Ifo-Studie: Angst vor Verbrechen in Ostdeutschland und Berlin am höchsten
vor 33 Minuten, dts-nachrichtenagentur.de
Eine Auswertung der Ifo-Niederlassung Dresden zeigt deutliche regionale Unterschiede in der Angst vor Kriminalität in Deutschland. Besonders hoch ist die Furcht in Teilen Ostdeutschlands und in Berlin, während Menschen im Norden vergleichsweise gelassen bleiben.
via dts Nachrichtenagentur
Die Angst vor Verbrechen ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich ausgeprägt und erreicht in Teilen Ostdeutschlands sowie in Berlin besonders hohe Werte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Ifo-Niederlassung Dresden, die regionale Muster der Kriminalitätsfurcht untersucht und mit objektiven Kriminalitätszahlen vergleicht.Regionale Unterschiede beim AngstempfindenDie Auswertung zeigt, dass Menschen in Sachsen-Anhalt, in weiten Teilen Sachsens – insbesondere in den Regionen um Leipzig und Chemnitz – sowie in Berlin am meisten Angst vor Kriminalität haben. Am wenigsten Sorge äußern Befragte in Schleswig-Holstein, in großen Teilen Niedersachsens mit den Regionen Braunschweig, Weser-Ems und Lüneburg sowie im Regierungsbezirk Kassel in Hessen.
Damit ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen Nord- und Ostdeutschland.Subjektive Angst und objektive KriminalitätNach Angaben der Ifo-Niederlassung Dresden hängt die Angst vor Kriminalität nur begrenzt mit der tatsächlichen Kriminalität zusammen. So ist die Furcht in Schleswig-Holstein sehr gering, während sie in Sachsen-Anhalt erstaunlich hoch ist, obwohl beide Länder mit etwa 8.000 Straftaten je 100.000 Einwohner vergleichbare Kriminalitätszahlen vorweisen.
Die Auswertung umfasst verschiedene Deliktsformen wie Wohnungseinbruch, Diebstahl, Körperverletzung, sexuelle Gewalt, Hasskriminalität und digitalen Identitätsdiebstahl.Verändertes Verhalten aus AngstDie Studie untersucht auch, wie stark Menschen ihr Verhalten aus Angst vor Kriminalität anpassen.
Dazu zählen das Meiden bestimmter Orte, zusätzliche Schutzmaßnahmen und Veränderungen im Alltag. Besonders stark reagieren Menschen in den Regionen um Hannover in Niedersachsen und um Leipzig in Sachsen, wo sie ihr Verhalten aus Sorge vor Verbrechen häufiger anpassen.
Vergleichsweise wenig Vorsichtsmaßnahmen ergreifen Menschen in Oberbayern und Oberfranken in Bayern.Einfluss von Bildung, Alter und EinkommenDie Auswertung zeigt, dass Bevölkerungsgruppen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen durchschnittlich mehr Angst haben, Opfer eines Verbrechens zu werden, als Menschen mit höherem Bildungsabschluss. Mit zunehmendem Alter nimmt die Kriminalitätsfurcht tendenziell ab. Mit Blick auf das Einkommen finden sich hingegen keine Unterschiede, die auf eine systematisch höhere oder niedrigere Angst in bestimmten Einkommensgruppen hinweisen.Geschlechterunterschiede bei einzelnen DeliktenInsgesamt ist die Angst vor Kriminalität bei Männern und Frauen ähnlich ausgeprägt. Unterschiede zeigen sich jedoch bei einzelnen Delikten und beim konkreten Sicherheitsverhalten.
Frauen geben häufiger an, mehr Angst vor Sexualstraftaten zu haben.
Zudem zeigen sie deutlich häufiger Vermeidungs- und Vorsichtsverhalten, etwa indem sie Straßen, Plätze, Parks und öffentliche Verkehrsmittel am Abend meiden oder das Haus bei Dunkelheit nur dann verlassen, wenn es unbedingt nötig ist.
Die Auswertung der Ifo-Niederlassung Dresden ordnet regionale Unterschiede in der Angst vor Kriminalität in Deutschland neu und differenziert ein. Sie zeigt, dass subjektive Furcht nicht einfach aus der polizeilich registrierten Kriminalität abgeleitet werden kann, sondern von weiteren Faktoren wie Bildungsniveau, Alter und persönlichem Sicherheitsverhalten beeinflusst wird. Damit ergänzt die Studie die klassische Betrachtung von Kriminalitätsstatistiken um eine psychologisch-soziale Perspektive.Regionale Wahrnehmung und objektive ZahlenBemerkenswert ist der Befund, dass sich etwa Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt trotz vergleichbarer registrierter Straftaten je Einwohner deutlich in der Kriminalitätsfurcht unterscheiden. In Teilen Ostdeutschlands sowie in Berlin ist das Angstniveau besonders hoch, während im Norden und in Teilen Niedersachsens die Sorge deutlich geringer ausfällt. Solche Unterschiede können unter anderem mit regionalen Debatten über Sicherheit, sichtbarer Polizeipräsenz, medienvermittelten Kriminalitätsfällen und historisch gewachsenen Vertrauensstrukturen in staatliche Institutionen zusammenhängen, ohne dass diese Faktoren die dts-Meldung selbst verändern.Soziale Merkmale und SicherheitsverhaltenDie Studie verweist zudem auf deutliche Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen.
Menschen mit niedrigerem Bildungsabschluss berichten im Durchschnitt höhere Kriminalitätsangst als Personen mit höherem Abschluss, während das Alter tendenziell dämpfend wirkt. Auffällig ist der Befund, dass sich bei Einkommen insgesamt keine Unterschiede in der Furcht zeigen und Männer und Frauen ähnlich stark von Kriminalitätsangst betroffen sind. Zugleich legen Frauen häufiger konkretes Vermeidungs- und Vorsichtsverhalten an den Tag, etwa das Meiden bestimmter Orte in den Abendstunden.
Die stärkere Angst vor Sexualstraftaten spielt dabei eine zentrale Rolle.Bedeutung für Sicherheitspolitik und PräventionFür Politik, Polizei und Präventionsarbeit ist die Unterscheidung zwischen objektiver Kriminalitätslage und subjektiver Furcht entscheidend. Hohe Angst kann das Alltagsleben erheblich einschränken, selbst wenn das tatsächliche Risiko vergleichsweise niedrig ist. Präventionsstrategien, städtebauliche Maßnahmen und Kommunikationsangebote müssen daher sowohl auf reale Gefahren als auch auf wahrgenommene Unsicherheit eingehen.
Die Ergebnisse aus Dresden liefern hierfür einen empirischen Ausgangspunkt, um regionale und gruppenspezifische Präventionsangebote zielgenauer zu gestalten, etwa durch Informationskampagnen, Vertrauensbildung und niedrigschwellige Unterstützung für besonders verunsicherte Bevölkerungsgruppen.