uneinheitliche Anmeldeverfahren und fehlende Informationen.Hohe Kosten in mehreren LändernBis zu ein Viertel der einkommensschwachen Haushalte gibt laut der Analyse an, den Betreuungsbedarf aus finanziellen Gründen nicht decken zu können. In den Niederlanden und Irland koste ein Kitaplatz Paare mehr als ein Fünftel eines durchschnittlichen Doppelverdiener-Einkommens, sagte Simon Wiederhold vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle, der als Co-Autor an dem Beitrag beteiligt ist.Dadurch blieben ausgerechnet Kinder systematisch außen vor, die besonders von früher Betreuung profitieren könnten.
Die Analyse rückt einen Zugangskonflikt in den Mittelpunkt, der über die reine Betreuungsquote hinausgeht: Entscheidend ist nicht nur, wie viele Plätze ein Land insgesamt anbietet, sondern welche Familien sie tatsächlich erreichen.

Bei Kindern unter drei Jahren fallen die Unterschiede zwischen einkommensstarken und einkommensschwachen Haushalten in mehreren europäischen Ländern besonders deutlich aus.Für Familien wirken dabei mehrere Hürden zusammen.

Fehlen Plätze, können Eltern ihren Bedarf auch dann nicht umsetzen, wenn sie eine Betreuung wünschen.

Gebühren belasten Haushalte mit geringem Einkommen stärker; zusätzlich erschweren komplizierte Anmeldewege und fehlende Informationen den Zugang. Der in der Studie genannte Zusammenhang mit Personalmangel zeigt, dass die soziale Frage eng mit der Ausstattung und Finanzierung des Betreuungssystems verbunden ist.Frühe Betreuung als Bildungs- und ArbeitsmarktfaktorDie Unterschiede sind auch deshalb relevant, weil frühe Förderung sprachliche, soziale und organisatorische Fähigkeiten unterstützen kann. Gleichzeitig beeinflusst ein Betreuungsplatz die Erwerbsmöglichkeiten der Eltern. Wenn einkommensschwache Familien häufiger keinen Platz erhalten oder ihn sich nicht leisten können, können sich Bildungs- und Einkommensunterschiede bereits vor dem Schuleintritt verfestigen.Deutschland liegt beim Abstand günstiger, aber nicht außerhalb des ProblemsDer vergleichsweise geringe Abstand in Deutschland bedeutet nicht, dass der Zugang gleichmäßig gesichert ist. Auch hier bestimmen regionale Platzknappheit, kommunale Gebührenmodelle und unterschiedliche Vergabeverfahren die tatsächlichen Chancen.

Maßnahmen gegen den Personalmangel, transparente Anmeldesysteme und eine gezielte Entlastung einkommensschwacher Haushalte betreffen daher nicht nur Familienpolitik, sondern auch Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik.

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