JD Vance plant laut Haber Präsidentschaftskandidatur 2028

heute 15:10 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Die frühere deutsche Botschafterin in Washington sieht den US-Vizepräsidenten auf dem Weg zu einer Kandidatur 2028. Zugleich hält sie seine Abgrenzung von Donald Trump wegen des Iran-Krieges für begrenzt.

JD Vance (Archiv)
JD Vance (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Vance vor möglicher Kandidatur 2028Die frühere deutsche Botschafterin in Washington, Emily Haber, rechnet damit, dass US-Vizepräsident JD Vance bei den Präsidentschaftswahlen 2028 antreten wolle. Das sei klar, sagte Haber dem „Focus“.Abgrenzung von Trump bleibt schwierigVance werde nur größte Schwierigkeiten haben, sich vom Präsidenten abzusetzen, sagte Haber. Er könne keine Distanz zur Regierung schaffen und habe nicht die Möglichkeit, das Kabinett zu verlassen, wie das etwa Außenminister Marco Rubio könnte.Iran-Krieg als Erklärung für WahlniederlageDie Demokraten haben bei den Midterms den deutlichsten Sieg seit 1974 errungen.

Vances Aussage, die Republikaner hätten wegen des Iran-Krieges verloren, wertet Haber als Versuch, die Abkehr großer Wählergruppen, die 2024 noch Trump gewählt hatten, auf eine einzige Ursache zu reduzieren.Wirtschaftliche Kritik im MittelpunktAuf den ersten Blick sehe Vances Aussage wie eine Distanzierung vom US-Präsidenten aus, sagte Haber. Wer die Niederlage ausschließlich an einem Thema festmache, wolle andere Faktoren ausblenden: die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Lage, die Inflation, die Hypothekenzinsen, die Korruption und die Selbstbereicherung.Trump will Einfluss behaltenEine echte Distanzierung sei es daher nicht, zumal Trump ihm nicht widersprochen habe. Habers Einschätzung zufolge erklärt sich Trumps Zurückhaltung gegenüber dem Wahlergebnis damit, dass er Königsmacher bleiben wolle.Trump habe ein Interesse daran, dass sich die Partei unter künftiger Führung nicht gegen ihn und seine Familie wende, sagte Haber. Deshalb sei Loyalität der entscheidende Maßstab, nicht Erfolg; Straffreiheit werde er sich zweifellos selbst zusichern.
Die Einschätzung von Emily Haber fällt in eine Phase, in der die republikanische Partei nach den Midterm-Wahlen über Kurs, Führung und die politische Bilanz der Trump-Regierung debattiert. JD Vance hat den Iran-Krieg als einen Grund für die Niederlage bezeichnet; damit stellte er einen Zusammenhang zwischen Außenpolitik und dem Wahlergebnis her. Zugleich bleibt Vance als Vizepräsident eng an die Regierung gebunden und kann seine politische Verantwortung nicht so klar abstreifen wie ein Kabinettsmitglied, das sein Amt niederlegt.Für eine mögliche Kandidatur 2028 wäre dieses Spannungsverhältnis zentral. Vance müsste einerseits die Unterstützung der Trump-Basis sichern, andererseits Wähler erreichen, die wirtschaftliche Belastungen wie Inflation, hohe Hypothekenzinsen und die allgemeine Regierungsleistung für wichtiger halten als ein einzelnes außenpolitisches Thema. Eine Erklärung, die die Wahlniederlage vor allem mit dem Iran-Krieg begründet, kann deshalb als begrenzte Abgrenzung verstanden werden, ohne bereits einen offenen Bruch mit Trump zu bedeuten.Trump bleibt MachtfaktorTrump könnte auch nach den Midterms erheblichen Einfluss auf die republikanische Nachfolgefrage behalten.

Seine Unterstützung wäre für Vance politisch wertvoll, würde zugleich aber die Frage verschärfen, ob der Vizepräsident für einen eigenen Kurs steht oder lediglich die bestehende Trump-Linie fortsetzt. Entscheidend dürfte sein, ob Vance wirtschaftliche und innenpolitische Kritik aufgreift, ohne die Loyalität zur Parteiführung vollständig aufzugeben.Der Iran-Krieg als BelastungsprobeDie politische Wirkung des Krieges hängt davon ab, ob die Wähler ihn als isoliertes Problem oder als Teil einer umfassenderen Unzufriedenheit mit der Regierung bewerten.

Für Vance entsteht damit ein schwieriger Balanceakt: Er muss Verantwortung für die Regierungspolitik tragen und zugleich ein eigenständiges Profil für die nächste Präsidentschaftswahl entwickeln.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenTagesschau: „Vance zu den Midterms: "Der Grund für unsere Niederlage ...“ (04.11.2026)Der Beitrag dokumentiert Vances Begründung, wonach der Krieg und die dadurch gestiegenen Spritpreise zur Niederlage der Republikaner beigetragen hätten.

Damit bestätigt er den außenpolitischen Bezug der aktuellen Debatte, setzt den Schwerpunkt aber stärker auf die unmittelbare Wahlkampffolge und die Energiepreise.n-tv: „Unmittelbar nach Trumps Desaster zerfleddert sich MAGA“ (05.11.2026)Der Artikel ordnet Vances Äußerungen als Teil einer beginnenden Auseinandersetzung innerhalb des Trump-Lagers ein und verweist auf eine mögliche Bewerbung für 2028. Anders als die Einschätzung Habers richtet sich der Fokus stärker auf die innerparteiliche Entwicklung nach der Wahl.Beide Beiträge verbinden Vances Erklärung mit den Folgen der Midterms und einer möglichen Neuordnung der Republikaner. Offen bleibt, ob daraus eine dauerhafte Abgrenzung von Trump oder lediglich eine taktische Akzentverschiebung entsteht.

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