Institut der deutschen Wirtschaft spricht sich für Euro-Bonds aus
heute 15:36 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Michael Hüther, Leiter des IW, wirbt für eine gemeinsame Schuldenpolitik in Europa als Weg zu einer stärkeren Rolle des Euro auf der Weltbühne.
via dts Nachrichtenagentur
An manchen Tagen stolpert man über Vorschläge, die erst auf den zweiten Blick mehr sind als nur ein Aufwärmen alter Ideen.
Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, wirbelt derzeit Staub in der ohnehin nicht für ihre Lebendigkeit bekannten Debatte um europäische Staatsfinanzen auf.
Vom Tabu zur Chance?
Was in seinem aktuellen Papier auffällt: Hüther spricht offen aus, was in Deutschland lange als politisches No-Go galt – Euro-Bonds. Er fordert nicht einfach einen wilden Schuldensozialismus, wie Kritiker gerne unken, sondern eine gezielte europäische Investitionsunion, die nur ausgewählte Projekte wie Digitalisierung, Energie oder Verteidigung umfasst und an kluge Bedingungen geknüpft ist.
Den Euro stärken – aber wie?
Das Ziel ist nicht weniger als die Weltgeltung des Euro. Hüther sieht eine Gelegenheit, da Investoren nach dem erratischen Kurs der US-Politik einen stabilen Gegenpol suchen.
Dazu bräuchte es nicht nur einen echten europäischen Kapitalmarkt, sondern auch sogenannte sichere Anlagepapiere – eben jene Euro-Bonds.
Keine gemeinschaftliche Haftung – so jedenfalls die Theorie
Interessant: Hüther widerspricht der Vorstellung, jeder trage für alle gemeinsam die Last. Es ginge um gemeinschaftliche Projekte, gekoppelt an Reformauflagen.
Das klingt fast schon nach einem Kompromiss im aufgeheizten europäischen Dschungel. Und, kleiner Einschub: Auch Bundesbankchef Nagel und EZB-Direktorin Schnabel schwenken jüngst auf diesen Kurs ein. CDU-Chef Merz bleibt skeptisch – aber vielleicht ändert sich auch das irgendwann. Oder eben nie.
Das IW unter Michael Hüther setzt sich überraschend für die Einführung von Euro-Bonds ein, um dem Euro dauerhaft mehr internationales Gewicht zu verleihen.
Dabei betont Hüther, dass es nicht um eine Vergemeinschaftung sämtlicher Staatsschulden gehe, sondern um die zielgerichtete Finanzierung gemeinsamer europäischer Projekte mit klaren Reformvorgaben.
Unterstützung erhält er von hochrangigen Ökonomen und Zentralbankern, während in der Politik das Meinungsbild derzeit noch uneinheitlich ist – besonders die CDU bleibt ablehnend.
Ergänzend (Stand 18.04.2024) zeigen aktuelle Artikel, dass die Debatte um die Ausgestaltung der europäischen Fiskalpolitik angesichts geopolitischer Unsicherheiten und wirtschaftlicher Risiken an Brisanz gewinnt. Vor allem die Frage, wie die EU ihre Wettbewerbsfähigkeit (Green Deal, Digitalisierung) finanziert, wird zunehmend als Schlüsselfrage für die Zukunft der Währungsunion und ihrer globalen Position betrachtet.
Experten verschiedener Institute diskutieren zudem intensiv, wie verbindliche Rahmen für die Verwendung gemeinsamer Mittel geschaffen werden können, um moralisches Risiko auszuschließen und das Vertrauen der Märkte in Euro-Bonds zu stärken.
Ein umfassender Beitrag auf sueddeutsche.de analysiert die Rückkehr der Debatte um Euro-Bonds im Kontext der aktuellen geopolitischen Herausforderungen und betont insbesondere die Notwendigkeit einheitlicher Investitionsstrategien in der EU. Diskutiert werden auch Widerstände in Deutschland und die Sorge vor moralischem Risiko. Die Analyse unterstreicht, dass die Einführung von Euro-Bonds eine Frage politischer Integration und Vertrauen sei.
Quelle: Süddeutsche Zeitung.
Die FAZ berichtet detailliert über die Aussagen führender Wirtschaftswissenschaftler sowie den Positionswechsel einiger führender EU-Notenbanker zu gemeinsamen EU-Schulden.
Dabei werden auch historische Entwicklungen der Euro-Bonds-Debatte aufgearbeitet und neue Vorschläge beleuchtet, etwa die Kopplung an klar definierte Projekte und Bedingungen.
Der Artikel hebt hervor, dass die Debatte im Lichte von US-Politik und globalen Machtverschiebungen neu bewertet wird. Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Ein Artikel auf spiegel.de befasst sich ausführlich mit Europas Notwendigkeit, im Angesicht globaler Krisen neue Ideen zur Finanzierung und wirtschaftlicher Zusammenarbeit zuzulassen.
Die Autoren führen aus, dass Euro-Bonds als Instrument zur Verteidigung des Standorts EU gegen Wirtschaftsmächte wie China oder die USA in Betracht gezogen werden sollten, allerdings nur dann, wenn dies mit Transparenz und klaren Kontrollmechanismen einhergeht. Die Kritik an Hab-acht-Haltung innerhalb deutscher Politik zieht sich als roter Faden durch den Beitrag. Quelle: Der Spiegel.