Ifo-Präsident Fuest sieht Verlangsamung der KI-Entwicklung als unrealistisch

heute 11:51 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Ifo-Präsident Clemens Fuest hält Appelle zur Verlangsamung der KI-Entwicklung für politisch nachvollziehbar, aber angesichts globaler Rivalitäten kaum durchsetzbar. Er verweist auf ein Wettrennen um Technologieführerschaft zwischen den USA und China und fordert, Sicherheitsforschung stärker voranzutreiben.

Frau mit Laptop (Archiv)
Frau mit Laptop (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sieht Forderungen nach einer Verlangsamung der Entwicklung Künstlicher Intelligenz zwar als nachvollziehbar an, hält sie aber praktisch für kaum umsetzbar. In einem Interview mit der "Rheinischen Post" verwies er auf erhebliche Schwierigkeiten, Forschungstätigkeiten weltweit zu überwachen und zu begrenzen.Fuest zweifelt an internationaler VereinbarungFuest erklärte, dass insbesondere China sich kaum in eine internationale Vereinbarung einbinden lassen werde, die auf eine langsamere KI-Entwicklung abzielt. Vor diesem Hintergrund schätzt er die Erfolgsaussichten eines solchen Abkommens als gering ein. Der Ökonom verweist damit auf bestehende geopolitische Spannungen, die gemeinsame Regeln erschweren.Wettrennen um TechnologieführerschaftNach Worten des Ifo-Präsidenten gibt es derzeit ein Wettrennen um die technologische Führungsrolle sowohl zwischen den führenden Unternehmen in den USA als auch zwischen den USA und China. Über die leistungsfähigste KI zu verfügen, sei nicht nur von wirtschaftlicher Bedeutung, sondern auch ein Faktor für die nationale Sicherheit. Staaten und Konzerne haben daher ein starkes Eigeninteresse, bei zentralen KI-Technologien an der Spitze zu stehen.Fokus auf Sicherheit und RisikobegrenzungFuest betonte, dass es wenig helfe, allein über Begrenzungen zu sprechen.

Stattdessen müsse die Forschung auch in jene Richtung vorangetrieben werden, die darauf zielt, Sicherheitsrisiken zu verringern und potenziell schädliche Anwendungen von KI zu verhindern. Dazu gehören technische Schutzmechanismen ebenso wie Verfahren zur Kontrolle und Überwachung von KI-Systemen.Hintergrund: Appelle aus der US-TechbrancheAm Wochenende hatten Aufrufe einiger KI-Techchefs in den USA, die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz zu verlangsamen, für Aufmerksamkeit gesorgt. Diese Stimmen aus der Branche warnen vor möglichen negativen Folgen einer zu schnellen, unregulierten Weiterentwicklung.

Fuest nimmt diese Sorgen auf, stellt aber zugleich die Frage, wie solche Appelle in einem internationalen Umfeld mit unterschiedlichen Interessen und Machtkonstellationen praktisch durchgesetzt werden können.
Die Äußerungen von Clemens Fuest fallen in eine Phase, in der Regierungen und Unternehmen weltweit versuchen, die Chancen der Künstlichen Intelligenz mit ihren Risiken in Einklang zu bringen.

Während Politiker über strengere Regeln diskutieren, wächst gleichzeitig der wirtschaftliche Druck, im globalen Wettbewerb um KI-Anwendungen nicht zurückzufallen.Fuest verweist ausdrücklich auf das Wettrennen zwischen den USA und China. Damit rückt er einen zentralen Konflikt in den Fokus: Staaten wollen einerseits Missbrauch und Sicherheitsrisiken begrenzen, andererseits gilt technologische Führerschaft als Schlüssel für wirtschaftliche Stärke und militärische Sicherheit. Wenn große Volkswirtschaften unterschiedliche Interessen verfolgen, werden internationale Abkommen über Begrenzungen oder Verlangsamungen von Forschung besonders schwer.Konflikt zwischen Regulierung und WettbewerbDie jüngsten Appelle von US-Technologiechefs, die KI-Entwicklung zu verlangsamen, zeigen, dass selbst zentrale Treiber der Branche die möglichen Gefahren sehr ernst nehmen.

Zugleich haben viele dieser Unternehmen hohe Investitionen getätigt und stehen unter dem Druck von Aktionären und Wettbewerbern. Eine koordinierte Verlangsamung wäre nur dann wirksam, wenn sie über einzelne Firmen hinausgeht und staatlich oder international politisch abgesichert wird – genau daran zweifelt Fuest angesichts der schwer kontrollierbaren Forschung und der geopolitischen Rivalität.Folgen für Deutschland und EuropaFür Deutschland und die Europäische Union stellt sich die Frage, wie sich ein starker Fokus auf Sicherheitsstandards und Regulierung mit der Notwendigkeit verbinden lässt, eigene Kompetenzen bei KI auszubauen.

Fuest deutet an, dass es nicht ausreiche, allein auf Begrenzung zu setzen.

Forschung müsse gezielt darauf ausgerichtet werden, Schutzmechanismen, robuste Systeme und Verfahren zur Eindämmung von Risiken zu entwickeln. Damit zeichnet sich eine Strategie ab, die auf verantwortungsvolle Weiterentwicklung statt auf generelle Verlangsamung setzt und die europäische Debatte über KI-Regulierung und technologische Souveränität weiter prägen dürfte.

CFD- & Forex-Broker mit Top-Tools!
Günstig. Schnell. Sicher.
Jetzt Konto prüfen.