Henkel-Chef Knobel fordert Reformen von Bundesregierung

24.09.26 14:50 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Henkel-Chef Carsten Knobel fordert von der Bundesregierung verlässliche Energiepreise, weniger Bürokratie und eine zügige Umsetzung beschlossener Reformen. Zugleich warnt er vor einem weiteren Zulauf zur AfD und sieht darin eine Gefahr für Deutschlands Wohlstand.

Carsten Knobel (Archiv)
Carsten Knobel (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Henkel-Chef Carsten Knobel hat die Bundesregierung zu Reformen aufgerufen und vor einem weiteren Zulauf zur AfD gewarnt. Anlass ist das 150. Jubiläum des Konzerns, bei dem Bundeskanzler Friedrich Merz am Freitag als Festredner auftritt.Knobel fordert bessere Standortbedingungen„Wir haben jetzt vier, fünf Jahre ohne Wachstum, das müssen wir gemeinsam ändern“, sagte Knobel dem Focus. Deutschland verfüge weiterhin über hohe Innovationsfähigkeit, technologische Führungspositionen in vielen Bereichen und eine gute Ausbildung.Gleichzeitig verlangte der Henkel-Chef verlässliche und bezahlbare Energie sowie weniger Bürokratie. Die Bundesregierung müsse beschlossene Reformen umsetzen, statt sich erneut in aus seiner Sicht unnützen Diskussionen zu verlieren.Fokus auf Innovation und NachhaltigkeitKnobel sagte, Henkel-Gründer Fritz Henkel würde auch heute vermutlich Produkte entwickeln, die den Alltag erleichtern. Dabei würde er sich nach Einschätzung des heutigen Konzernchefs intensiv mit künstlicher Intelligenz, nachhaltigen Materialien und Kreislaufwirtschaft beschäftigen.Warnung vor AfD-ZulaufDer Henkel-Chef warnte außerdem vor einem Zulauf zur AfD. Der Aufschwung der Rechtspopulisten gefährde den Wohlstand in Deutschland, sagte er.Meinungsfreiheit und Weltoffenheit hätten Deutschland über Jahrzehnte genutzt und sollten bewahrt werden.

Forderungen nach einem Austritt aus dem Euro oder dem Abbau von Windrädern könnten nicht im Interesse einer langfristig wachstumsorientierten Wirtschaft sein, so Knobel.
Knobels Forderungen treffen auf eine Reformdebatte, die die Bundesregierung bereits seit Wochen beschäftigt. Im Zentrum stehen strukturelle Belastungen des Standorts Deutschland: hohe Energie- und Arbeitskosten, umfangreiche bürokratische Vorgaben sowie ein großer Anpassungsbedarf bei den sozialen Sicherungssystemen.Reformdruck aus der WirtschaftDie Bundesregierung aus Union und SPD hat angekündigt, Reformgesetze schrittweise auf den Weg zu bringen.

Genannt werden unter anderem flexiblere Arbeitszeiten, Veränderungen bei Pflege und Gesundheit sowie der Abbau von Bürokratie. Wirtschaftsverbände verbinden diese Vorhaben mit der Erwartung, Investitionen und Wachstum in Deutschland wieder zu stärken.Für Industrieunternehmen wie Henkel sind verlässliche Energiepreise und planbare Regulierung unmittelbar relevant. Der Konzern produziert Chemie- und Konsumgüter und steht zugleich für jene Verbindung aus internationalem Geschäft, Forschung und deutschen Produktionsstandorten, auf die Knobel in seiner Einordnung der Volkswirtschaft verweist.Politische DimensionMit seiner Warnung vor einem Zulauf zur AfD verbindet der Henkel-Chef Standortpolitik mit gesellschaftlicher Offenheit und europäischer Integration. Seine Kritik richtet sich damit nicht nur auf einzelne wirtschaftspolitische Maßnahmen, sondern auch auf politische Forderungen, die aus seiner Sicht den Euro und die Energiewende infrage stellen.Die praktische Bedeutung der Debatte liegt für Unternehmen und Beschäftigte vor allem in der Umsetzung: Entscheidend sind konkrete Gesetze, schnellere Verfahren und dauerhaft kalkulierbare Rahmenbedingungen.

Zugleich muss die Regierung Reformen innerhalb der Koalition politisch abstimmen, nachdem insbesondere bei Renten-, Gesundheits- und Pflegepolitik weiterer Gesprächsbedarf besteht.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragentagesschau: „Kanzleramtschefin Warken verspricht Tempo bei Reformen“ (23.09.2026)Der Beitrag bestätigt den Reformdruck und stellt die Zusage von Kanzleramtschefin Nina Warken heraus, die Vorhaben würden nicht aufgegeben, sondern zügig umgesetzt. Anders als Knobel konzentriert sich der Artikel auf die politische Unruhe in der Koalition und auf offene Detailfragen bei den geplanten Reformen.Deutschlandfunk: „Kanzleramtschefin Warken: ‚Keine Absage an Reformen‘“ (22.09.2026)Deutschlandfunk hebt ebenfalls die angekündigten Strukturveränderungen und den Bürokratieabbau hervor. Der Schwerpunkt liegt auf den politischen Arbeitsfeldern flexible Arbeitszeiten, Pflege und Gesundheit; die konkrete Umsetzung und die innerkoalitionäre Abstimmung bleiben zentrale offene Punkte.Medienübergreifend besteht Einigkeit über den Reformbedarf und den Zusammenhang mit stärkerem Wachstum. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Blickwinkel: Während Knobel Energie, Bürokratie und politische Offenheit verbindet, richten die anderen Beiträge den Fokus auf Regierungsfahrplan und Koalitionsfähigkeit.

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