IW-Chef Hüther warnt vor AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt

heute 09:35 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

IW-Direktor Michael Hüther warnt vor den Folgen eines möglichen AfD-Regierungserfolgs in Sachsen-Anhalt und verweist auf gravierende Risiken für Demokratie und Wirtschaft. Besonders kritisch sieht er die Auswirkungen einer migrationsfeindlichen Politik auf den ohnehin angespannten Arbeitsmarkt.

Wahlplakat vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (Archiv)
Wahlplakat vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, warnt vor einem möglichen Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt und den Folgen einer von ihr geführten Landesregierung.

Eine AfD-Regierung wäre nach seinen Worten „eine Belastungsprobe für die liberale Demokratie“ und würde deren „Widerstandsfähigkeit testen“.IW-Befragung unter ostdeutschen UnternehmernHüther verweist auf eine Befragung des Instituts, nach der sechs von zehn ostdeutschen Unternehmern die Demokratie in Deutschland als gefährdet ansehen.

Diese Sorge, so der IW-Chef, dürfe nicht unterschätzt werden.

Sie spiegele auch die Erwartung wider, dass politische Entwicklungen in den Ländern direkte Folgen für Investitionen und Standortsicherheit haben können.Warnung vor Signalwirkung und Folgen für ZuwanderungBesonders kritisch sieht Hüther die Signalwirkung eines starken AfD-Ergebnisses für ausländische Fachkräfte. Deutschland sei aufgrund seiner demografischen Entwicklung auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen, betont er. Wer im internationalen Wettbewerb um diese Fachkräfte bestehen wolle, dürfe keine Partei stärken, die offen die Ausweisung ausländischer Arbeitskräfte fordere.Demografische Risiken für Sachsen-AnhaltFür Sachsen-Anhalt selbst erwartet Hüther schwere wirtschaftliche Verwerfungen, sollte sich eine Zuwanderungspolitik nach Vorstellungen der AfD durchsetzen.

Wegen der ungünstigen Bevölkerungsstruktur würde die Erwerbsbevölkerung im Bundesland ohne Zuwanderung bis zum Jahr 2045 um etwa ein Viertel sinken.

Auf jeden Erwerbsfähigen käme dann mehr als eine Person, die nicht arbeitet.Hüther sieht wirtschaftliche Zukunft des Landes in GefahrAngesichts dieser Entwicklung warnt der IW-Chef vor einem Kurswechsel in der Landespolitik. Eine Zuwanderungspolitik nach AfD-Maßstäben bezeichnet er als für Sachsen-Anhalt ruinös. Wer ein Land wirtschaftlich „vor die Wand fahren“ wolle, müsse es genau so machen, sagte Hüther mit Blick auf die möglichen Folgen für Arbeitsmarkt, öffentliche Finanzen und wirtschaftliche Perspektiven des Bundeslandes.
Die Warnung von IW-Direktor Michael Hüther richtet sich vor allem auf die wirtschaftlichen und standortpolitischen Folgen eines möglichen Regierungswechsels in Sachsen-Anhalt zugunsten der AfD. Sachsen-Anhalt gehört zu den Bundesländern mit besonders starkem demografischem Wandel: Die Bevölkerung altert, viele junge Menschen sind in den vergangenen Jahrzehnten abgewandert, und die Zahl der Erwerbstätigen sinkt seit Jahren. In diesem Umfeld gilt qualifizierte Zuwanderung in Wirtschaftsstudien und Länderstrategien als zentrale Voraussetzung, um Fachkräfteengpässe zu begrenzen und öffentliche Haushalte zu stabilisieren.Demografie und StandortwettbewerbWenn Hüther darauf verweist, dass ohne Zuwanderung bis 2045 die Erwerbsbevölkerung um etwa ein Viertel schrumpfen würde, knüpft er an diese länger bekannten Trends an. Ein Rückgang der Zahl Erwerbsfähiger bedeutet in der Regel weniger Wirtschaftsleistung und höhere Belastungen für Renten-, Pflege- und Gesundheitssysteme. Für ostdeutsche Länder wie Sachsen-Anhalt, die ohnehin um Investitionen und Fachkräfte mit anderen Regionen konkurrieren, verstärkt eine ablehnende Haltung gegenüber Migration das Risiko, im Standortwettbewerb weiter zurückzufallen.Politische Signale und UnternehmensperspektiveBemerkenswert ist zudem, dass laut IW-Befragung sechs von zehn ostdeutschen Unternehmern die Demokratie gefährdet sehen.

Diese Einschätzung spiegelt nicht nur politische Sorgen, sondern auch die Furcht vor unberechenbaren Rahmenbedingungen für Investitionen.

Eine Landesregierung, die mit einer restriktiven oder ausgrenzenden Zuwanderungspolitik verbunden wird, könnte internationale Fachkräfte und Unternehmen abschrecken.

Für Leser bedeutet das: Die Auseinandersetzung um den Kurs in Sachsen-Anhalt ist nicht nur eine innenpolitische Debatte, sondern berührt unmittelbar Fragen nach Wohlstand, Beschäftigungschancen und der Attraktivität des Standorts für die kommenden Jahrzehnte.

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