IG Metall-Chefin Benner fordert von VW-Chef Blume neues Vertrauen
heute 18:55 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Die IG-Metall-Vorsitzende und VW-Aufsichtsratsvize Christiane Benner fordert von Konzernchef Oliver Blume die Wiederherstellung von Vertrauen und deutet zugleich an, dass langfristige Standortgarantien über 2030 hinaus nicht gesichert sind. Für Alternativkonzepte zur Werksauslastung wurde im Aufsichtsrat eine zusätzliche Frist von fast einem Jahr vereinbart.
via dts Nachrichtenagentur
Die IG-Metall-Vorsitzende und Vize-Chefin des VW-Aufsichtsrats, Christiane Benner, verlangt von Volkswagen-Chef Oliver Blume eine Wiederherstellung des gegenseitigen Vertrauens. Zugleich stellt sie die bisherige harte Linie gegen mögliche Werksschließungen deutlich zurück.Benner pocht auf neues Vertrauen zu BlumeIn einem Interview mit dem TV-Sender ntv wurde Benner direkt gefragt, ob Blume weiterhin ihr Vertrauen genieße. Sie antwortete, Vertrauen müsse wieder hergestellt werden, obwohl beide maßgeblich am jüngsten Kompromiss zum „Zukunftsplan 2030“ beteiligt waren.
Diese Formulierung unterstreicht, dass die Zusammenarbeit zwischen Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretern weiterhin belastet ist.Abschwächung früherer Position zu WerksschließungenZuvor hatte Benner Werksschließungen kategorisch ausgeschlossen und erklärt, „Werksschließungen gehen mit uns nicht“, zugleich hatte sie Blume schwere Fehler im Umgang mit der Belegschaft vorgeworfen.
Nun betont sie, eine Garantie für den Erhalt aller Standorte und Arbeitsplätze über 2030 hinaus könne sie nicht geben.
Sie verweist darauf, dass heutzutage wenig grundsätzlich ausgeschlossen werden könne und öffnet damit den Rahmen für mögliche spätere Strukturentscheidungen.Verlängerte Zeitschiene für AlternativkonzepteNeu ist eine von Benner genannte Frist: Die Arbeitnehmerseite habe sich im Aufsichtsrat „fast ein Jahr“ erkämpft, um Alternativkonzepte zur Auslastung der Werke zu erarbeiten.
Diese Zeitspanne soll genutzt werden, um ergänzend zur bestehenden Beschäftigungssicherung aus dem Tarifabschluss von Ende 2024 Lösungen zu entwickeln, die Produktionskapazitäten erhalten und Arbeitsplätze stabilisieren.Abgrenzung von Berichten über beschlossene WerksschließungenGleichzeitig widerspricht Benner kursierenden Medienberichten, wonach der Aufsichtsrat bereits vier Werksschließungen und konkrete Abbauzahlen beschlossen habe. Sie spricht von Falschmeldungen und stellt klar, dass bislang lediglich Kosteneinsparungen durch Synergien zwischen den Marken festgelegt wurden.
Werksschließungen und Stellenabbau seien im Aufsichtsrat lediglich zur Kenntnis genommen, aber nicht beschlossen worden.
Die Aussagen von Christiane Benner fallen in eine Phase, in der Volkswagen seinen „Zukunftsplan 2030“ diskutiert und damit die strategische Ausrichtung des Konzerns für die nächsten Jahre festlegt. Im Zentrum stehen Fragen nach der Auslastung der deutschen Werke, der langfristigen Beschäftigungssicherung und der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens im globalen Automarkt.Hintergrund des KonfliktsIn den vergangenen Monaten stand Volkswagen wegen möglicher Werksschließungen und eines hohen Kostendrucks unter besonderer Beobachtung der Belegschaft und der Öffentlichkeit. Die IG Metall spielt als starke Arbeitnehmervertretung traditionell eine zentrale Rolle im Konzern und sitzt mit mehreren Vertretern im Aufsichtsrat. Vor diesem Hintergrund hatten deutliche Warnungen vor Werksschließungen und Kritik am Management für hohe Aufmerksamkeit gesorgt.Neuer Ton und verschobene FrontlinienMit Benners nun zurückhaltenderen Formulierungen und dem Hinweis, Vertrauen müsse wieder hergestellt werden, verlagert sich der Konflikt sichtbar von der öffentlichen Konfrontation hin zu einer Phase der Neujustierung.
Zugleich ist bemerkenswert, dass sie eine absolute Garantie für den Erhalt aller Standorte über das Jahr 2030 hinaus nicht mehr gibt. Damit signalisiert die Arbeitnehmerseite einerseits Dialogbereitschaft, andererseits aber auch, dass strukturelle Anpassungen künftig nicht ausgeschlossen sind.Bedeutung für Beschäftigte und KonzernDas von Benner erwähnte „fast ein Jahr“ für Alternativkonzepte zur Werksauslastung ist für die Beschäftigten entscheidend: In dieser Zeit sollen Vorschläge entwickelt werden, wie Werke besser ausgelastet und Arbeitsplätze gesichert werden können, ohne vorschnelle Schließungsentscheidungen zu treffen.
Gleichzeitig grenzt Benner sich von Berichten über bereits beschlossene Werksschließungen ab, indem sie diese als Falschmeldungen bezeichnet.
Damit bleibt die Lage für die Belegschaft angespannt, aber offen: Konkrete Schließungsentscheidungen sind nicht gefallen, der Druck zu Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen im Konzern dürfte jedoch hoch bleiben.