Henrichmann fordert Technologie-Offensive zum Schutz kritischer Infrastruktur

02.09.26 16:54 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums Marc Henrichmann fordert eine Technologie-Offensive zum Schutz kritischer Infrastruktur und spricht sich für härtere Maßnahmen gegenüber Russland aus. Dabei sieht er Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam in der Pflicht, um hybride Angriffe besser abzuwehren.

Videoüberwachung an kritischer Infrastruktur (Archiv)
Videoüberwachung an kritischer Infrastruktur (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Marc Henrichmann, Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages, fordert eine technologiebasierte Offensive zum besseren Schutz der kritischen Infrastruktur in Deutschland. Der CDU-Politiker verwies in einem TV-Interview darauf, dass moderne Technik aus seiner Sicht der Schlüssel sei, um lebenswichtige Bereiche rund um die Uhr abzusichern.Technologie als Schutzschild für „Lebensadern“Henrichmann sprach von zentralen Versorgungsstrukturen als „Lebensadern“, deren dauerhafte Sicherung mit herkömmlichen Mitteln allein nicht zu leisten sei.

Polizei, Bundeswehr und andere Sicherheitskräfte könnten aus seiner Sicht keinen durchgehenden Rund-um-die-Uhr-Schutz garantieren.

Gesellschaft, Staat und Wirtschaft müssten sich daher zusammenschließen, um Aufklärungssysteme, intelligente Kameratechnik und Sensorik entlang der gesamten Kette vom Flughafen bis zum Stromversorger zu etablieren.Diese „state of the art“-Technologien sollen nach Henrichmanns Vorstellung helfen, Gefahrenlagen frühzeitig zu erkennen und Angriffe auf kritische Infrastruktur zu erschweren.

Ziel ist es, den Schutz vor Bedrohungen aus Russland und anderen Akteuren zu erhöhen, ohne sich allein auf personelle Ressourcen der Sicherheitsbehörden zu stützen.Härtere Gangart gegenüber RusslandIm Hinblick auf Russland plädiert Henrichmann für eine deutliche Härte. Es sei „richtig und wichtig“, Zähne zu zeigen und Maßnahmen zu ergreifen, die auch diplomatisch klare Signale senden.

Die Gesprächsbereitschaft müsse zwar erhalten bleiben, gleichzeitig fordert er aber, selbstbewusst aufzutreten, wenn Deutschland angegriffen werde.Henrichmann machte deutlich, dass man sich nach seiner Auffassung nicht „Tag und Nacht verprügeln lassen“ dürfe. Bereits ein klares Wort oder ein Satz aus Russland, der ein Ende des Krieges oder der hybriden Angriffe ankündige, könne eine Grundlage für eine andere Haltung bilden.

Solange dies nicht geschehe, dürfe sich Deutschland nach seiner Darstellung nicht wie „kleine Jungs und Mädchen“ behandeln lassen, sondern müsse darauf bestehen, ernst genommen zu werden.Weitere Sanktionen und Visa-DebatteDer CDU-Politiker hält zusätzliche Sanktionen gegen Russland grundsätzlich für möglich. Er nannte insbesondere die Visa-Frage als Beispiel, die auf europäischer Ebene geklärt werden müsse. Maßnahmen, die die Führungselite um Präsident Wladimir Putin träfen, zielten aus seiner Sicht direkt auf jene Personen, die den Angriffskrieg gegen die Ukraine vorantreiben und unterstützen.Henrichmann ist überzeugt, dass Einschränkungen für diese Führungsschichten innenpolitische Turbulenzen in Russland auslösen können. Er verwies darauf, dass der russische Angriffskrieg ins Stocken geraten sei und Prognosen von Ausweichbewegungen in Richtung Deutschland, Nato und EU nun Realität würden.

Die zentrale Botschaft, die Deutschland nach seiner Darstellung senden müsse, lautet: Man lasse sich nicht „auf der Nase herumtanzen“.
Die Aussagen Marc Henrichmanns fügen sich in eine längere Debatte über die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastruktur in Deutschland und Europa gegenüber militärischen, cyber- und hybriden Bedrohungen ein. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine werden insbesondere Energieversorgung, Verkehrsknotenpunkte, Kommunikationsnetze und staatliche IT-Systeme als besonders gefährdet eingestuft. Staatliche Stellen weisen immer wieder darauf hin, dass klassische Sicherheitskräfte allein die Vielzahl und Komplexität potenzieller Angriffe nicht abdecken können.Sicherheitstechnologie und hybride BedrohungenVor diesem Hintergrund steht Henrichmanns Forderung nach „state of the art“-Technologie für Aufklärung, Kamerasysteme und Sensorik entlang zentraler Versorgungsadern. Modernisierte Überwachungstechnik gilt in vielen Konzepten zur Kritischen-Infrastruktur-Sicherheit als Baustein, um auffällige Aktivitäten frühzeitig zu erkennen und im Verbund von Polizei, Nachrichtendiensten, Bundeswehr und privaten Betreibern schneller zu reagieren.

Hybride Angriffe können dabei von Cyberattacken über Sabotage an Kabeln oder Pipelines bis hin zu Einflussoperationen reichen und zielen darauf ab, Staaten zu destabilisieren, ohne offen militärisch vorzugehen.Politische Signale und SanktionsdebatteHenrichmanns Hinweise auf „Zähne zeigen“, zusätzliche Sanktionen und die Visa-Frage ordnen sich in die europäische Diskussion ein, wie der Druck auf die russische Führung erhöht werden kann, ohne die eigene Verwundbarkeit zu steigern. Die Idee, Reisebeschränkungen und andere Maßnahmen stärker auf Führungseliten zu konzentrieren, spiegelt Überlegungen wider, die persönliche Kosten für Entscheidungsträger zu erhöhen und zugleich gesellschaftliche Konflikte innerhalb Russlands zu verschärfen.

Zugleich betont Henrichmann die Notwendigkeit, Gesprächsbereitschaft mit Russland zu erhalten, um im Falle eines Kurswechsels schnell auf Deeskalation hinwirken zu können.Bedeutung für Deutschland und seine PartnerFür Bürger und Unternehmen in Deutschland unterstreichen die Aussagen die Bedeutung robuster Infrastruktur, klarer Zuständigkeiten und einer engeren Kooperation zwischen Staat und Wirtschaft. Angesichts zunehmender Vernetzung – etwa bei Stromnetzen, Flughäfen oder Kommunikationsdiensten – wächst der Bedarf an abgestimmten Sicherheitsstandards und Investitionen in moderne Technologie. Gleichzeitig verweisen die von Henrichmann angesprochenen „Ausweichbewegungen“ in Richtung Nato und EU auf die Gefahr, dass Konflikte über die Ukraine hinaus wirken und Sicherheitsorganisationen ihre Schutzkonzepte laufend anpassen müssen.

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